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PolitikIran

Warum ist der Iran international so wichtig?

13. Januar 2026

Die Proteste im Iran könnten die Weltpolitik beeinflussen. Die Islamische Republik Iran gilt als zentraler Akteur im Nahen Osten, eng verbunden mit Russland und China.

Ein Demonstrant verbrennt in London das Bild von Ayatollah Ali Chamenei.
Tausende Iraner außerhalb des Landes solidarisieren sich mit den Protesten und demonstrieren gegen die Islamische Republik im Iran - ein Demonstrant verbrennt in London das Bild von Ayatollah Ali Chamenei.Bild: Amanda Rose/Avalon/Photoshot/picture alliance

Aufgrund seiner geopolitischen Lage an einem der weltweit wichtigsten Engpässe für den Energiehandel, der Straße von Hormus im Persischen Golf, sowie seiner enormen Öl- und Gasreserven, seiner politischen Ambitionen und seines Atomprogramms gilt der Iran als ein zentraler Akteur im Nahen Osten.

Das mehrheitlich schiitische Land mit rund 93 Millionen Einwohnern ist seit zwei Wochen Schauplatz landesweiter Proteste, die ursprünglich durch die Wirtschaftskrise ausgelöst wurden und sich inzwischen zu einem Aufstand gegen das Regime in Teheran entwickelt haben. Offiziell macht das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik seine äußeren Feinde, insbesondere die USA und Israel, für die Proteste verantwortlich.

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Dennoch scheint es für die Führung einfacher zu sein, mit den Vereinigten Staaten zu verhandeln, als mit der eigenen Bevölkerung in einen Dialog zu treten. US-Präsident Donald Trump erklärte am 11. Januar, der Iran sei bereit, in Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten einzutreten.

Seit der Islamischen Revolution von 1979 und der kurz darauf folgenden Besetzung der US-Botschaft in Teheran unterhalten der Iran und die Vereinigten Staaten keine diplomatischen Beziehungen mehr. Seither prägen ideologische Feindbilder, Sanktionen, sicherheitspolitische Spannungen und der Streit um das iranische Atomprogramm das Verhältnis beider Staaten.

"Ich glaube, sie sind es leid, von den Vereinigten Staaten geschlagen zu werden", sagte Trump am Sonntag an Bord der Air Force One gegenüber Reportern. Seine Regierung führe Gespräche über ein mögliches Treffen zwischen beiden Seiten.

Die USA verlangen vom Iran, die Urananreicherung für sein Atomprogramm vollständig einzustellen. Der Westen wirft Teheran vor, heimlich den Bau einer Atombombe anzustreben. Der Iran bestreitet dies, hat jedoch zuletzt Uran auf bis zu 60 Prozent angereichert.

Das iranische Atomprogramm bleibt damit ein zentraler Konfliktpunkt in den Beziehungen zum Westen.

Gefahr eines Kriegs im Iran?

Trump hatte dem Iran in den vergangenen Tagen mehrfach mit einem militärischen Eingreifen der USA gedroht, sollten die Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Demonstrierende vorgehen.

Wie brutal die Demonstrierenden niedergeschlagen wurden, soll der Welt verborgen bleiben. Das Internet und nahezu jede Form der Kommunikation mit der Außenwelt sind seit dem 9. Januar abgeschaltet. Das iranische Staatsfernsehen, das in seinen Berichten unter Berufung auf Vertreter der Islamischen Republik die Protestierenden als Terroristen diffamiert, zeigt seit Sonntag vermehrt Aufnahmen von Leichenhallen, die mit den Körpern von Demonstrierenden gefüllt sind, die von Sicherheitskräften getötet wurden. Gleichzeitig werden Familien davor gewarnt, ihre Kinder an den Protestaktionen teilnehmen zu lassen, die angeblich von Terroristen angeführt würden.

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Die Islamische Republik Iran strebe keinen Krieg an, erklärte das iranische Außenministerium, sei aber bestens darauf vorbereitet.

