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"Washington Post"-Herausgeber Will Lewis nimmt seinen Hut

8. Februar 2026

Der Rücktritt von Will Lewis folgt auf eine Entlassungswelle, die erst vor wenigen Tagen publik geworden war. Die Gewerkschaft der "Post"-Mitarbeiter bezeichnete den Schritt als notwendig.

Eingangsbereich des Washington-Post-Gebäudes in One Franklin Square in Washington D.C., USA
In dieser Woche war rund ein Drittel der Belegschaft der "Washington Post" entlassen wordenBild: Andrew Harnik/Getty Images

Der Verleger und Vorstandschef der "Washington Post", Will Lewis, verlässt die Zeitung. Dies teilte das Blatt an diesem Samstag mit. "Während meiner Amtszeit wurden ⁠schwierige Entscheidungen getroffen, um die Zukunft der 'Post' zu sichern", schrieb Lewis in einer Mitteilung an die Belegschaft.

Der bisherige Finanzchef der Zeitung und frühere Leiter des Online-Netzwerks Tumblr, Jeff D'Onofrio, werde das Amt des ⁠Verlegers und Vorstandschefs kommissarisch übernehmen, hieß es weiter. 

Kritik an Entlassungen bei der "Washington Post"

Die Gewerkschaft "Post"-Mitarbeiter bezeichnete den Rücktritt von Lewis als notwendig. "Der Rücktritt von ⁠Lewis ist längst überfällig", erklärte die Washington Post Guild. "Sein Vermächtnis wird der Versuch sein, eine große amerikanische journalistische Institution zu ruinieren." Der Eigentümer der Zeitung, Amazon-Gründer Jeff Bezos, müsse die Entlassungen unverzüglich rückgängig machen oder die ​Zeitung verkaufen. ​

"Washington Post"-Eigentümer Jeff Bezos und seine Frau, Lauren Sanchez, sorgten mit ihrer Hochzeit in Venedig für viele SchlagzeilenBild: Piovanotto Marco/ABACA/IMAGO

Am Mittwoch hatte die "Washington Post" drastische Einschnitte beim Personal vorgenommen. Nach Angaben der "New York Times" wurden fast 300 der 800 Journalisten des Blattes entlassen - unter anderem alle für den Nahen Osten zuständigen Reporter und die für die Ukraine zuständige Korrespondentin Lizzie Johnson. Die Lokalnachrichten der "Washington Post", die Sportseiten sowie die Buchbeilage waren ebenfalls massiv betroffen, wie aus der Redaktion verlautete. In der Belegschaft und in der Branche allgemein stieß das auf viel Empörung und Kritik. 

Was plant Eigentümer Bezos?

Die Mitarbeitervertretung der Zeitung stellte die Frage, ob Bezos als Eigentümer noch bereit sei, in die Aufgabe zu investieren, die das Blatt als unabhängiges Medium seit Generationen auszeichne. Laut Chefredakteur Matt Murray will Bezos als Eigentümer an der Zeitung festhalten.

In einer Stellungnahme der "Washington Post" zum Herausgeberwechsel betonte Bezos, die Zeitung habe eine zentrale journalistische Aufgabe. Daten zeigten dem Unternehmen, worauf es sich konzentrieren solle, erklärte er.

Bezos, der die Zeitung 2013 kaufte, nannte den Führungswechsel eine "außergewöhnliche Chance". Lewis war für seine Abwesenheit während der Entlassungen am Mittwoch kritisiert worden. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung, Marty Baron, hatte diese als "einen der dunkelsten Tage" in der Geschichte des Blattes bezeichnet.

Lewis' Amtszeit war ⁠von Kontroversen geprägt

Der Engländer Lewis, ein ehemaliger Leiter von Dow Jones und Verleger des "Wall Street Journal", war 2023 das Amt berufen worden, als die Zeitung hohe finanzielle Verluste verzeichnete. Während seiner Amtszeit verantwortete er mehrere Entlassungsrunden und musste den Verlust von ​Hunderttausenden von Abonnenten hinnehmen. Dies geschah, nachdem die Zeitung aufgehört hatte, Wahlempfehlungen für US-Präsidentschaftskandidaten auszusprechen und ihrem Meinungsteil eine libertärere Ausrichtung gab.

Seine Amtszeit war zudem ⁠von Kontroversen geprägt. ​Eine Auseinandersetzung mit der damaligen Chefredakteurin Sally Buzbee führte 2024 zu deren Abgang. Daraufhin sorgte Lewis in der Redaktion für Empörung, als er versuchte, den britischen Journalisten Robert Winnett einzustellen, der wie Lewis selbst mit einem Abhörskandal in Verbindung gebracht wurde.

"WaPo" deckte den Watergateskandal auf

Die Tageszeitung, die 1972 den Watergate-Skandal unter Präsident Richard Nixon aufdeckte und deren Reporter zahlreiche Pulitzer-Preise erhielten, zählt zu den renommiertesten Zeitungen der Welt. Der Multimilliardär Bezos war in den vergangenen Monaten wegen seiner Annäherung an US-Präsident Donald Trump in die Kritik geraten.

pg/ack (dpa, afp, rtr)

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