Was bedeutet der Iran-Krieg für den Sport?
2. März 2026
Am vergangenen Wochenende hatte der Reifenhersteller Pirelli einen zweitägigen Formel-1-Reifentest in Bahrain angesichts der jüngsten Angriffe der USA und Israels auf den Iran und dessen Gegenschlägen kurzfristig abgesagt. Am kommenden Sonntag (8.3.2026) beginnt die Formel-1-Saison mit dem Auftaktrennen in Melbourne. Offiziell rechnen die Veranstalter nicht mit Auswirkungen auf den Grand Prix, obwohl der Luftverkehr in großen Teilen des Nahen Ostens weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Hunderte Mitarbeiter, die für die Formel 1 selbst oder die Rennställe arbeiten, mussten ihre Reisepläne ändern.
"Die Formel 1 als Organisation ist sehr gut darin, Menschen rund um die Welt zu bewegen. Das ist ihre Aufgabe", sagte der Geschäftsführer des Grand Prix von Australien, Travis Auld. Und versicherte: "Die Fahrer werden hier sein. Die Ingenieure werden hier sein. Die Teamchefs werden hier sein. Sie sind diejenigen, denen Vorrang eingeräumt wurde." Zudem seien auch die Autos in Containern längst an der Strecke. Fragezeichen stehen aktuell hinter dem für den 12. April angesetzten vierten Saisonrennen in Bahrain und eine Woche darauf in Saudi-Arabien.
Tennisprofis wie Medwedew stecken in Dubai fest
Vorzeitig abgebrochen wurde das Basketball-Qualifikationsturnier "Next Gen Euro League" am Samstag in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. "Angesichts der aktuellen Situation in der Region wurde diese Entscheidung getroffen, um die Sicherheit und den Schutz aller Beteiligten zu gewährleisten", erklärte die EuroLeague auf ihrer Website.
Nach dem Ende des ATP-Turniers in Dubai befinden sich laut Berichten 40 beteiligte Personen noch in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dazu zählen Offizielle, Turniermitarbeiter und auch Turniersieger Daniil Medwedew und die Profis Andrej Rublew und Tallon Griekspoor. Alternative Ausreisen über den Landweg in den Oman oder Saudi-Arabien haben sie offenbar vorerst abgelehnt. Eine rechtzeitige Ankunft beim nächsten Turnier in Indian Wells dürfte für Medwedew und Co. eng werden. "Niemand weiß, wann wir starten können", sagte der Weltranglistenelfte laut Medienberichten: "Es ist unklar, ob es lange dauern wird oder nicht. Wir warten einfach ab, was in den nächsten Stunden und Tagen passiert.
Spielbetrieb in Katar eingestellt
Der Start der Reitsport-Serie Global Champions Tour am kommenden Wochenende in Katar ist angesichts der politischen Entwicklungen mehr als fraglich. Über dem Turniergelände würden Drohnen abgeschossen, berichtete der deutsche Springreiter Philipp Weishaupt mit Verweis auf die Pflegerin seiner Pferde in Doha. "Sie hat mir Videos geschickt, die Drohnen fliegen genau über die Zelte der Pferde", sagte der Reiter.
In Doha gibt es seit Anfang Januar mehrere Turniere, am Mittwoch soll im Al Shaqab Equestrian Center die erste Station der Global Champions Tour beginnen, die weltweit höchstdotierten Serie. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das stattfindet", sagte Weishaupt: "Es gibt jetzt auch Wichtigeres. Wir müssen schauen, wie wir die Pflegerinnen und die Pferde da sicher raus bekommen."
Der ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler Julian Draxler bekommt mit seinem katarischen Verein Al-Ahli SC die jüngste Eskalation im Nahen Osten zu spüren. Wie der katarische Fußballverband am Sonntag bekannt gab, werden die Spiele in der Stars League auf unbestimmte Zeit verschoben. Noch am Freitag kam Draxler bei Al-Ahli zum Einsatz. Der 32-Jährige erzielte bei der 1:2-Niederlage gegen Al Shahaniya den Anschlusstreffer. Der Weltmeister von 2014 kämpft mit dem Klub aus Doha um den Klassenerhalt. Neben dem Fußball ist in Katar auch der Spielbetrieb im Handball durch den nationalen Verband ausgesetzt worden.
