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PolitikJapan

Wahlsieg Takaichis in Japan: USA zufrieden, China besorgt

Julian Ryall in Tokio
9. Februar 2026

Das war niemandem zuvor gelungen: Japans Premierministerin Takaichis errang bei den Parlamentswahlen am Sonntag eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Das robuste Mandat verschärft aber die geopolitischen Rivalitäten in Asien.

Japan Tokio 2026 | Premierministerin Sanae Takaichi trifft nach Wahlsieg im Amtssitz ein
Wahlsiegerin Sanae Takaichi (m.)Bild: Kaname Yoneyama/The Yomiuri Shimbun/AP Photo/picture alliance

Am Sonntag errang die japanische Premierministerin Sanae Takaichi bei den vorgezogenen Parlamentswahlen einen überwältigenden Sieg. Mit ihrem kleinen Koalitionspartner erreichte ihre Fast-Dauerregierungspartei, die Liberaldemokratische Partei (LDP), eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament. Das Ergebnis gibt ihr nun das Mandat, außen- und sicherheitspolitische Initiativen voranzutreiben.

US-Präsident Donald Trump gratulierte Takaichi umgehend zu ihrem "erdrutschartigen Sieg". Er fühle sich sehr geehrt, ihre Kampagne einige Tage vor den Wahlen unterstützt zu haben. "Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer konservativen Agenda 'Frieden durch Stärke'", schrieb Trump auf Truth Social.

Auch US-Finanzminister Scott Bessent unterstrich die Wichtigkeit der transpazifischen Verbindung in einer Sendung von Fox News am Sonntag. Washington und Tokio hätten eine "großartige" Beziehung. "Wenn Japan stark ist, sind auch die USA in Asien stark", sagte Bessent.

Wie kein anderer zuvor errang Takaichi die Zwei-Drittel-Mehrheit im ParlamentBild: Ryohei Moriya/AP Photo/picture alliance

Zurückhaltende Meldungen aus Peking

Die Reaktion Chinas hingegen fiel zurückhaltend aus. Die staatlichen Medien beschränkten sich am Montag darauf, das Ergebnis von Takaichis Sieg zu verkünden. Analysten gehen davon aus, dass Peking in den kommenden Tagen seine Position neu justiert. Denn Takaichi konnte den Sieg vielleicht auch aufgrund des Drucks aus China einfahren.

Monate vor den Wahlen hatte China ihrer wohlhabenden Mittelschicht von Urlaubsreisen nach Japan abgeraten und als diplomatisches Symbol keine Pandabären an japanische Zoos vergeben. Offenbar wollte Peking damit das Wählerverhalten in Japan beeinflussen.

"China hatte versucht, die Regierung um Takaichi zu destabilisieren - als Reaktion auf ihre Äußerungen über Taiwan vom November", sagt Ben Ascione, Politologe an der Waseda-Universität in Tokio. Die rechtspopulistische Politikerin hatte damals militärischen Einsätze durch japanische Streitkräfte in Aussicht gestellt, wenn China Taiwan angreifen sollte. Später entschuldigte sie sich für diese Aussage, nahm sie aber nicht zurück.

Yasukuni-Schrein in TokioBild: DW

Zankapfel: Besuch im Yasukuni-Schrein

"Politisch stehen Takaichi und die Kommunistische Partei Chinas im Widerspruch zueinander", sagt Ascione, "Peking stellt sie als Geschichtsrevisionistin dar, indem es ihre Unterstützung für den Yasukuni-Schrein hervorhebt." Der Shinto-Schrein in Tokio ist umstritten, weil dort die Seelenregister der Gefallenen im Zweiten Weltkrieg verehrt werden, darunter auch 14 verurteilte Kriegsverbrecher. Asiatische Siegermächte des Kriegs protestieren heftig, wenn japanische Politiker den Schrein besuchen und Opfergaben bringen.

Takaichi sagte nach ihrem Wahlerfolg, sie werde die Rahmenbedingungen für ihren Besuch im Yasukuni-Schrein überarbeiten. Sie wolle sich die Unterstützung der Verbündeten sichern und um das Verständnis der Nachbarländer werben. Als Kabinettsmitglied war sie an allen routinemäßigen Gebetsveranstaltungen im Yasukuni-Schrein anwesend gewesen.

