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Warum immer mehr Jugendliche in Deutschland vapen

31. Mai 2026

Eine aktuelle Studie in Deutschland zeigt: Elektronische Zigaretten werden bei jungen Menschen immer beliebter. Gesundheitsexperten sind alarmiert.

Zwei Mädchen sitzen im Park und stoßen beim Vapen weißen Rauch aus ihren Mündern aus
Modetrend Vapen: Für junge Menschen ist es häufig die Alternative zur Tabak-ZigaretteBild: Depositphotos/IMAGO

Immerhin, auf Zigaretten hat Antonia S. (Name von der Redaktion geändert) keine Lust mehr. Mit 18 Jahren hat sie mit dem Rauchen angefangen, sechs Jahre später ist sie auf Vapen, das Rauchen von elektronischen Zigaretten, umgestiegen. Die Geschmacksrichtung Wassermelone ist ihr Favorit, ein Zehn-Milliliter-Liquid-Fläschchen, was etwa 60 E-Zigaretten entspricht, reicht ihr für eine Woche. Die heute 30-Jährige sagt der DW:

"Ich habe immer wieder versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Nie hat es geklappt, bis ich das Vapen probiert habe. Ich habe schon das Gefühl, dass es mir dadurch gesundheitlich besser geht. Aber andererseits glaube ich, dass ich vom Vapen viel abhängiger bin als damals vom Rauchen. Alle, die ich kenne, sagen, sie vapen viel mehr, als sie rauchen würden."

Cooler Griff zur E-Zigarette: Das verdampfen von Aromastoffen wird im Umfeld oft als weniger geruchsbelästigend wahrgenommen.Bild: Nicholas T. Ansell/empics/picture alliance

Denn das Vapen, bei dem Nikotin mit verschiedenen Aroma- und Geschmacksstoffen inhaliert und kein Tabak verbrannt wird, hat aus Konsumentensicht gegenüber Zigaretten zwei Vorteile. Es stinkt nicht, der süßliche Dampf von Blueberry, Cola oder Apple Peach ist meist in den eigenen vier Wänden kein Problem. Auch Antonia vapt zu Hause, Rauchen in der Wohnung war dagegen ein absolutes No-Go. Vor allem aber geht es immer und überall.

"Du bist halt die ganze Zeit dran. Bei der Zigarette hast Du Dir vielleicht gesagt, ich habe jetzt fünf Minuten Zeit, das reicht nicht, und hast Dir am Ende dann doch keine angezündet. Und fürs Vapen muss ich auch nicht mehr nach draußen gehen." Wann sie mit der E-Zigarette aufhören würde? "Momentan habe ich das Gefühl, es bringt mir mehr, als dass es mir schadet. Aber bei einer Schwangerschaft sofort."

Zahl der jugendlichen Raucher steigt an

Das, was Antonia erzählt, steht für einen Trend, der Gesundheitsexpertinnen und -experten in Deutschland zunehmend beunruhigt: Insbesondere Jugendliche greifen wieder deutlich häufiger zum Glimmstängel oder zur E-Zigarette. 2025 rauchte laut einer aktuellen Umfrage fast jeder Zehnte der Zwölf- bis 17-Jährigen, vier Jahre zuvor waren es nur rund sechs Prozent gewesen. Fast sieben Prozent dieser Altersgruppe nutzen regelmäßig Vapes, mehr als doppelt so viele wie 2021.

Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung Hendrik Streeck, der die Studie beauftragt hat, sieht eine Trendwende: "Tabakprävention war in Deutschland über Jahre hinweg erfolgreich, aber dieser Erfolg scheint nicht mehr gesichert zu sein. Der Einstieg über Vapes macht Jugendliche nikotinabhängig und führt auf lange Sicht oft dazu, dass sie auch Zigaretten rauchen. Das Nikotin an sich ist schon nicht harmlos. Auch die Zusatzstoffe in den Vapes sind nicht harmlos."

Deutschlands Drogenbeauftragte Hendrik Streeck fordert für Vapes "klare Regeln für Inhaltsstoffe, Aromen, Werbung und Verpackung"Bild: Michael Kappeler/dpa/picture alliance

Das Bundesinstitut für Risikobewertung habe auf 13 Zusatzstoffe hingewiesen, die gesundheitsschädlich und teilweise krebserregend seien. "Es handelt sich bei Tabak und Nikotin um ein Produkt, das enorm abhängig macht. Wir sollten das auch nicht beschönigen. In Deutschland sterben pro Tag 360 Menschen an den Folgen von diesem Konsum."

