Globale Wasserkrise könnte Billionen kosten
28. August 2025
Der Planet Erde besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Doch nur etwa 0,5 Prozent davon sind Süßwasser, das zum Trinken, Waschen und Bewässern zur Verfügung steht. Aufgrund steigender Nachfrage und zunehmender Hitze durch den Klimawandel wird Süßwasser jedoch immer knapper.
Weltweit haben bereits rund zwei Milliarden Menschen keinen regelmäßigen Zugang zu frischem Trinkwasser und die Hälfte der Weltbevölkerung leidet einen Teil des Jahres unter Wasserknappheit.
Wasserstress ist kostspielig. Er kann zu Ernteeinbußen führen, die Ernährungsunsicherheit verschärfen, die Energieproduktion verringern und aufgrund schlechter sanitärer Verhältnisse die Gesundheitsrisiken erhöhen.
Der wirtschaftliche Wert funktionierender Süßwasserökosysteme wurde laut der Naturschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF) für das Jahr 2023 auf 49 Billionen Euro geschätzt - das entspricht rund 60 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP).
"Nicht genug Wasser für alle"
In den trockenen, von Dürre geplagten Ländern Afrikas und des Nahen Ostens wird der Wassermangel in den nächsten 20 bis 30 Jahren zu einem wirtschaftlichen Rückgang von 25 Prozent führen, sagt Quentin Grafton vom UNESCO-Lehrstuhl für Wasserökonomie.
Dies bedeutet auch weniger Geld für notwendige Lebensmittelimporte oder für wichtige Infrastrukturmaßnahmen zur Linderung der Wasserknappheit - etwa für Dämme oder Entsalzungsanlagen.
"Dies ist eine entscheidende Phase. Wir müssen uns viel schneller anpassen", sagt Grafton über die Notwendigkeit, sich mit den Auswirkungen des Wasserstresses auf die Weltwirtschaft auseinanderzusetzen.
Da Wasserknappheit die Lebensmittelversorgung, die Wirtschaftstätigkeit und die Beschäftigung in diesen Regionen beeinträchtigt, könne es zu sozialen und politischen Unruhen kommen, erklärt Grafton, der auch Wirtschaftsprofessor an der Australian National University ist.
Die Folgen sind Vertreibung und Massenmigration. Da Menschen aus Gebieten mit zunehmender Wüstenbildung auch das Mittelmeer überqueren, kann dies zu Instabilität in Regionen wie Südeuropa führen.
Das Problem wird zusätzlich verschärft, da die Umsetzung von Lösungen ebenfalls enorme Kosten verursacht. Vielfältige Süßwasserökosysteme könnten die Dauer und Schwere von Dürren verringern, wurden jedoch durch Bebauung und übermäßige Wassernutzung zerstört. Nun sind umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Seit 1970 hat die Welt laut WWF rund ein Drittel ihrer Feuchtgebiete verloren.
Die Wasserkrise dürfte auch den Aufstieg mächtiger Schwellenländer bremsen. Laut Grafton verfügt Indien nicht über genügend Wasser, um beispielsweise in Kohlekraftwerken Strom mit Dampfturbinen zu erzeugen. Diese Kraftwerke hatten das schnelle Wirtschaftswachstum ermöglicht und zur Linderung der Armut im ganzen Land beigetragen.
"Ihr Ziel ist ein Wachstum von 7 Prozent, aber das ist utopisch", sagt Grafton über Indien, in dem 18 Prozent der Weltbevölkerung leben, das aber nur über 4 Prozent der globalen Süßwasserressourcen verfügt. "Es gibt nicht genug Wasser für alle."
Indiens arme Landbevölkerung leidet am stärksten unter der Wasserknappheit. Die Übernutzung des Grundwassers ist angesichts des sinkenden Grundwasserspiegels ein großes Problem. Zu den Lösungen gehören Programme zur Verstärkung lokaler Wassereinzugsgebiete mit Erddämmen, die den Monsunregen vor der Trockenzeit besser speichern.
Wassermangel: weniger Ernte und mehr Hunger
Rekordhitze und Dürren verändern den Wasserkreislauf. Wasser verdunstet schneller, Flüsse fließen langsamer, Seen und Stauseen trocknen aus.