Peking reagierte am Montag mit deutlicher Kritik. "Es wäre Verrat, die Geschichte zu vergessen. Es wäre eine schwerste Straftat, das Kriegsverbrechen zu verschweigen", sagte Chinas Regierungssprecher Lin Jian. Vor 80 Jahren hatte der Tokioter Prozess stattgefunden. Damals wurden japanische Kriegsverbrecher verurteilt. Japan dürfe nie zulassen, dass sich die Geschichte wiederhole.

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Gemeinsamen Nenner finden

"Es scheint aber wenig Sinn zu machen, dass Peking weiterhin versucht, Takaichi zu destabilisieren, da sie politisch nicht mehr angreifbar ist", sagt Ascione im DW-Interview. "Vielleicht können sich beide Seiten darauf einigen, dass sie bei einigen Themen unterschiedlicher Meinung sind, und so einen Weg nach vorne finden."

Eine Möglichkeit dafür wäre, dass Takaichi in die Fußstapfen ihres politischen Mentors und ehemaligen Premierministers Shinzo Abe tritt. Abe war 2018 nach einem heftigen Eklat um die Senkaku/Diaoyu-Inseln, auf die beide asiatische Länder Anspruch erheben, nach Peking gereist. Dort unterzeichnete er eine Reihe von Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit und Handel und glättete die Wogen wieder.

(Archiv) Takaichi besuchte Yasukuni-Schrein am Jahrestag der japanischen Kapitulation am 15.08.2014Bild: Naoki Maeda/The Yomiuri Shimbun/AP/picture alliance

China und Japan müssten einen Mittelweg finden, meint auch Hiromi Murakami, Professorin für Politikwissenschaft an der Temple University in Tokio, ohne dass dabei eine Seite allzu sehr das Gesicht verliere. "Wenn Takaichi beschließt, dass sie sich im Yasukuni-Schrein respektvoll verbeugt, oder wenn sie die Verteidigungsausgaben erneut erhöht oder wenn sie Pläne zur Neufassung der Nachkriegsfriedensverfassung vorantreibt, dann würde China nicht positiv reagieren."

Peking verfüge über einige mächtige wirtschaftliche Hebel, betont sie. China hat die Ausfuhr der Seltenen Erden nach Japan stark eingeschränkt und die Einfuhr japanischer Meeresprodukte nach dem Super-GAU im AKW Fukushima 2011 verboten. "Insgesamt werden die Auswirkungen auf die japanische Wirtschaft und Gesellschaft sehr gravierend sein", sagt sie. "Das ist wichtig für Takaichi, denn obwohl die nationale Sicherheit für ihre Stammwähler ein wichtiger Faktor war, waren steigende Preise und Lebenshaltungskosten ein noch wichtigeres Thema."

US-Präsident Trump und Japans Premierministerin Takaichi am 28.10.2025 im US-Militärstützpunkt im japanischen Yokosuka Bild: Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Mehr Ausgaben für Militär

Die Beziehungen zu den USA würden unter der neuen Regierung Takaichi jedoch voraussichtlich einen Aufschwung erleben, sagt Professorin Murakami. "Wir haben gesehen, dass Takaichi die USA bereits als Partner akzeptiert hat, indem sie US-Zölle akzeptiert und sich bereit erklärt hat, mehr Geld in die Verteidigung zu investieren. Sie hat dieses Jahr die Ausgaben für die japanischen Selbstverteidigungskräfte erhöht. Trump hat allen Grund, zufrieden zu sein." Trump wisse jetzt, dass Takaichi, solange sie an der Macht ist, das tun werde, was die USA wollten, weil Japan die Sicherheitsgarantien der USA brauche.

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Eine stärkere Beziehung zu den USA sei ein Abschreckungsmittel gegenüber China, sagt auch Politologe Ascione, auch wenn die 15-prozentigen US-Strafzölle auf japanische Produkte die Wirtschaft Japans geschwächt haben. "Die Beziehungen Tokios zu den USA könnten sich aufgrund wirtschaftlicher Fragen angespannt entwickeln. Aber ich gehe trotzdem davon aus, dass Takaichi bei ihrem nächsten Besuch in Washington die Sicherheitsallianz mit den USA bekräftigen wird."

US-Präsident Trump hat bereits bestätigt, dass er am 19. März Takaichi im Weißen Haus empfangen wird. Es wird erwartet, dass die japanische Regierungschefin Einzelheiten zur ersten Runde der japanischen Investitionen in Höhe von insgesamt 550 Milliarden US-Dollar in den Vereinigten Staaten bekannt gibt, um sich die politische Unterstützung Washingtons für die Zukunft zu sichern.

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan

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