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TechnikUkraine

Starlink im Ukraine-Krieg: So abhängig ist Kyjiw von Musks Netz

16. Oktober 2026

Immer wieder gibt es Sorgen über eine Drosselung oder Abschaltung des Satelliteninternets Starlink in der Ukraine. Wie groß ist die Abhängigkeit des Landes von dem System, und welche Folgen hätten ein Ausfall?

Darstellung einer Gruppe von Starlink-Satelliten im Orbit
Das Satelliteninternet Starlink ist zu einem zentralen Baustein der ukrainischen Verteidigung gewordenBild: Adam88/Pond5 Images/IMAGO

Kaum ein technisches System hat im Ukraine-Krieg so eine wichtige Rolle eingenommen wie Starlink. Das System spielt für Kommunikation, Aufklärung und Drohneneinsätze der ukrainischen Streitkräfte eine zentrale Rolle. Die Sorge ist groß, dass Elon Musks Satelliteninternet eingeschränkt, gedrosselt oder sogar abgeschaltet werden könnte. Zuletzt berichtete Kyjiw erneut über Störungen und Einschränkungen bei der Nutzung.  

Wie Starlink die Kommunikation rettet

Seit Beginn der russischen Großinvasion 2022 nutzt die Ukraine das Satelliteninternet des US-Unternehmens SpaceX in großem Umfang. Wo Infrastruktur zerstört wurde oder Mobilfunknetze ausfallen, können Soldaten über Starlink weiterhin Daten austauschen und kommunizieren.   

Nach Angaben des Zentrums für Sicherheitspolitik (CSS) an der Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich sind derzeit rund 50.000 Starlink-Terminals (Stand 2025) in der Ukraine im Einsatz. Als Terminals werden die speziellen Empfangs- und Sendegeräte des Systems bezeichnet, die die Kommunikation auf dem Schlachtfeld ermöglichen. Über sie werden auch Befehle zwischen Führungsebenen übermittelt und Drohnenbilder empfangen. 

Die große Bedeutung des Systems erklärt sich auch aus den Ereignissen zu Kriegsbeginn. Laut einer CSS-Analyse der ETH wurde das von der Ukraine genutzte Satellitensystem KA-SAT wenige Stunden vor Beginn der russischen Invasion Ziel eines Cyberangriffs. In dieser Situation wurde Starlink als alternative Kommunikationsinfrastruktur schnell sehr wichtig.  

Starlink vs. Starshield: Zivil hier, militärisch dort

In der aktuellen Debatte werden die Begriffe Starlink und Starshield häufig vermischt.  

Starlink ist der kommerzielle Satelliteninternetdienst von SpaceX. Starshield hingegen richtet sich speziell an staatliche und militärische Nutzende. Das System baut auf der gleichen technischen Infrastruktur auf, ist aber für Sicherheits- und Verteidigungsanwendungen ausgelegt.

Die Unterscheidung ist wichtig, weil die jüngsten Berichte über Beschränkungen offenbar vor allem militärisch genutzte Systeme betreffen. Elon Musk erklärte zuletzt,  Starshield-Systeme würden von der US-Regierung kontrolliert, während Starlink ein kommerzieller Dienst von SpaceX ist.  

Starlink auf einem Zug: Rund 50.000 dieser Terminals sind in der Ukraine im EinsatzBild: Christoph Soeder/dpa/picture alliance

Die Bedeutung für den Drohnenkrieg 

Neben der Kommunikation wird Starlink vor allem für Drohnenoperationen genutzt. Das System stellt auch für Boote, See- und Luftdrohnen eine Internetverbindung her. 

Videobilder können so nahezu in Echtzeit übertragen und Drohnen über große Entfernungen gesteuert werden. Die Ukraine nutzt solche Systeme sowohl für Aufklärungseinsätze als auch für Angriffe weit hinter der Front.  

Laut der ETH Zürich werden über diese Kommunikationskanäle auch Bilder und GPS-Koordinaten russischer Stellungen an Artillerieeinheiten weitergegeben, um Einsätze zu koordinieren.  

Was eine Drosselung bedeuten würde 

Ukrainischen Medienberichten zufolge führte SpaceX vorübergehend ein Tempolimit für Starlink-Terminals ein. Genannt wurden gedrosselte Geschwindigkeiten zwischen 110 und 160 Kilometern pro Stunde.  

Sollte solch eine Begrenzung tatsächlich greifen, hätte das direkte Folgen für schnell fliegende ukrainische Drohen, die teilweise mit bis zu 300 Kilometer pro Stunde unterwegs sind: Reißt die Verbindung ab, können keine aktuellen Videobilder mehr übertragen werden und die Systeme lassen sich nicht mehr in Echtzeit steuern. Die Drohnen müssten ihre Mission teilweise im Blindflug fortsetzen.  

Eine Einschränkung oder gar eine Abschaltung von Starlink würde daher nicht nur die Kommunikation erschweren, sondern auch Auswirkungen auf die ukrainischen Drohneneinsätze und andere militärische Operationen haben.  

Starlink: Wie ein Satellitensystem Kriege prägt

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Mehr als nur Satelliteninternet 

Starlink und die militärische Variante Starshield sind allerdings nur ein wesentlicher Teil der ukrainischen Verteidigung. Die Ukraine erhält auch von westlichen Partnern Aufklärungsdaten, etwa über russische Luftangriffe, Raketenstarts, Truppenbewegungen oder Flugabwehrstellungen und damit mögliche Umgehungsrouten.  

Solche Informationen helfen bei der Luftverteidigung und bei eigenen Angriffen. Die teils weitreichenden ukrainischen Drohnenoperationen gegen Ziele auf russischem Gebiet wären ohne diese Informationen deutlich schwieriger umzusetzen.  

Besonders wirkungsvoll werden beide Elemente im Zusammenspiel: Aufklärungsdaten liefern die Informationen über mögliche Ziele und Routen, Starlink sorgt dafür, dass diese Daten schnell an die Einheiten weitergegeben und genutzt werden können.  

Deshalb sorgen Berichte, dass US-amerikanische Aufklärungsdaten nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, genauso für Unruhe wie die mögliche Drosselung von Starlink. Zwar können andere Nato-Staaten wie Großbritannien oder Frankreich auch Aufklärungsdaten liefern, die USA können sie bislang jedoch nicht vollständig ersetzen.  

Die strategische Abhängigkeit moderner Armeen

In Europa gibt es mehrere Alternativen zu Starlink, wie Eutelsat/OneWeb. Doch ob sie unter Kriegsbedingungen mit der Leistungsfähigkeit von Starlink mithalten können, wurde bisher nicht in großem Maßstab getestet.

Die wiederkehrende Sorge über mögliche Einschränkungen macht Folgendes deutlich: Satellitenkommunikation ist zu einem zentralen Baustein der ukrainischen Verteidigung geworden. Und: Die Nutzung eines einzigen Anbieters vereinfacht zwar den Betrieb, zeigt aber auch wie abhängig moderne Streitkräfte von privaten Technologieunternehmen geworden sind. Experten sehen darin einen grundlegenden Wandel der Kriegsführung. 

Umgekehrt hat aber auch der erfolgreiche Einsatz in der Ukraine Starlink selbst zu weltweiter Bekanntheit verholfen.   

Hannah Fuchs Multimedia-Reporterin und Redakteurin mit Fokus auf Technik, digitalen Themen und Psychologie.
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