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Banaszak: Mit dem Wohnmobil durch AfD-Hochburgen

28. Juni 2026

Grünen-Chef Felix Banaszak fährt mit dem Wohnmobil durch Sachsen-Anhalt. Und probiert, ob man auf Campingplätzen vor den Landtagswahlen Wahlkampf machen kann.

Das Bild zeigt den Grünen-Vorsitzenden Felix Banaszak am Steuer eines Wohnmobils, er blickt über die Schulter nach hinten
Stimmenfang auf Campingplätzen: Felix Banaszak am Wohnmobil-SteuerBild: Steve Bülow/Grüne Pressestelle

Der Grünen-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Felix Banaszak fährt an diesem sonnigen Tag von Berlin nach Sachsen-Anhalt. Nicht in der Dienstlimousine, nicht mit der Bahn, sondern er sitzt am Steuer eines in die Jahre gekommenen Wohnmobils. Im September sind in Sachsen-Anhalt Landtagswahlen; den Wahlkampf will Banaszak nun ausgerechnet auf Campingplätzen verbringen. Keineswegs nur für ein paar Stunden, sondern er will in seinem Camper dort auch übernachten.

Während der Fahrt erklärt Felix Banaszak der DW, was er sich dabei gedacht hat. Die Grünen werden große Probleme haben, im Landtag in Magdeburg nach der Wahl wieder vertreten zu sein. Zur Zeit liegen sie bei vier Prozent in den Umfragen. Ihr Image in diesem strukturschwachen östlichen Bundesland ist das einer Partei von wohlhabenden Öko-Freaks aus den großen Städten, die vom Leben in Sachsen-Anhalt nichts verstehen. Gegen dieses Klischee will der 36 Jahre alte Parteichef mit einem offenen Gesprächsangebot ankämpfen:  "Wir wollen zeigen: Wir gehen dahin, wo Menschen sind, und warten nicht darauf, dass sie zu uns in die Geschäftsstelle kommen, um sich Fachvorträge anzuhören."

Die Themen: Migration Aufrüstung, Wirtschaftsflaute

Schnell wird klar: Auf Fachvorträge haben die Menschen auf dem ersten Campingplatz, den Banaszak in sengender Hitze nahe der Ortschaft Wischer erreicht, auch überhaupt keine Lust. Aber willkommen heißen sie den Grünen-Politiker schon, loben seinen Mut, sich ihnen zu stellen. Und sind schnell bei den Themen, die auch den Wahlkampf dominieren werden: der Wirtschaftsflaute, der aus Sicht der meisten Campingplatzbewohner misslungene Zuwanderung und dem Ukraine-Krieg.

Andreas Wöge ist extra mit dem Rad von der nahen Ortschaft Wischer auf den Campingplatz "Wa-Ca-WI" gekommen. Er findet, das Land investiert zu viel in die Aufrüstung, und dass etwa Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)  davon spricht, das Land müsse rasch "kriegstüchtig" werden, findet er furchtbar.

Bei allen Zweifeln: das Gespräch funktioniert 

Die deutsche Unterstützung für die angegriffene Ukraine, die Aufrüstung der Bundeswehr: Alles Reizthemen. Auch als Oppositionspartei unterstützen die Grünen die Aufrüstung der Bundeswehr grundsätzlich. Und was ist mit der Befürchtung, dass Russlands Präsident Wladimir Putin nach der Ukraine auch die NATO angreifen könnte, vielleicht sogar Deutschland? Wöge blickt Banaszak zweifelnd an und sagt: "2029 wird Putin angreifen - wer erzählt denn so was?“

Banaszak weiß selbst nicht, was Putin tun wird. Dass Russland jedoch eine Bedrohung ist, davon ist er überzeugt. "Wer sagt Ihnen so etwas?", fragen die Menschen auf dem Campingplatz. Der Grünen-Chef antwortet: "Leider alle Nachrichtendienste, die sich mit so etwas auseinandersetzen." Leichtes Nicken bei den Gesprächspartnern, die Zweifel bleiben, aber immerhin: Das Gespräch findet statt.