Die Bodenfeuchte und der Nährstoffgehalt sind dauerhaft zurückgegangen. Das hat die landwirtschaftliche Produktion - die Grundlage der Wirtschaft in Asien und Afrika - massiv beeinträchtigt.
Während der schweren Dürre am Horn von Afrika von 2020 bis 2023 starben etwa 13 Millionen Nutztiere und die Ernten fielen aus. Mindestens 20 Millionen Menschen in Eritrea, Äthiopien, Kenia, Somalia und Sudan litten in der Folge unter akuter Nahrungsmittelknappheit und dem Verlust ihrer Lebensgrundlage. Der Klimawandel hat die Dürre um ein Hundertfaches wahrscheinlicher gemacht.
Südlich der Sahara werden allein 40 Milliarden Stunden pro Jahr für das Sammeln von Wasser aufgewendet. Laut der Hilfsorganisation "The Water Projekt", ließe sich diese Zeit besser für die Erwerbsarbeit oder Bildung nutzen.
Europas drohende Wasserkrise
Europa und die Antarktis erwärmen sich schneller als andere Kontinente. Entsprechend nimmt die Wasserknappheit zu. 2024 war in Europa das bisher heißeste Jahr. Deutschland erlebte den trockensten Spätwinter und Frühling seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Dürre breitete sich über weite Teile des Kontinents vom Vereinigten Königreich bis nach Mitteleuropa aus, die Mittelmeerländer litten unter anhaltender Hitze, Waldbränden und Wasserknappheit.
Gleichzeitig konkurrieren immer mehr Industriezweige um die begrenzten Wasserressourcen, sagt Sergiz Moroz, Experte für Wassermanagement bei der NGO European Environment Bureau.
"Die IT-Branche kommt plötzlich nach Brüssel und sagt, dass wir für das bevorstehende Wachstum viel hochwertiges Wasser brauchen", so Moroz. "Die Landwirte kommen und sagen: Ohne Wasser können wir keine Lebensmittel anbauen."
Die EU prüft daher den erheblichen Wasserverbrauch von IT-Rechenzentren, die auf wasserintensive Kühlsysteme angewiesen sind und zusammen mit Cloud Computing und KI rasch expandieren. Die Wasserresilienzstrategie der EU soll 2026 in Kraft treten und Technologieunternehmen Nutzungsbeschränkungen auferlegen.
In England wird aufgrund von Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Umweltbelastungen bis 2055 ein Wassermangel erwartet. Laut Regierungsprognosen wird dann rund 30 Prozent des heutigen Verbrauchs fehlen.
Das größte Wasserdefizit wird der dicht besiedelte Südosten von England aufweisen. "Die Wasserressourcen des Landes stehen unter enormem und stetig zunehmendem Druck", sagt Alan Lovell, Vorsitzender der englischen Umweltbehörde. Er betont, dass dieses Defizit das Wirtschaftswachstum und die Nahrungsmittelproduktion bedrohe.
Erderhitzung verschlechtert Wasserzugang in den USA
In den USA tragen Bürger mit eingeschränktem Zugang zu Wasser die Hauptlast der dortigen Kosten. Immer mehr Haushalte verfügen nicht über ausreichenden Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen. Infolgedessen geben diese Haushalte laut einer Studie der kalifornischen Non-Profit-Organisation DigDeep aus dem Jahr 2022 durchschnittlich 15.800 US-Dollar mehr pro Jahr für Gesundheitsversorgung, Arbeitsausfälle und verlorene Bildungschancen aus als andere Haushalte.
"Da Wasser knapper wird, wird die Zahl der Menschen ohne Zugang aufgrund des Drucks durch klimabedingte Ereignisse voraussichtlich steigen", sagt George McGraw, Gründer und CEO von DigDeep.
"Der einfachste Weg, die US-Wirtschaft vor diesen Schocks zu schützen, ist die allgemeine Gewährleistung des Zugangs zu Wasser", so McGraw gegenüber der DW.
Dazu gehören Investitionen in "intelligente, nachhaltige Wassersysteme, sowohl netzgebunden als auch netzunabhängig", im Gegensatz zu den "Zugangsbarrieren" in veralteten Wasserversorgungssystemen, die nicht klimaresistent sind.
Adaptiert aus dem Englischen von Gero Rueter. Redaktion: Tamsin Walker