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Waffenruhe verlängert: Wie geht es weiter im Iran-Krieg?

22. April 2026

Erst einmal ohne neue Frist suchen die USA und der Iran in ihrem Krieg nach Auswegen, die ihre eigenen Interessen wahren. Wir nehmen die zentralen Knackpunkte unter die Lupe und beantworten wichtige Fragen.

Ein Junge geht an Trümmern nach US-israelischen Luftangriffen vorbei
Zwischen Trümmern und Normalität: Straßenszene aus Teheran im April 2026Bild: AFP

Donald Trump stellt gerne Ultimaten, auch wenn sie dann folgenlos bleiben: Anfang April setzte der US-Präsident den Iran mit einer solchen Deadline erst massiv unter Druck, um dann kurz vor Ablauf eine 14-tägige Feuerpause zu verkünden. Die ist nun ergebnislos ausgelaufen und wurde wiederum kurz vor Ablauf verlängert. Es ist bemerkenswert, was der neuen Vereinbarung fehlt: ein Ultimatum.

Trump will nun so lange auf neue Bombardements verzichten, bis der Iran einen neuen Vorschlag zur Beilegung des Konflikts macht und die Gespräche darüber abgeschlossen werden - "in der ein oder anderen Form". Die US-Marine blockiert so lange weiterhin iranische Häfen.

Drei Szenarien zwischen Frieden und Krieg: Wie geht es jetzt weiter?

Die 14-tägige Feuerpause hatte immerhin die ersten direkten Verhandlungen beider Seiten seit fast einem Jahrzehnt ermöglicht; für weitere Gesprächsrunden reichte das gegenseitige Vertrauen jedoch bislang nicht. Mehrfach wurden neue Treffen unter pakistanischer Vermittlung in Islamabad in Aussicht gestellt und doch wieder verschoben oder abgesagt.

Was bringt der neue Tag? Die Blockade der Straße von Hormus ist in weiten Teilen der Welt schmerzlich spürbarBild: Asghar Besharati/AP Photo/picture alliance

Die USA beharren auf einem 15-Punkte-Katalog, Iran wiederum auf zehn eigenen Forderungen. Beide Seiten dürften jedoch wenig Interesse daran haben, den derzeitigen Schwebezustand auf unbestimmte Zeit aufrecht zu erhalten. Insofern sind noch zwei weitere, völlig unterschiedliche Szenarien denkbar: Entweder treten beide Seiten wieder in Gespräche ein, nähern ihre Positionen aneinander an und finden schließlich eine friedliche Einigung. Möglich wäre aber auch, dass sich der Tonfall weiter verschlechtert und die angespannte militärische Lage in der Straße von Hormus eskaliert - dann wäre auch eine Wiederaufnahme der Kämpfe denkbar.

In welchen Bereichen sind die Differenzen zwischen USA und Iran besonders groß?

Unter den 15 amerikanischen Forderungen gelten zwei Punkte als besonders zentral: Iran soll auf sein Atomprogramm verzichten und die freie Schiffspassage durch die Straße von Hormus ermöglichen.

In der Atom-Frage kann es sich Trump nicht leisten, hinter die Zugeständnisse des von seinem Vorgänger Barack Obama mitverhandelten Atomabkommens zurückzufallen, das Trump 2018 einseitig aufgekündigt hatte. Damals setzte er viele der ausgesetzten Sanktionen wieder in Kraft, um einen "besseren Deal" zu erwirken.

US-Medien berichteten, zuletzt sei es vor allem um Zeiträume gegangen: Iran sei zu einem fünfjährigen Verzicht bereit gewesen, während die USA auf mindestens 20 Jahren ohne Urananreicherung bestanden hätten. Umstritten war auch, wie dies überprüft werden könnte, und was mit dem bereits angereicherten Uran im Iran passiert.

Das zweite große Problem ist jünger als der am 28. Februar begonnene Krieg selbst: Als Reaktion auf die amerikanischen und israelischen Angriffe brachte der Iran die zivile Schifffahrt durch die für den Welthandel so wichtige Straße von Hormus zum Erliegen. Als dem Regime in Teheran klar wurde, wie wirksam es die Blockade durchsetzen kann, brachte es eine Art Wegezoll ins Gespräch.

Eine Maut wäre für den Iran wirtschaftlich verlockend, und da im Rest der Welt bereits Treibstoffe und andere Güter knapper werden, ist Teherans Hebel enorm. Erst am Mittwoch - und damit nach Verlängerung der Waffenruhe - attackierten die iranischen Revolutionsgarden nach eigenen Angaben drei Frachtschiffe.