Der Krieg wirkt sich auch auf die Anreise einzelner Delegationen zu den Paralympischen Winterspielen 2026 in Italien aus. Die Spiele werden am Freitag in Verona eröffnet. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) wies in einer aktuellen Stellungnahme darauf hin, dass die Sperrung des Luftraums im Nahen Osten die Anreise einiger Beteiligter beeinträchtige. Viele Teams befinden sich bereits zu Trainingszwecken oder in Vorbereitungslagern in Europa.
Muss das Finalissima, Argentinien gegen Spanien, verlegt werden?
Ein großes Fragezeichen steht hinter Finalissima, einem interkontinalem Fußball-Finale zwischen dem Copa-America Sieger Argentinien und Europmeister Spanien, das am 27. März in Lusail in Katar stattfinden soll. Der veranstaltende südamerikanische Kontinentalverband CONMEBOL hält sich noch zurück, eine Verlegung des Spiels - im räumlichen oder auch im zeitlichen Sinne - könnte jedoch unausweichlich werden.
Einen Tag nach der militärischen Eskalation im Nahen Osten hat in Australien für die Fußballerinnen der Asien-Cup begonnen. Gleich bei der Ankunft wurde die iranische Trainerin Marziyeh Jafari zu den jüngsten Entwicklungen befragt: "Ich denke, wir sollten jetzt überhaupt nicht über diese Themen sprechen. Die Mannschaft ist gerade erst zum Turnier angereist, was für die Frauen sehr wichtig und bedeutend ist." Die Teilnahme der iranischen Mannschaft steht offenbar nicht zur Diskussion, das Team verlor sein Auftaktspiel gegen Südkorea mit 0:3.
Was sagt Iran zur Teilnahme bei der Weltmeisterschaft?
Das sieht bei dem iranischen Fußball-Männer-Team anders aus. Rund 100 Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada hat sich Irans Fußballverbandspräsident geäußert: "Nach diesem Angriff kann nicht erwartet werden, dass wir hoffnungsvoll auf die WM blicken", sagte Mehdi Taj einen Tag nach Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen dem Sportportal "Varzesh3".
Die Situation werde sicherlich auch in den sportlichen Betrachtungen ein Thema sein und erfordere eine Entscheidung. "Das US-Regime hat unser Heimatland angegriffen, und das ist ein Vorfall, der nicht unbeantwortet bleiben wird", betonte Taj weiter. Die Aussichten seien daher derzeit eher trübe.
Aufgrund der 40-tägigen Staatstrauer für den getöteten Religionsführer Ajatollah Ali Chameneiruht im Iran der Spielbetrieb. Nicht nur die Spiele der Liga, sondern auch die für März angesetzten WM-Vorbereitungsspiele werden ausfallen.
FIFA will Situation "beobachten"
Donald Trumps WM-Beauftragter Andrew Giuliani schrieb auf der Plattform X zum Tod des Ajatollahs: "Morgen kümmern wir uns um Fußballspiele, heute feiern wir die Chance auf Freiheit." FIFA-Generalsekretär Matthias Grafstrom hatte am Samstag in Wales gesagt, dass der Weltverband die "Situation beobachtet". Die oberste Priorität bleibe ein sicherer Ablauf der Weltmeisterschaft, bei der alle qualifizierten Mannschaften auch teilnehmen könnten.
Der Iran soll bei der Fußball-WM vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA in einer Gruppe mit Belgien, Neuseeland und Ägypten spielen. Die Auslosung der WM-Vorrunden-Gruppen im Dezember in Washington hatte der Iran boykottiert, da die US-Regierung drei Funktionären, darunter dem Verbandspräsidenten Taj, Einreisevisa verweigert haben soll.