"Die Debatte über mögliche Entscheidungen von Donald Trump oder über militärische Aktionen Israels gegen den Iran drehe sich weniger um die offiziell verkündeten Absichten als um die realen Auswirkungen solcher Schritte auf die Machtstruktur im Land", schreibt Fatemeh Aman auf Nachfrage der DW.

Die in Washington ansässige Iran-Expertin und Nahost-Analystin, die für renommierte US-Denkfabriken wie das Middle East Institute und den Atlantic Council arbeitet, fügt hinzu: "Die Erfahrung zeigt, dass externer Druck, insbesondere wenn er nicht zu einem schnellen Sturz der Regierung führt, nicht zwangsläufig schwächend wirkt und mitunter sogar das Gegenteil bewirkt. Für den Iran ist dieses Risiko besonders hoch."

Eine äußere Bedrohung könnte als Vorwand dienen, die Sicherheitslage zu verschärfen, Protestierende härter zu unterdrücken und interne Konflikte im Machtapparat zu marginalisieren. "Präsident Trump habe wiederholt gezeigt, dass er greifbare amerikanische Interessen über alle anderen Erwägungen stelle", sagt Aman. 

Er habe kein Interesse an kostspieligen Projekten ohne klaren Abschluss und ziehe es in der Regel vor, sich nicht auf langwierige Kriege einzulassen, ergänzt die Nahost-Analystin. Vor diesem Hintergrund könnte das Hauptziel darin bestehen, das Verhalten der Islamischen Republik zu verändern, nicht zwangsläufig das Regime selbst. Dieses Ziel lasse sich durch Druck, Sanktionen und Drohungen verfolgen, nicht jedoch durch einen umfassenden Krieg.

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Ein großangelegter Krieg zwischen den USA und dem Iran würde selbst dann, wenn er nicht direkt zu einem Regimewechsel führte, unmittelbare Auswirkungen auf die Nachbarstaaten haben. "Dazu zählen eine instabile Energieversorgung, wachsende Unsicherheit, erheblicher wirtschaftlicher Druck sowie die Gefahr einer weiteren Ausweitung von Stellvertreterkonflikten. Entsprechend ist eine breite Unterstützung für einen großangelegten Krieg in der Region derzeit nicht zu erwarten."

Sorge um Stabilität am Persischen Golf

Die arabischen Nachbarländer am Persischen Golf gelten zwar nicht als Verbündete der Islamischen Republik, haben jedoch ein starkes Interesse an regionaler Stabilität und einer Vermeidung militärischer Eskalationen. Ein Angriff auf den Iran birgt das Risiko, dass Teheran mit Angriffen auf amerikanische Militärstützpunkte in der Region reagiert, von denen es Dutzende in den Nachbarländern gibt.

"Vor den aktuellen Ereignissen hatten die Staaten des Golf-Kooperationsrats beschlossen, die Islamische Republik als eine politische Realität anzuerkennen, mit der man sich auseinandersetzen müsse", sagt Farzan Sabet im Gespräch mit der DW.

Sabet ist Politikexperte mit Schwerpunkt auf Wirtschaftssanktionen und Sicherheit im Nahen Osten am Global Governance Centre des Geneva Graduate Institute.

Er fügt hinzu: "Später, nach den Ereignissen im Jahr 2019, haben sie begonnen, ihre eigene militärische Stärke auszubauen und ihre strategischen Beziehungen zu Verbündeten zu vertiefen. Gleichzeitig wollten sie die Diplomatie vorantreiben und die Spannungen mit dem Iran abbauen."

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Die regionale Rivalität zwischen den schiitischen Machthabern im Iran und dem sunnitischen Königshaus in Saudi-Arabien um die Vorherrschaft im Nahen Osten, unter anderem in Syrien, im Irak und besonders im Jemen, eskalierten 2019, nachdem Raffinerien des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Abqaiq und Khurais mit Drohnen und Raketen angegriffen worden waren. Die Angriffe halbierten zeitweise die saudische Ölproduktion. Verantwortlich gemacht wurden die Huthi-Rebellen im Jemen, die vom Iran unterstützt werden, auch wenn Teheran eine direkte Beteiligung bestritt.

