1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
GesellschaftDeutschland

Wörter des Jahres: KI-Ära, Deal und Land gegen Frieden

5. Dezember 2025

Welche neuen Begriffe bilden die wichtigsten Debatten in Deutschland ab? Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat jetzt ihre Worte des Jahres bekanntgegeben: zu Künstlicher Intelligenz, Krieg und Klima.

Wort des Jahres "KI-Ära" auf einem Bildschirm
"KI-Ära" ist das neue Wort des Jahres 2025Bild: Robert Michael/dpa/picture alliance

Der Siegeszug von Künstlicher Intelligenz (KI), Donald Trumps America-First-Politik und der Ukraine-Krieg: Beim Sprachwettbewerb um das Wort des Jahres 2025 landen Begriffe auf dem Podium, die für drei der aktuell größten Umbrüche in Politik und Gesellschaft stehen.

Als Wort des Jahres 2025 kürte die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden den Begriff "KI-Ära". Künstliche Intelligenz sei "aus dem Elfenbeinturm der wissenschaftlichen Forschung herausgetreten, erfasse mit diesem Boom nahezu alle Lebensbereiche, und daher habe mit der neuen Technik eine neue Ära begonnen, begründeten die Sprachexperten ihre Wahl.  

Fast jeder nutzt inzwischen KI im Alltag Bild: Artlist

KI birgt auch Gefahren

Ob bei Recherchen im Internet, bei der Animation von Fotos oder bei der Erstellung von Texten - immer mehr Menschen nutzten heutzutage Werkzeuge wie KI. Bereits in den vergangenen Jahren habe das Thema die Wahl der Wörter des Jahres geprägt. So standen schon die Begriffe "KI-Boom" und "generative Wende" auf der Auswahlliste.

Die Sprachexperten- und -expertinnen sehen in KI große Chancen - zugleich aber auch Risiken des Missbrauchs. KI berge die Gefahr, dass eigenständiges, kritisches Denken und Sprechen verloren gingen. KI werde sich auch auf die weitere Entwicklung der deutschen Sprache selbst auswirken, zeigten sich die Wissenschaftler überzeugt.

"Deal" in Anlehnung an Donald Trump

Auf den zweiten Platz setzte die wissenschaftliche Jury den Ausdruck "Deal" - also Geschäft oder Abkommen - eines der Lieblingswörter von US-Präsident Donald Trump. "Er nutzt das Wort für Handels-, Zoll- oder Außenabkommen, die er als Erfolge präsentiert", erläuterte GfdS-Geschäftsführerin Andrea Ewels. Für seine Anhänger signalisiere er damit Tatkraft. Kritiker sähen darin aber Oberflächlichkeit und Show. Der Anglizismus werde immer häufiger anstelle von Kompromiss, Verhandlungsergebnis, Abkommen oder Vertrag verwendet und schlage sich auch in Zusammensetzungen wie Friedensdeal, Geiseldeal oder Zolldeal nieder.

Der Einfluss des US-Präsidenten Donald Trump mit seinen "Deals" hat es bis in die deutsche Sprache geschafftBild: Al Drago/Pool/CNP/IMAGO

Anglizismen in der deutschen Sprache seien seit vielen Jahren ein Thema, sagte GfdS-Vorsitzende Jochen Bär. Die Kritik daran gehe nach seiner Einschätzung etwas zurück. "Der englische Einfluss auf die deutsche Sprache geht nicht gerade zurück, das dauert noch einige Zeit."

Platz drei zum Ukraine-Krieg

Einen Bezug zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine enthält Platz drei der Wörter-des-Jahres-Liste: "Land gegen Frieden". Gemeint ist damit die Forderung, wonach die Ukraine von Russland besetzte Gebiete abtreten müsse, um einen Frieden zu erreichen. Letztlich, so die Gesellschaft für deutsche Sprache, stehe die Formulierung "Land gegen Frieden" für einen Kapitulationsfrieden und Erpressung.

Russlands Präsident Wladimir Putin will sich nur dann mit der Ukraine auf Friedensverhandlungen einlassen, wenn Gebiete abgetreten werdenBild: RIA News/SNA/IMAGO

Auf die weiteren Plätze der zehn prägnantesten Wörter des Jahres setzte die Sprachaktion die Begriffe "Sondervermögen" und - passend zur zeitgleichen Bundestagsdebatte über das Wehrdienstmodernisierungsgesetz - den Begriff "Wehrdienst-Lotto". Gefolgt von "Drohnisierung": Das Wort beschreibt halbironisch die aktuelle Aufrüstung von Deutschland und NATO mit Kampfdrohnen. Ebenfalls auf die Liste schafften es die Begriffe "Strafzölle" (Platz sieben) und "Wohlstandsverlust" (Platz acht).

"Klimamüde" auf neuntem Platz

Weil aus Sicht der Jury "inzwischen immer weniger Deutsche" den Klimaschutz als politische Hauptaufgabe einforderten, hoben die Sprachexperten das Adjektiv "klimamüde" auf Platz neun. Der Begriff "Vertiktokung" komplettiert die Liste. Die Wortneuschöpfung spielt auf den Siegeszug der sozialen Medien und insbesondere der Video-Plattform Tiktok an.

Wahl des "Wort des Jahres" seit 1977

Mit der Aktion "Wörter des Jahres" kürt die Gesellschaft für deutsche Sprache seit 1977 Wörter und Wendungen, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich in besonderer Weise bestimmt haben. Die Jury, bestehend aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wählt unter mehreren Tausend Belegen aus Medien und Einsendungen zehn Wörter aus, die in der öffentlichen Diskussion vorherrschend waren und ein Jahr sprachlich geprägt haben.

Bestimmend für die Auswahl der Wörter des Jahres ist nach Angaben der Gesellschaft für deutsche Sprache deren Popularität und Bedeutsamkeit, nicht die Häufigkeit der Nutzung. Die Liste solle "den sprachlichen Nerv des Jahres treffen" und sei ein Beitrag zur Zeitgeschichte. Im vergangenen Jahr war "Ampel-Aus" das "Wort des Jahres". Es bezog sich auf das Zerbrechen der Bundestagskoalition von SPD, Grünen und FDP im November 2024.

as/pgr (dpa, afp, KNA)

Redaktionsschluss: 18:00 Uhr (MESZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen