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Terrorismus

Berliner Polizei weist Anschuldigungen zurück

30. Dezember 2016

Die Berliner Polizei weist Vorwürfe zurück, Beamte hätten einen nach dem Terroranschlag irrtümlich festgenommenen Pakistaner misshandelt. Das hatte dieser zuvor in einem Interview behauptet.

Deutschland Berlin - Polizei patroulliert am wieder geöffneten Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz
Bild: Reuters/F. Bensch

"Das hat nicht den Hauch von Substanz", sagte der Sprecher Winfrid Wenzel der Deutschen Presse-Agentur. "Der Mann ist definitiv von keinem Mitarbeiter misshandelt worden." Wenzel betonte, die Polizei habe einen "sehr guten, wechselseitigen Kontakt" zu dem Mann. In einem Gespräch mit der Polizei habe dieser am Freitag selbst betont, dass er weder geschlagen, misshandelt oder verletzt worden sei. 

Schwere Vorwürfe gegen die Berliner Polizei

Der inzwischen entlastete Navid B. hatte in einem Interview mit dem britischen "Guardian" behauptet, dass zwei Polizisten die Hacken ihrer Schuhe in seine Füße gegraben hätten, und dass einer mit einer Hand großen Druck auf seinen Nacken ausgeübt hätte. Auf dem Polizeirevier habe er sich ausziehen und fotografieren lassen müssen, beschrieb B. die Situation. "Als ich mich gewehrt habe, fingen sie an, mich zu schlagen."

Auf dem Revier habe es auch große Verständigungsprobleme gegeben, weil es keinen Dolmetscher für seine balutschische Muttersprache gegeben habe, sagte B. Er gab in dem Interview der Zeitung zudem an, dass er in Deutschland um Asyl gebeten habe, weil er in seiner pakistanischen Heimatprovinz einer säkularen Separatistenbewegung angehört hätte.

Auch nach den Zurückweisungen der Berliner Polizei steht der "Guardian" zu seinem Bericht. Die Journalistin Kate Connolly hatte das Interview mit Navid B. geführt. Am Freitag habe sie erneut mit ihm gesprochen, schrieb sie im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Dabei habe B. gesagt, die Polizei sei zu ihm gekommen, er habe ihnen aber "nicht die Worte gesagt, die in seinen Mund gelegt" worden seien. "Es war ein Interview, das drei Stunden dauerte und von dem ich eine Aufnahme habe", fügte Connolly hinzu. Ihr bericht war mit einem Foto des Pakistaners und seinem vollen Namen erschienen. 

Drohungen nach Berichterstattung

Laut "Guardian" hat B. mit dem Blatt gesprochen, um bekannter zu machen, dass er unschuldig sei. Er fürchte in Deutschland um sein Leben, nachdem sein Name im Zusammenhang mit dem Anschlag verbreitet worden sei. Außerdem sei seine Familie in Pakistan von Sicherheitskräften kontaktiert worden. "Nun wissen alle, dass ich nach Deutschland geflohen bin", sagte B. "Das macht meine Familie sehr angreifbar, und ich kann sie nicht schützen."

Der Anschlagsort: Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin-CharlottenburgBild: DW/M. Heuer

Der Mann stammt aus der armen und unruhigen Provinz Baluchistan. Dort sind viele Extremistengruppen aktiv, unter anderem Separatisten, die für mehr Unabhängigkeit kämpfen. Menschenrechtsaktivisten sagen, der Staat lasse regelmäßig Menschen verschwinden. Auch B. setzte sich laut "Guardian" für die Unabhängigkeit Baluchistans ein. Dafür habe er Todesdrohungen erhalten.

Die Deutsche Presse-Agentur hatte berichtet, dass der Pakistaner nach der Freilassung an einen sicheren Ort gebracht worden war, damit Asylgegner ihn nicht angreifen könnten. Im Artikel heißt es, er solle dort zwei weitere Monate bleiben. Er bekomme Essen geliefert und müsse die Polizei benachrichtigen, wenn er hinausgehe.

Navid B. war kurz nach dem Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlag am 19. Dezember festgenommen und beschuldigt worden, den LKW in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gesteuert zu haben. Einen Tag später war er wieder freigelassen worden. Der mutmaßliche Täter, Anis Amri, konnte fliehen und wurde Tage später in Italien erschossen. Bei dem Anschlag wurden zwölf Menschen getötet und mehr als 50 verletzt.

chr/se (dap, afp)

 

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