WEF 2026: Donald Trump wird Davos dominieren
Veröffentlicht 18. Januar 2026Zuletzt aktualisiert 18. Januar 2026
Der Schweizer Alpenort Davos begrüßt erneut die Elite aus Politik, Wirtschaft und Kultur zum Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF).
Die Veranstaltung findet zu einem Zeitpunkt statt, zu dem US-Präsident Donald Trump die internationale Ordnung zu demontieren versucht: von der Aufhebung etablierter Handelsregeln und dem Austritt aus zahlreichen internationalen Organisationen, darunter dem UN-Klimaabkommen, bis hin zur Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und der Drohung, Grönland zu annektieren.
Trumps Angriff auf die internationalen Regeln, die größtenteils seit dem Zweiten Weltkrieg gelten, und die Auswirkungen auf den Weltfrieden, die Politik und die Wirtschaft werden zu den zentralen Themen der fünftägigen Veranstaltung gehören, die am 19. Januar unter dem Motto "Im Geiste des Dialogs" beginnt.
"Dialog ist in Zeiten der Unsicherheit kein Luxus, sondern eine dringende Notwendigkeit", sagte Børge Brende, Präsident und CEO des WEF. "An einem kritischen Wendepunkt für die internationale Zusammenarbeit - geprägt von tiefgreifenden geoökonomischen und technologischen Veränderungen - wird das diesjährige Jahrestreffen eines der folgenreichsten sein."
Neben Donald Trump werden mehr als 60 Staats- und Regierungschefs nach Davos kommen, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz, der kanadische Premierminister Mark Carney und der argentinische Präsident Javier Milei. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Chinas Vizepremier He Lifeng, der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif und der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa werden in der Schweiz erwartet.
Riesige US-Delegation
Trump führt die größte US-Delegation in der WEF-Geschichte an, bestehend aus fünf Kabinettsmitgliedern und weiteren hochrangigen Beamten. Zur Delegation gehören Außenminister Marco Rubio, der Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Damit ist der Boden für hochrangige Gespräche über die Ukraine, Venezuela und den Gazastreifen bereitet. Auch Iran, wo Augenzeugen von einem brutalen Vorgehen gegen regierungsfeindliche Proteste berichten, wird wohl ein Thema sein.
Am Rande der Hauptveranstaltung wird Trump voraussichtlich mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den G7-Verbündeten Kyjiws - darunter die Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Italiens, Frankreichs, Großbritanniens und Kanadas sowie der Präsidentin der Europäischen Kommission - zusammentreffen, um die Unterstützung der USA für Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem möglichen Friedensabkommen mit Russland zu gewinnen.
Die starke US-Präsenz wird dadurch ergänzt, dass es in diesem Jahr erstmals ein "USA House" in Davos gibt - ein Veranstaltungsort in einer kleinen Kirche an der Hauptpromenade, wo US-Vertreter Veranstaltungen abhalten und sich mit Investoren vernetzen.
Unbefriedigendes Wachstum
Geopolitische Umbrüche und die daraus resultierende Unsicherheit werden das WEF wohl dominieren. Doch Politiker und Wirtschaftsführer werden auch andere Herausforderungen diskutieren.
Die Weltwirtschaft hat sich trotz verschärfter Handelsspannungen und politischer Unsicherheit als relativ widerstandsfähig erwiesen, was unter anderem auf massive Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) in den USA zurückzuführen ist, die die größte Volkswirtschaft der Welt gestützt haben.
Das prognostizierte globale Wachstum von 3,1 Prozent im Jahr 2026 ist jedoch weiterhin unbefriedigend, insbesondere angesichts der weltweit gestiegenen Verschuldung auf ein Niveau, das seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erreicht wurde. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) ist die Verschuldung in mehreren afrikanischen Ländern besonders besorgniserregend.
Der Welthandel steht weiterhin unter Druck, da immer häufiger protektionistische Maßnahmen ergriffen werden, wie etwa die Einführung einseitiger Zölle, zunehmende Beschränkungen für ausländische Investitionen und die Verknappung des Angebots an kritischen Rohstoffen. Wirtschaftliche Konfrontation und ihre Folgen standen im Mittelpunkt des jährlichen Globalen Risikoberichts des WEF, der am Mittwoch (14.01.2026) veröffentlicht wurde.
KI - Risiken und Chancen
Künstliche Intelligenz (KI) steht auch in diesem Jahr im Fokus. Zahlreiche Veranstaltungen und Vorträge widmen sich dieser Technologie, wie auch schon bei den letzten WEF-Tagungen. Führende Persönlichkeiten der Technologiebranche wie Satya Nadella von Microsoft, Jensen Huang von Nvidia und Demis Hassabis, KI-Chef von Google, werden an der Veranstaltung teilnehmen.
KI zeigt bereits großes Potenzial in Bereichen wie Medizin und Bildung und hat in den vergangenen Jahren Investitionen in Billionenhöhe angezogen. Und das, obwohl viele Unternehmen derzeit noch Schwierigkeiten haben, praxisnahe Anwendungsfälle zu finden, die einen echten Mehrwert bieten.
Es bestehen weiterhin Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf Arbeitsplätze, von denen viele in den nächsten Jahren überflüssig werden könnten. Dario Amodei, CEO von Anthropic und ebenfalls Teilnehmer des diesjährigen Events, sagte, dass KI in den nächsten ein bis fünf Jahren die Hälfte aller Einstiegsjobs im Büro vernichten könnte, was die Notwendigkeit massiver Investitionen in die Weiterbildung unterstreiche.
KI birgt außerdem das Risiko, die bestehende digitale Kluft zu verschärfen, da ärmere Länder die sich bietenden Chancen nicht nutzen können. Bedenklich ist auch, dass KI-Modelle bestehende Vorurteile verstärken, Fehlinformationen verbreiten und Deepfakes erzeugen könnten. Desinformation und fehlende Cybersicherheit zählen laut WEF-Risikobericht zu den größten globalen Risiken und unterstreichen die Notwendigkeit wirksamer Regulierung.
Neue Führung beim WEF
Das diesjährige Treffen findet erstmals ohne WEF-Gründer Klaus Schwab an der Spitze statt. Der in Deutschland geborene Ökonom trat im April 2025 als Vorsitzender zurück. Es waren Vorwürfe laut geworden, er und seine Frau hätten WEF-Gelder für private Zwecke verwendet. Eine unabhängige Untersuchung ergab jedoch kein strafrechtliches Fehlverhalten, sondern lediglich kleinere Unregelmäßigkeiten.
Schwab wurde abgelöst von den Interims-Vorsitzenden Larry Fink, CEO des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock, und André Hoffmann, Vizepräsident des Schweizer Pharmaunternehmens Roche.
Nach einem turbulenten Jahr ist die hochkarätig besetzte Teilnehmerliste für das WEF 2026 ein Erfolg. Die seit 1971 bestehende Organisation will den Dialog fördern, kämpft aber selbst mit Gegenwind, seitdem Multilateralismus und Freihandel an Bedeutung verlieren.
Der Beitrag wurde aus dem Englischen adaptiert.