Offene Gespräche, viele Meinungsunterscheide, aber am Ende ein Bier: Abendstimmung auf dem Campingplatz in Sachsen-Anhalt Bild: Jens Thurau/DW

Schlange stehen für Selfies mit dem AfD-Spitzenkandidaten

Banaszak geht über den Campingplatz, bleibt hier stehen und dort, niemand weist ihn ab. Aber spricht man die Menschen direkt an, dann sagen viele, dass sie im September die in Teilen rechtsextreme "Alternative für Deutschland" (AfD) wählen werden. Aus Protest gegen die Regierung in Berlin. Weil eigentlich alles anders werden muss. Auch wenn der Herr von den Grünen ein netter Kerl sei. In den jüngsten Umfragen liegen die Rechts-Populisten bei 40 Prozent, es fehlen nur noch wenige Prozente zur absoluten Mehrheit.

Vielleicht dreißig Menschen kommen zusammen, um mit Banaszak zu sprechen. Aber einige Camper, erzählen, vor zwei Wochen sei der AfD-Spitzenkandidat für die September-Wahl, Ulrich Siegmund, der aus Tangermünde hier ganz in der Nähe stammt, auf dem Campingplatz erschienen, mit vielen Unterstützern, und die Menschen hätten Schlange gestanden für Selfies und Autogramme.

Die Grünen wählen, um die AfD zu schwächen? Kein gutes Wahl-Motiv 

Alle anderen Parteien versprechen, nicht mit der AfD zusammenarbeiten zu wollen. Die CDU nicht, die mit Sven Schulze gerade den Ministerpräsidenten stellt. Die Linken nicht, die Grünen nicht, die Sozialdemokraten nicht. Aber im August, in der heißen Wahlkampfzeit, wird es wohl auf ein direktes Duell zwischen Schulze und Siegmund hinauslaufen. Achtet dann noch jemand auf die kleinen Parteien?

Kleine Ruhepause von den Campings-Platz-Diskussionen: Etwas über zehntausend Stimmen fehlen den Grünen noch zum Wiedereinzug in den LandtagBild: Steve Bülow/Grüne Pressestelle

Banaszak sieht das anders. Er sagt der DW: "Am Ende wird es nicht darauf ankommen, wie viel Prozent die CDU hat, sondern am Ende wird es darauf ankommen, wie viele Parteien in den Landtag einziehen." Nur Parteien, die mindestens fünf Prozent der Stimmen erhalten, sind in Länder-Parlamenten vertreten. Je mehr Parteien im Landtag, desto unwahrscheinlicher wird ein AfD-Ministerpräsident Siegmund, soll das heißen. Doch Banaszak weiß, dass es um die Ecke gedacht wirkt, aus diesem Motiv die Grünen zu wählen.

Und so setzt er auch bei den Gesprächen auf dem Campingplatz auf die grünen Kernthemen, auf Klimaschutz, saubere Gewässer und Seen, intakte Natur. Zuletzt sind die Grünen aus zwei Landtagen in Ostdeutschland ausgeschieden, was bereits Folgen für den Umweltschutz habe: "Man sieht jetzt in Brandenburg und in Thüringen: Wenn die Grünen rausfallen aus dem Parlament, dann haben auch diese Themen keine Stimme mehr. Deswegen geht es uns jetzt um Mobilisierung. Mit vier Prozent sind wir noch nicht drin, aber knapp davor."

Am Ende gibt es am Abend auf dem Campingplatz Bier und Würstchen für die Camper, auf Kosten der Grünen. Etwas mehr als zehntausend Stimmen fehlen den Grünen im Moment noch, um wieder im Landtag mitreden zu können nach der Wahl. Ob auf dem Campingplatz schon ein paar dazugekommen sind? Felix Banaszak kann das nur hoffen.

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