Tabakindustrie: E-Zigaretten weniger schädlich

Streeck fordert, gesundheitsschädliche und für Jugendliche attraktive Aromen zu verbieten, dazu eine höhere Tabaksteuer, deren Mehreinnahmen direkt ins Gesundheitssystem fließen sollen und strengere Alterskontrollen: Nach dem Jugendschutzgesetz ist der Kauf, Besitz und Konsum von Tabakwaren und nikotinhaltigen Erzeugnissen für Personen unter 18 Jahren verboten - übrigens auch für nikotinfreie Vapes.

Und die Tabakindustrie? Der Verband des eZigarettenhandels schreibt auf Anfrage der DW, E-Zigaretten seien ausdrücklich kein Produkt für Jugendliche oder Nichtraucher. Und weiter:

"Im Hinblick auf gesundheitliche Risiken besteht international weitgehend wissenschaftlicher Konsens darüber, dass E-Zigaretten im Vergleich zu herkömmlichen Tabakzigaretten deutlich weniger schädlich sind. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass E-Zigaretten gesundheitlich unbedenklich wären, sie stellen jedoch nach aktuellem Stand der Wissenschaft für erwachsene Raucherinnen und Raucher eine deutlich risikoärmere Alternative zur Tabakzigarette dar."

Schon an Grundschulen wird gevapt

Für Bob Blume ist das mit der risikoärmeren Variante so eine Sache. Deutschlands bekanntester Bildungsinfluencer mit knapp 240.000 Followern auf Instagram war selbst Partyraucher, erzählt er der DW, bis er - wie Antonia S. - aufs Vapen umstieg. Die erste E-Zigarette inhalierte er schon kurz nach dem Aufstehen, vapte am Schreibtisch munter weiter und schaffte es - als Erwachsener - über zwei Monate nicht aufzuhören. Grund genug für ihn, in den sozialen Medien oder in seinem Podcast "Die Schule brennt" ausdrücklich vor den Gefahren des hohen Suchtpotenzials zu warnen.

E-Zigaretten: Gesünder oder gefährlicher als Tabak?

04:25

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"Vapen hat einen gewissen Coolnessfaktor und besitzt auch den Faktor des Erwachsenwerdens. Viele Lehrkräfte berichten davon, dass auf Schultoiletten gevapt wird. Nach meinem Video zu dem Thema wurde mir sowohl in den Kommentarspalten als auch über Messenger geschrieben, dass das in den Grundschulen schon losgeht." Blume beobachtet eine gewisse Ratlosigkeit, wie man mit dem Thema umgehen soll. "Das ist vielleicht etwas, was Vapen und die Smartphone-Nutzung ein bisschen gemein haben."

Influencer in den sozialen Medien verstärken den Hype

Da die E-Zigaretten erst seit 2010 immer stärker konsumiert werden, mangelt es noch an Langzeitstudien über die gesundheitlichen Folgen. Die Wissenschaftler gehen zwar im Allgemeinen davon aus, dass das Potenzial, Krebs zu erzeugen, bei elektronischen Zigaretten geringer sei. Doch Forscher der Universität Oxford warnen gleichzeitig, dass nikotinhaltige Vapes wahrscheinlich krebserregend für Mund und Lunge seien und das Risiko für schwere Lungenerkrankungen mehr als verdoppelten.

Um Minderjährige zu schützen, fordert Blume deshalb eine groß angelegte Kampagne gegen das Vapen - und sieht dabei auch bekannte Influencer wie Haftbefehl, Montana Black und Zarbex mit einer Millionenreichweite in der Verantwortung. "Solche Influencer haben eine große Macht, die müssen gar keine proaktiven Vaper sein. Da sitzt mein Idol, der alles geschafft hat, was ich möchte. Der ist cool, lustig und eloquent und kauft sich mal eben einen Porsche. Und vaped als ganz normale Beschäftigung. Das hat einen riesengroßen Einfluss, auf jeden Fall."

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