Der Iran und Saudi-Arabien haben in den vergangenen Jahren unter Vermittlung Chinas eine vorsichtige Annäherung in Gang gesetzt. Beide Länder gelten als wichtige Handelspartner für China, das auf Stabilität im Nahen Osten angewiesen ist, um seine Energieversorgung zu sichern.

Mehr Sanktionen und politischer Druck

Für Peking, das seinen Einfluss im Nahen Osten kontinuierlich ausgebaut hat und trotz US-Sanktionen weiter billig Öl aus dem Iran importiert, sind die Proteste und die neuen US-Sanktionen keine gute Nachricht.

Als Verbündete der Islamischen Republik haben China und Russland den im September 2025 von den USA und den E3-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien ausgelösten "Snapback"-Mechanismus zur Wiedereinführung von UN-Sanktionen gegen Teheran scharf kritisiert und als rechtlich unzulässig zurückgewiesen. Diese Sanktionen waren 2015 im Rahmen des Atomabkommens JCPOA zwischen dem Iran und fünf Vetomächten plus Deutschland aufgehoben worden.

Die USA stiegen unter Präsident Trump 2018 einseitig aus, mit dem Ziel, ein besseres Abkommen zu erreichen. Dieses Ziel verfolgt der US-Präsident bis heute.

Am Montag, dem 12. Januar, verkündete er in seinem Onlinedienst Truth Social, dass für Länder, die Geschäfte mit dem Iran machen, ab sofort ein Zollsatz von 25 Prozent gelte. Die wichtigsten Handelspartner des Iran sind laut der Datenbank Trading Economics China, die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak.

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China kritisierte die Entscheidung. Es sei die Überzeugung der chinesischen Führung, dass es keine Gewinner bei einem Zollkrieg gibt, antwortete die Sprecherin des Außenministeriums in Peking, Mao Ning, auf eine Frage nach den neuen US-Zöllen. China werde seine legitimen Rechte und Interessen entschlossen schützen.

China kritisierte auch die US-Intervention in Venezuela. Laut Kpler, einem Daten- und Analyseunternehmen, das Echtzeit-Einblicke in globale Rohstoff- und Schifffahrtsmärkte liefert, gingen im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte der venezolanischen Rohölexporte von insgesamt 768.000 Barrel pro Tag nach China, was etwa drei Prozent der gesamten chinesischen Rohölimporte ausmachte.

Russland unter Putin unterstützt die Islamische Republik

Wer am meisten einen freien und demokratischen Iran fürchten könnte, sei aber Russland unter Präsident Wladimir Putin, vermutet der Energiestratege und Experte Umud Shokri von der George Mason University in Fairfax im US-Bundesstaat Virginia.

Im Gespräch mit der DW sagt er: "Russland hat einen großen Einfluss auf die derzeitige Regierung der Islamischen Republik. Sollte eine Regierung an die Macht kommen, die Russlands Interessen in der Region oder in der Außenpolitik gefährdet, wäre eine solche Regierung für Moskau unerwünscht."

Der Iran gehört zu den drei Ländern mit den weltweit größten Ölreserven und besitzt gleichzeitig das zweitgrößte Erdgasvorkommen der Welt. "Wenn der Iran das notwendige Kapital und die Technologie anziehen und seinen Anteil auf dem Energiemarkt zurückgewinnen kann, sobald die Sanktionen aufgehoben werden, wird der Anteil anderer Exportländer schrittweise sinken."

Dennoch glaubt Energiestratege Shokri, dass eine demokratisch vom Volk gewählte und stabile Regierung in Teheran im Interesse aller anderen Länder der Region liegen könnte.

Das würde ein Ende der interventionistischen Außenpolitik der Islamischen Republik Iran bedeuten, von der alle Länder der Region betroffen sind - ob sie es wollen oder nicht.

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