Wacken ohne Matsch? Festivalgelände wird "trittfest"
31. März 2026
Fragt man erfahrene Wacken-Veteranen, was ihnen lieber ist: Sonne und Staub? Oder Regen und Schlamm? - dann kommt meistens diese Antwort: Lieber Schlamm, denn den hat man nur an den Füßen und muss ihn nicht einatmen.
Da ist viel Wahres dran - die 85.000 Fans, die jedes Jahr nach Schleswig-Holstein zum größten Metalfestival der Welt pilgern, tragen lieber festes Schuhwerk als Staubmasken. Dennoch macht der mehr als knöcheltiefe Matsch, der nach einem dort üblichen ausgiebigen Sommerregen auf dem Festivalgelände entsteht, meistens eher Schwierigkeiten als Freude.
Die Veranstalter des W:O:A sind jedes Jahr bemüht, das Festival und dessen Infrastruktur zu verbessern und haben nun ihren Plan präsentiert, das mehr als 10.000 Quadratmeter große Gelände vor den Hauptbühnen mit Platten zu versehen.
"Sowas gab es in Wacken noch nie!", sagt W:O:A Gründer Thomas Jensen in einer Pressemitteilung. "Damit erhoffen wir uns, wetterunabhängig für eine gute Bodenbeschaffenheit für unsere Fans in diesem stark beanspruchten Bereich zu sorgen sowie auch den Holy Ground zu schonen." Der sogenannte "Holy Ground" - oder auch Heilige Acker - ist eine gigantische Grünfläche, die außerhalb der Festivalzeit überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird, etwa als Weideland. Ein Plattensystem soll den Boden vor Müll und Zigarettenkippen schützen.
Mehr Komfort fürs Publikum
Das Publikum würde nicht mit den Schuhen im Schlamm steckenbleiben und Menschen mit Beeinträchtigung hätten einen einfacheren Zugang zu den Bühnen.
Deswegen sollen in diesem Jahr auch die stark beanspruchten Wege zwischen Campingplätzen und den Bühnenbereichen besser befestigt werden. Laut Festivalleitung sollen dieses Jahr bis zu 80 Prozent der Strecken auf befestigten Wegen zurückgelegt werden können. Dafür werden mehr als eine halbe Million Euro investiert.
"Es ist uns wichtig, das Festival fortlaufend zu optimieren, in die verschiedenen Bereiche zu investieren und es auch in diesem Jahr für die Fans spürbar weiterzuentwickeln", ergänzt W:O:A Gründer Holger Hübner. Er und Thomas Jensen, die das W:O:A zum ersten Mal vor 800 Leuten veranstaltet haben, sind von Beginn an bemüht, einen engen Kontakt zu den Fans zu halten und deren Ideen und Anregungen umzusetzen.
Schlamm gehört dazu - aber bitte nicht zuviel
Der Schlamm von Wacken hat in der 35-jährigen Geschichte des Festivals (das erste W:O:A fand 1990 statt) Kultstatus erlangt. Nicht immer nur im positiven Sinne: Besonders schlimm hatte es zehntausende Festivalbesucher und -besucherinnen 2023 erwischt. Schon vor Beginn des Spektakels hatte es wochenlang so stark geregnet, dass der Boden völlig aufgeweicht war. So konnten zunächst noch viele Tausend Fans mit ihren Fahrzeugen auf die Wiesen rollen, was von Stunde zu Stunde unmöglicher wurde. Zahlreiche Autos und Wohnmobile wurden von den ansässigen Landwirten mit Trekkern auf das Gelände gezogen, doch irgendwann ging gar nichts mehr.
Die Veranstalter mussten die etwa 20.000 noch anreisenden Fans bitten, umzukehren. Nur so konnte das Festival 2023 überhaupt stattfinden - sonst wäre alles abgeblasen worden.
Das diesjährige W:O:A findet vom 29. Juli bin zum 1. August statt und wird wieder an die 85.000 Metalfans nach Norddeutschland locken und das 2000-Seelendorf Wacken in eine Kleinstadt verwandeln. Headliner sind Schwergewichte wie Judas Priest, Powerwolf und Def Leppard, die zum ersten auf dem Holy Ground sind. Die Tickets zum 35. Jubiläumsfestival waren innerhalb weniger Stunden ausverkauft.