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Was man zur Vergabe der Frauenfußball-EM 2029 wissen muss

1. Dezember 2025

Die UEFA entscheidet an diesem Mittwoch wo 2029 die Fußball-Europameisterschaft der Frauen stattfinden wird. Deutschland ist einer von drei Bewerbern auf die Gastgeber-Rolle. Wer sind die anderen? Wie sind die Chancen?

Die Fußballerinnen von Borussia Dortmund und des FC Bayern werben vor einem Pokalspiel mit einem Banner für Deutschland als Gastgeber der Europameisterschaft 2029
Die Fußballerinnen von Borussia Dortmund und des FC Bayern werben für Deutschland als Gastgeber der Europameisterschaft 2029Bild: Fotostand/Fantini/IMAGO

"Ein solches Turnier wäre ein gesellschaftlicher Mehrwert und würde das Thema Gleichberechtigung stärken", sagte Celia Sasic über eine mögliche Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2029 in Deutschland. Die ehemalige Fußball-Nationalspielerin ist Vizepräsidentin des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und im größten Sportverband der Welt (rund acht Millionen Mitglieder) für Gleichstellung und Diversität verantwortlich.

Sasic, als Spielerin zweimal Europameisterin, ist vorsichtig optimistisch, dass Deutschland den Zuschlag bekommt. "Aber am Ende ist es eben ein Wettkampf und ein Wahlverfahren, da steckt man natürlich nicht drin." 

In dieser Woche entscheidet sich, ob 2029 nach 1989 und 2001 zum dritten Mal eine Frauen-EM in Deutschland stattfinden wird. Die DW beantwortet die wichtigsten Fragen zur Turnier-Vergabe. 

Wer entscheidet über den Gastgeber der Frauen-EM 2029?

Die Entscheidung liegt beim 20-köpfigen Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA), das an diesem Mittwoch (3. Dezember) am UEFA-Sitz in Nyon in der Schweiz abstimmt. Das Ergebnis soll gegen 17 Uhr MEZ verkündet werden.

An der Spitze des höchsten Verbandsgremiums steht UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin aus Slowenien. Dazu kommen 19 weitere Mitglieder: 16 von ihnen sind durch den UEFA-Kongress gewählt, zwei stellt die Vereinigung der europäischen Klubs (European Football Clubs), ein Mitglied repräsentiert den europäischen Ligen-Verband (European Leagues). 

Hans-Joachim Watzke (l.) - hier mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf - kann vor der Wahl bei der UEFA Lobbyarbeit verrichten, abstimmen darf er nichtBild: Nico Herbertz/IMAGO

Deutscher Vertreter im Exekutivkomitee ist Hans-Joachim Watzke, Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball Liga (DFL) und Präsident von Borussia Dortmund. Weil Deutschland einer der Bewerber um die Frauen-EM 2029 ist, darf Watzke allerdings nicht mit abstimmen.

Mit welchem Konzept ist der DFB angetreten?

Die Bewerbung stand unter dem Motto "We'29 - Together we will rise" (Wir '29 - Gemeinsam werden wir uns erheben). Es gehe um mehr als nur ein Turnier, heißt es im sogenannten Bid Book,der Bewerbungsbroschüre des DFB. 

"Unser Ziel ist es, ein Turnier zu kreieren, das den Frauenfußball in jeder Ecke Europas fördert, mit Weltklasse-Spielstätten, umfangreichen Einnahmequellen und erweiterten Möglichkeiten zum Wissensaustausch. Wir werden kein Land außen vor lassen."

Die Spiele sollen in acht deutschen Städten ausgetragen werden: in München, Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf, Dortmund, Hannover, Wolfsburg und Leipzig.

