Wahl in Baden-Württemberg: Grüner Cem Özdemir knapp vorn
8. März 2026
Dieser Wahlausgang bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ist eine Sensation: Nachdem er lange Monate in den Umfragen hoffnungslos hinter dem Bewerber der Konservativen, dem CDU-Politiker Manuel Hagel, zurückgelegen hatte, teilweise um 14 Prozentpunkte, holte der frühere Bundesminister der Grünen, Cem Özdemir, erstaunlich auf. Und wird jetzt aller Wahrscheinlichkeit nach Ministerpräsident im Bundesland im Südwesten Deutschlands.
Erster Landeschef mit türkischen Wurzeln
Özdemir wäre dann der erste Länder-Regierungschef in der Geschichte der Bundesrepublik, dessen Eltern nicht in Deutschland geboren wurden. Die Eltern waren in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Der 60 Jahre alte Grünen-Politiker, der aus der Nähe von Stuttgart stammt, wird wohl mit der CDU als kleinerem Koalitionspartner regieren. So wie zuletzt sein Parteifreund Winfried Kretschmann, der auch mit der CDU regierte und sich nicht noch einmal zur Wahl stellte.
Özdemir selbst rang in einer ersten Reaktion sichtbar um Fassung und sprach von einem fulminanten Endspurt im Wahlkampf. Und er versprach im ARD-Fernsehen: "Wir haben viele Erwartungen geweckt bei den Menschen in Baden-Württemberg. Dass es uns ums Landeswohl gehen soll, nicht um das Parteiinteresse. Daran habe ich nichts zurückzunehmen. So möchte ich das Land führen."
Das Programm der Grünen hieß Özdemir
Der Sieg Özdemir ist das Resultat einer Wahl, die wie wenige vorher eine Entscheidung für einen einzelnen Kandidaten war. Satte 50 Prozent aller Menschen, die diesmal ihr Kreuz bei den Grünen machten, gaben an, das wegen des Spitzenkandidaten Özdemir getan zu haben. Das ergab am Wahltag eine Befragung von über 22.000 Bürgerinnen und Bürgern nach ihrer Stimmabgabe durch das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap. So ein hoher Wert wird bei Wahlen in Deutschland, die eigentlich von den Programmen der Parteien bestimmt werden, selten gemessen.
Hohe Unzufriedenheit mit der Arbeit der Bundesregierung
Özdemir ist in Baden-Württemberg weitaus geachteter und auch bekannter als sein CDU-Gegenkandidat Manuel Hagel. Der musste zudem auch gegen die hohe Unzufriedenheit mit der Arbeit der Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kämpfen. So stimmten 78 Prozent der Befragten nach ihrer Stimmabgabe der Aussage zu, die Regierung aus Konservativen und Sozialdemokraten in Berlin habe zu viel versprochen und zu wenig gehalten.
Und das bekam dann vor allem die SPD zu spüren, für die das Ergebnis eine Katastrophe ist. Die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas, im Kabinett Merz die Arbeitsministerin, sieht den Hauptgrund für dieses magere Ergebnis im Duell zwischen Özdemir und Hagel: "Der hat einfach alle Stimmen abgesaugt, das muss man so festhalten. Weil es den Zweikampf der zwei Kandidierenden gab."
Weidel: Wähler wollten Mitte-Rechts-Bündnis
Weniger Stimmen als zuletzt erhofft, aber erheblich mehr als bei der letzten Wahl vor fünf Jahren bekam die in Teilen rechtsextreme "Alternative für Deutschland" (AfD). Allerdings hatten die einzig möglichen Regierungspartner, die Konservativen, schon lange vorher jede Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten ausgeschlossen. Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel sagte im ARD-Fernsehen, die Wähler hätten für einen Mitte-Rechts-Regierung gestimmt, was jedoch ignoriert werde: "Wir werden jetzt Opposition machen."
FDP und Linke nicht im Landtag vertreten
Vollkommen unter die Räder fielen bei dieser Wahl die Liberalen von der FDP und die Linken. Beide Parteien werden nicht im Landtag vertreten sein. Das ist besonders bitter für die FDP, galt Baden-Württemberg doch viel Jahrzehnte als Hochburg der Partei, die noch bis zum Herbst 2024 in Berlin am Regierungsbündnis unter dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz beteiligt war. Seit dem Bruch dieser Koalition hat die FDP aber kaum noch Erfolge verzeichnen können und gehört auch dem neuen Bundestag in Berlin nicht mehr an.
Baden-Württemberg: Herzland der Auto-Industrie
Baden-Württemberg gilt mit seinen etwas über elf Millionen Einwohnern als eines der wirtschaftlich starken Bundesländer. Vor allem die kriselnde Autoindustrie hat hier viel Niederlassungen wie Porsche und Mercedes. Aber das Bundesland ist auch von einer hohen Anzahl kleinerer Familienunternehmen geprägt. Im Westen grenzt Baden-Württemberg an Frankreich und im Süden an die Schweiz.