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Warum die Bundeswehr auf die Gamescom setzt

27. August 2026

Seit zehn Jahren präsentiert sich die Bundeswehr auf der Videospielemesse Gamescom, um jungen Menschen den Soldatenberuf schmackhaft zu machen. Und genauso lange steht sie dafür in der Kritik.

Bundeswehrstand auf der Spielemesse Gamescom zeigt eine Uniform eines deutschen Soldaten, im Hintergrund weitere Soldaten in Uniform
Auch 2026 ist die Bundeswehr auf der Videospielmesse Gamescom in Köln vertretenBild: Kristina Reymann-Schneider/DW

Die Gamescom in Köln ist laut eigenen Angaben die größte Computerspielemesse der Welt. Im vergangenen Jahr waren zwei Drittel der Privatbesucher männlich und mehr als 40 Prozent zwischen 16 und 25 Jahre alt. Diese jungen Menschen will auch die Bundeswehr erreichen, die dringend ihr Personal aufstocken muss.

Bis 2035 soll die Truppe auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten anwachsen. Hunderte Milliarden Euro stellt die Bundesregierung für die Modernisierung der deutschen Streitkräfte zur Verfügung. Verteidigung hat in Deutschland angesichts der Weltlage inzwischen Priorität.

Karriereberatung in Flecktarn

2016 nahm die Bundeswehr erstmals mit einem eigenen Stand an der Gamescom teil. Seitdem ist sie jedes Jahr dabei. Ein Blickfang ist der nagelneue olivgrüne Geländewagen Caracal. Daneben reihen sich Laptops des Zentrums für Cyber-Operationen auf, das unter anderem für die Cyberabwehr zuständig ist. Besucher dürfen hier unter Aufsicht hacken.

Beliebtes Fotomotiv am Bundeswehrstand: der Geländewagen CaracalBild: Kristina Reymann-Schneider/DW

An einer anderen Station liegen VR-Brillen aus, die Einblicke in die Arbeit von Soldatinnen und Soldaten auf einem Marineschiff geben. In einer 3D-Erlebniswelt stellen Piloten, Bordmechaniker und ein Flugloste ihre Berufe vor. In einer anderen Ecke stehen einige durchtrainierte Gebirgsjäger neben einer Klimmzugstange, an der Besucher ihre Kräfte messen können.

Neu ist die Karrierelounge, in der Interessierte so genannte "Karriereberatungsgespräche" führen können. Die Stimmung ist gut, die Soldatinnen und Soldaten werben unaufdringlich für ihren Arbeitgeber und nehmen sich Zeit für Fragen der Besucher - die vor allem zur Gamescom gekommen sind, um Spaß zu haben, Freunde zu treffen und die neuesten Games zu spielen.  

Sind Gamer gute Soldaten?

Eine repräsentative Studie des Digitalverbands Bitkom kam zu dem Ergebnis: Jeder Fünfte hält es für wahrscheinlich, dass Video- und Computerspiele Fähigkeiten vermitteln, die im Kriegsfall gebraucht werden - etwa Reaktionsgeschwindigkeit oder Problemlösungskompetenzen. Doch ein guter Spieler ist noch lange kein guter Soldat.

Präsident des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr und Personalchef der Bundeswehr: Generalleutnant Robert SiegerBild: Kristina Reymann-Schneider/DW

"Was wir brauchen, sind Menschen, die technologieaffin sind", erklärt Generalleutnant Robert Sieger der DW. Er ist Präsident des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr und Personalchef der Bundeswehr. "Was wir nicht wollen, sind Menschen, die denken, wir machen hier einen Ego-Shooter oder ein Ballerspiel. Das wird dem Ernst der Lage überhaupt nicht gerecht. Krieg ist kein Spiel. Als Soldat und General ist mir wichtig, dass die Menschen die Ernsthaftigkeit unseres Handelns verstehen."

Über die Bundeswehr und die verschiedenen Berufsfelder aufzuklären, ist für Generalleutnant Sieger ein zentrales Argument für einen Bundeswehrstand auf der Gamescom. "Wir sind ein ganz selbstverständlicher Teil der Lebensversicherung unseres Landes. Wir müssen einfach da sein und zeigen, was es bedeutet, als Soldatin oder Soldat oder im zivilen Bereich für die Freiheit unseres Landes einzustehen."

In der Job-Area der Spielemesse präsentieren sich neben der Bundeswehr viele andere Arbeitgeber, darunter die Bundespolizei, der Einzelhandelskonzern Edeka oder die Softwarefirma Datev.

Kritik am Bundeswehrstand

Dennoch bleibt die Gamescom eine Spielemesse - und diese Nähe der Bundeswehr zu Videospielen gefällt nicht jedem. Die "Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen" (DFG-VK) kritisiert die Gamescom-Präsenz der Bundeswehr, aber auch die Stände des deutschen Auslandsnachrichtendiensts (BND) sowie die Stände von Rüstungsunternehmen wie Airbus oder Rheinmetall.

Level Up für deine Karriere: Friedensaktivisten kritisieren den Gamingjargon der BundeswehrBild: Kristina Reymann-Schneider/DW

Die Bundeswehr nutze unpassende Slogans, die Gamer gezielt ansprechen und das Bild vom Militärdienst verfälschen würden, sagt Marius Pletsch von der Friedensinitiative der DW. "Wir finden es falsch, junge Leute mit Abenteuerlust zu ködern, damit sie an den Stand kommen. Wir finden nicht, dass die Bundeswehr an einer Messe, wo es ja primär um Computerspiele und Freizeit geht, vertreten sein sollte, um ihre Personalzahlen zu verbessern", so der Friedensaktivist.

An zwei Messetagen wird die Friedensgesellschaft einen Stand vor den Messehallen aufbauen und über Kriegsdienstverweigerung informieren.

Kein Job wie jeder andere

"Soldat*in ist kein normaler Beruf", heißt es in der Pressemeldung der Friedensinitiative. Nicht viel anders klingt Generalleutnant Sieger: "Der Beruf des Soldaten oder der Soldatin ist kein Job wie jeder andere. Wir stehen mit unserem Leben für die Sicherheit unserer Bevölkerung."

Er zieht jedoch einen anderen Schluss daraus als die Friedensaktivisten: "Es wäre geradezu fahrlässig, wenn eine Organisation, die für die Sicherheit unseres Landes verantwortlich ist, kein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft ist. Und als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft und moderner Arbeitgeber haben wir natürlich hier in der Job-Area unseren Platz, wie auch in den letzten Jahren."

Und wie kommt der Stand, bei den jungen Gamescom-Besuchern an? "Moralisch fragwürdig, aber ein guter Arbeitgeber", sagt der 22-jährige Informatikstudent Dennis, obwohl die Bundeswehr nichts für ihn sei. Dominik, 26 Jahre alt, findet es gut, dass sich die Bundeswehr auf der Gamescom präsentiert. "Man kann mit den Leuten ja eigentlich ganz gut reden, alle sehr nett." Er könnte sich vielleicht sogar vorstellen bei der Cyber-Abwehr der Bundeswehr zu arbeiten.

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