Trotz Rekord-Zuschauerzahl musste die UEFA bei der Frauen-EM 2025 in der Schweiz Geld zuschießenBild: Manuel Winterberger/justpictures.ch/IMAGO

Der DFB verspricht die erste Frauen-EM mit einem finanziellen Gewinn und begründet seinen Optimismus mit der Aussicht auf mehr als eine Million verkaufte Tickets, finanzielle Zusagen aller Spielorte sowie der deutschen Wirtschaft.

Das dürfte bei den UEFA-Entscheidern gut angekommen sein, denn bisher hat noch keine Frauen-Europameisterschaft schwarze Zahlen geschrieben.

Bei der EM 2025 in der Schweiz wurde das Minus für die UEFA auf rund 35 Millionen Euro geschätzt. Zum Vergleich: Die EM der Männer im Jahr 2024 in Deutschland warf einen Gewinn von 1,3 Milliarden Euro ab.

Wer bewirbt sich außer Deutschland um die EM 2029?

Das Feld der Konkurrenten ist geschrumpft. Von ursprünglich fünf Bewerbern sind nur noch drei übrig geblieben. Ende August zog Italien seine ursprüngliche Kandidatur zurück, ohne Gründe dafür anzugeben. Möglicherweise wollten sich die Italiener finanziell nicht überheben, da sie - zusammen mit der Türkei - bereits die Männer-EM 2032 ausrichten.

Ähnlich begründete Portugal am 19. November seinen Ausstieg aus dem Kreis der Kandidaten. Der portugiesische Verband FPF erklärte, er wolle sich auf die Männer-WM 2030 konzentrieren, der Endrunde auf drei Kontinenten mit den Hauptgastgebern Marokko, Portugal und Spanien.

Nach dem Debüt eine Heim-EM? Polens Fußballerinnen schafften 2025 erstmals die Qualifikation für eine EuropameisterschaftBild: Fabrice Coffrini/AFP

Somit bleiben als Konkurrenten für die Gastgeber-Rolle bei der EM 2029 nur noch Polen sowie als gemeinschaftliche Bewerber Dänemark und Schweden übrig.

Wie stehen die Chancen Deutschlands für den Zuschlag?

Eigentlich gut. Als Ausrichter der Männer-EM 2024, die organisatorisch rund lief, dürfte sich Deutschland für weitere große Turniere empfohlen haben. Zudem wird im Jahr 2029 die letzte Frauen-EM in Deutschland schon mehr als ein Vierteljahrhundert zurückliegen: 2001 gewann der Rekord-Europameister die Heim-EM - wie schon 1989, als Deutschland erstmals Gastgeber einer Frauen-EM war.

Allerdings ist die Wahl kein Selbstläufer, wie im Frühjahr 2024 die Abstimmung der FIFA über den Ausrichter der Frauen-WM 2027 zeigte: Deutschland zog gemeinsam mit den Niederlanden und Belgien den Kürzeren gegen Brasilien, das nun als erstes südamerikanisches Land eine Frauen-WM ausrichten wird.

Bei der FIFA-Wahl für die Frauen-WM 2027 ging Deutschland leer aus, Brasilien erhielt den ZuschlagBild: Sakchai Lalit/AP/picture alliance

Sollte Polen den Zuschlag bekommen, wäre es das erste osteuropäische Land, in dem eine Frauen-EM steigt. Jedoch scheint der Rückhalt für Polen in der UEFA nicht sehr hoch zu sein. Bei der Abstimmung 2023 über den Ausrichter 2025 kam Polen nicht in die entscheidende dritte Wahlrunde, in der sich die Schweiz gegen das Trio aus Norwegen, Dänemark und Schweden durchsetzte.

Die Niederlage der skandinavischen Bewerbung wurde als Denkzettel der UEFA für die unbequeme norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness gewertet.

Bei der Wahl jetzt treten nur noch Dänemark und Schweden an, was nach dieser Logik ihre Chancen erhöhen würde. Andererseits war Schweden noch 2013 Gastgeber der Frauen-EM. Das Turnier dort liegt also deutlich kürzer zurück als das letzte in Deutschland.

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