Hubschrauber oder Handelsschiffe? Die Waffenruhe ist verlängert, doch der grundlegende Konflikt zwischen USA und Iran ist noch nicht gelöstBild: US Central Command/AFP

Die USA wollen die Blockade keinesfalls hinnehmen. Präsident Trump verhängte Mitte April eine eigene Blockade, die für alle Schiffe gilt, die iranische Häfen ansteuern oder verlassen wollen. Somit ist auch Irans ökonomisch wichtiger Zugang zu den Handelsrouten derzeit abgeschnitten. Eine Rückkehr zur freien Schifffahrt wie vor dem Krieg müsste wohl zeitweilig von einer internationalen Marinemission abgesichert werden, sodass Reedereien nicht mehr um Schiffe und Crews bangen müssten, die sie durch die Straße von Hormus hindurch schicken.

Welche Probleme wirken unter der Oberfläche für oder gegen eine Annäherung?

Der Krieg hat dem US-Präsidenten innenpolitisch geschadet: Teile seiner eigenen MAGA-Bewegung sind auf Distanz gegangen, weil Trump sein eigenes Versprechen gebrochen hat, die USA aus langwierigen und kostspieligen Militäreinsätzen im Ausland herauszuhalten. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Blockade sind, wie im Rest der Welt, auch in den USA spürbar, nicht nur an den Tankstellen. Möglicherweise hat Trump daher auf ein neues Ultimatum verzichtet, um sich selbst nicht unter Zugzwang zu setzen.

Im freien Fall? Umfragen zufolge lehnt die Mehrheit der US-Amerikaner den Krieg gegen den Iran abBild: Ronaldo Schemidt/AFP

Hinzu kommt: In gut sechs Monaten entscheiden die US-Bürger in den Midterm-Wahlen über eine neue Zusammensetzung des Kongresses. Würden die Republikaner die Mehrheit an die Demokraten verlieren, hätte das ernste Konsequenzen für Trump. Das erhöht den Druck noch weiter, sich einerseits nicht vollends in einem längeren Krieg zu verzetteln, andererseits aber ein für ihn vorteilhaftes Ergebnis einzufahren.

Irans Regime unter dem neuen Obersten Führer Modschtaba Chamenei hat womöglich weniger Eile, praktisch schadet aber die US-Blockade auch der iranischen Wirtschaft. Das muss jedoch nicht in gleichem Maße für die Revolutionsgarden gelten, die von Experten inzwischen als "Staat im Staate" bezeichnet werden - und die durch den Konflikt ihren Einfluss noch weiter ausgebaut haben. Die Revolutionsgarden haben demnach weniger Interesse an einer Deeskalation als die Staatsführung.

Und dann gibt es noch einen weiteren zentralen Faktor: Gemeinsam mit den USA hat Israel den Krieg begonnen; die Kriegsziele der Regierung von Premier Benjamin Netanjahu unterscheiden sich von jenen der USA. Israel befindet sich in Reichweite der Raketen des Erzfeindes Iran und hat daher existenziellere Sicherheitsinteressen. Zudem flammte parallel zu den Luftschlägen auf Iran der Konflikt mit der von Iran verbündeten Hisbollah im Libanon wieder auf. In den ersten Tagen der US-iranischen Waffenruhe bombardierte Israel die Hisbollah noch heftig.

Zweite Front? Auch die Lage im Libanon dürfte die Entwicklungen im US-iranischen Konflikt weiter beeinflussen - im Bild Artilleriesysteme der israelischen Armee im Kampf gegen die Hisbollah (März 2026)Bild: Jalaa Marey/AFP

Inzwischen gilt auch hier eine von US-Präsident Trump vermittelte Waffenruhe, allerdings in erster Linie zwischen dem Staat Libanon und Israel. Das Kalkül: Falls die seit Israels Gründung 1948 offiziell im Krieg stehenden Nachbarn tatsächlich ihre Beziehungen normalisieren und Beirut im Rahmen dieses Prozesses eine Entwaffnung der Hisbollah erwirkt, hilft das Israels Sicherheit. Doch dass dieser Ausgang tatsächlich erreicht wird, ist keineswegs sicher - und dieser Friedensprozess ist auch eng an die weiteren Entwicklungen zwischen Iran und USA geknüpft.

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