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Wahl in Frankreich

10. Juni 2002

Am Sonntag (9.6.) fand in Frankreich die erste Runde der Parlamentswahlen statt.

Parlamentswahlen in Frankreich
Parlamentswahlen in FrankreichBild: AP

Dabei verzeichneten die bürgerlichen Parteien, die Staatspräsident Jacques Chirac unterstützen, große Gewinne, während die linken Parteien Stimmen verloren.Laut Meinungsforschern könnte das Chirac-Lager nach der zweiten Wahlrunde am kommenden Sonntag (16.6.) die absolute Mehrheit in der künftigen Nationalversammlung erreichen. Gérard Foussier kommentiert.

Frankreich ist doch ein konservatives Land. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der am 5. Mai wiedergewählte Staatspräsident Jacques Chirac künftig über eine deutliche Mehrheit in der Nationalversammlung verfügen. Etliche Stichwahlen werden zwar erst am nächsten Sonntag (16.6.) über die genauen Machtverhältnisse entscheiden. Aber Überraschungen sind nicht mehr zu erwarten.

Die Wiederwahl Chiracs am 5. Mai mit 82 Prozent der Stimmen war eigentlich eine Abwahl des Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen. Die Wahl der bürgerlichen Parteien für die nächste Pariser Nationalversammung ist nun eine Entscheidung gegen eine weitere Lähmung der französischen Politik für fünf Jahre. Die französischen Wähler - auch die, die zu Hause geblieben sind - haben deutlich signalisiert, dass sie eine weitere "Cohabitation" ablehnen - jene Zwangsehe zwischen einem bürgerlichen Staatschef und einer linksgerichteten Regierung.

Die linken Parteien haben seit ihrer bitteren Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen im April keine glaubwürdige Alternative geboten. Vielmehr hat die Zersplitterung der Bewerbungen um ein Parlamentsmandat dazu geführt, dass realistische Linkswähler nicht zur Wahl gegangen sind. Auch die Protestwähler sind weniger geworden: Splitterparteien haben keinen Zulauf, die Nationale Front Le Pens verliert etliche Stimmen, auch in ihren bisherigen Hochburgen; die Kommunistische Partei kämpft nur noch um ihr Überleben; die Grünen werden zur "quantité négligeable", zur vernachlässigbaren Größe.

Trotzdem: Frankreich hat nicht für ein gaullistisches Wahlprogramm gestimmt, sondern vielmehr für eine Stabilisierung der Institutionen der Fünften Republik.

In der Opposition muss die Linke nun eine neue charismatische Persönlichkeit finden, um ihre Ideale doch noch irgendwann durchzusetzen. Das linke Lager ist Opfer seines selbst hochgeschätzen Pluralismus gewesen, weil jeder innerhalb dieser gutgemeinten Koalition von Sozialisten, Kommunisten und Grünen nur für sich gekämpft hat. Erst bei den Präsidentschaftswahlen ist es jedem klar geworden, was dieser Parteipluralismus bewirkte. Bei den Parlamentswahlen kandidierte wieder jeder gegen jeden, als wäre nichts geschehen.

Ähnliche Schwierigkeiten kennen zwar die bürgerlichen Parteien auch, aber in einem geringerem Umfang, zumindest in Wahlkampfzeiten. Die negegründete Sammelbewegung UMP ("Union für die Präsidentenmehrheit") geht als deutlicher Sieger aus den Wahlen hervor, weil Einheitskandidaturen möglich wurden. Ob die Allianz in der Regierungsarbeit Bestand haben wird, bleibt abzuwarten.

Vielmehr als einen Parteienpluralismus braucht Frankreich endlich einen Gesellschaftspluralismus. Noch ist er nicht zu erkennen.

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