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Bei der UN in New York: Wadephul trifft Lawrow

26. September 2026

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) trifft in New York City seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow. Es ist das höchstrangigste Treffen beider Länder seit Jahren

Das Bild zeigt Deutschland Außenminister Wadephul (zweiter von rechts)  mit seinem russischen Kollegen Sergei Lawrow bei einem Treffen am Rande der UN-Generalversammlung
Ernste Gesichter, aber immerhin ein kurzes Treffen: Außenminister Wadephul (zweiter von rechts) im Gespräch mit Russlands Außenminister Lawrow am Samstag in New YorkBild: Michael Kappeler/dpa/picture alliance

Es war eine überraschende Nachricht: Am Rande der UN-Vollversammlung haben sich Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow zu einem kurzen Gespräch getroffen.

Glaubt man Beobachtern, dann wurde der deutschen Seite von Drittstaaten signalisiert, dass Russland zu solch einem kurzen Treffen bereit sei, woraufhin die deutsche Seite ihrerseits zustimmte. Zuvor hatten russische Nachrichtenagenturen gemeldet, das Treffen sei auf deutsche Initiative hin zustande gekommen.

Erstes wirkliches Gespräch beider Politiker

Wie auch immer: Es ist das erste ausdrücklich persönliche Treffen Wadephuls mit Lawrow, seit die neue Regierung aus Konservativen und Sozialdemokraten im Mai vergangenen Jahres in Berlin die Amtsgeschäfte übernommen hat. Sieht man von einigen kurzen Begegnungen beider Politiker ab, die aber nicht zu Gesprächen unter vier Augen führten. Und natürlich standen die extrem angespannten Beziehungen beider Länder im Zentrum des rund 20-minütigen Gesprächs.

Auch am Samstag gingen die russischen Angriffe auf die Ukraine weiter - hier auf ein Wohnhaus in der Hauptstadt KiewBild: Gleb Garanich/REUTERS

Wadephul warnt vor weiterer russischen Eskalation

Wadephul forderte die Russische Föderation auf, den gefährlichen Weg der Eskalation gegenüber Deutschland, Europa und der NATO zu verlassen. Und er fügte hinzu, Vorfälle wie der kürzliche Anschlagsversuch in Leipzig oder weitere hybride Angriffe würden Deutschlands Entschlossenheit zur Unterstützung der angegriffenen Ukraine nicht erschüttern.

Am Flughafen in Leipzig waren Anfang August nur durch Zufall mit Sprengstoff beladene Drohnen entdeckt und entschärft worden. Die deutsche Regierung ist sich mittlerweile sicher, dass Russland Urheber der versuchten Attacke ist. Als Reaktion wurde unter anderem das russische Generalkonsulat in Bonn geschlossen. Moskau reagierte mit der Schließung des Goethe-Instituts in Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk.

Wadephul: "War ein intensives Gespräch"

Eiszeit also zwischen Berlin und Moskau. Umso bemerkenswerter ist das jetzige Treffen in New York. Im "Zweiten Deutschen Fernsehen" (ZDF) sagte der Außenminister danach:  "Es war ein intensives Gespräch. Natürlich sind wir über wesentliche Punkte nicht einig geworden". Wadephul fügte hinzu, er habe Lawrow "... angeboten zu deeskalieren, insbesondere auch mit Blick auf die Situation in der Ukraine, aber das hat noch keine offenen Ohren gefunden."

 

Flughafen Leipzig Anfang August: Ein Experte der Polizei entschärft eine Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen LeipzigBild: Axel Schmidt/REUTERS

Schon während einer kurzen Rede im UN-Sicherheitsrat hatte der oberste deutsche Diplomat Wadephul am Freitag gesagt: "Russlands hybride Angriffe gegen diejenigen, die die Ukraine und das Völkerrecht unterstützen, haben eine neue Stufe erreicht."

Im Gespräch mit Lawrow fügte er dann hinzu, trotz aller Kritik sei der gegenwärtige Zustand der Beziehungen nicht im deutschen Interesse. Beide Politiker reichten sich am Ende der Unterhaltung kurz die Hand. Und dennoch: In einer Rede vor der UN-Vollversammlung klang Lawrow dann wieder unversöhnlich: Die Ziele des Krieges würden erreicht, und "die Bedrohung der russischen Sicherheit wird beseitigt und das friedliche Leben wird zurückkehren". Dies, fügte Lawrow hinzu, werde "egal unter welchen Umständen passieren."

Wadephul in New York und Kanada im Dauer-Einsatz

Der deutsche Außenminister machte klar, dass die Lösung für diese Lage seit dem ersten Tag des Krieges auf der Hand liege: ein Ende der russischen Aggression, ein Rückzug russischer Truppen und ein dauerhafter Waffenstillstand. Die Ukraine habe ihre Bereitschaft zu Verhandlungen unzählige Male erklärt. Deutschland stehe bereit, um diesen Weg auch weiterhin zu unterstützen.

Schon seit dem vergangenen Dienstag ist Wadephul in New York City unterwegs - und er vertritt seitdem die deutschen Interessen bei den Vereinten Nationen mehr oder weniger allein. So nahm er an der Eröffnung der Generalversammlung teil, sprach im Weltsicherheitsrat, obwohl Deutschland dort Anfang Juni mit dem Versuch scheiterte, für die nächsten zwei Jahre eines von zehn so genannten nicht-ständigen Mitgliedern zu werden.  Österreich und Portugal erhielten den Zuschlag.

Deutschlands Außenminister allein auf weiter Flur - fast jedenfalls. Kurzfristig waren auch Umweltminister Schneider und Entwicklungsministerin Alabali-Radovan (beide SPD) in New York dabeiBild: Dominik Butzmann/IMAGO

Dann stattete Wadephul auch noch einen kurzen Besuch bei der kanadischen Regierung in Ottawa ab, um schnell wieder zurückzukehren nach New York, zu seiner Rede vor der Vollversammlung - zu einem sehr späten Zeitpunkt für ein Land der Größe und Bedeutung Deutschlands.

Der Kanzler sagt ab - wie im vergangenen Jahr

Und das hatte einen Grund: In der Reihenfolge der Redner im imposanten UN-Gebäude am East River stehen immer die Staaten ganz vorn, die ihre Präsidenten oder Regierungschefs nach New York schicken, für Deutschland wäre das dann Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gewesen.

Keine Zeit für die UN: Kanzler Friedrich Merz blieb in Berlin, Außenminister Wadephul vertritt Deutschland in New YorkBild: Andreas Gora/IMAGO

Der aber steht in Deutschland nach den herben Niederlagen seiner konservativen Partei bei denLandtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern so unter Druck, dass er die Reise in die USA kurzerhand absagte. Das hatte in New York für erhebliches Stirnrunzeln gesorgt.

Denn Merz war schon im Herbst vergangenen Jahres nicht zum UN-Treffen erschienen - und hatte danach erklärt, dass er jetzt, 2026, auf jeden Fall kommen werde. Und so musste Wadephul auch hinter den Kulissen viel Überzeugungsarbeit leisten und die Absage seines Chefs erklären.

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