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KatastropheEuropa

Südeuropa im Griff des Feuers

5. August 2021

Athen ist in Rauch gehüllt, in der Türkei werden Zehntausende evakuiert, Nordmazedonien ruft den Notstand aus: Waldbrände nehmen Teile Südeuropas den Atem. Ein baldiges Ende der angespannten Lage ist nicht in Sicht.

Waldbrände in Europa | Italien Pescara
Dichter Rauch über der italienischen Stadt Pescara an der AdriaBild: Italian Firefighters/AP/dpa/picture alliance

Griechenland

Auf der griechischen Halbinsel Peloponnes wurden am Mittwoch zahlreiche Einsatzkräfte in das von Flammen bedrohte Olympia entsandt. Rund um das antike Dorf, in dem die ersten Olympischen Spiele stattfanden und wo vor den Spielen stets das Olympische Feuer entzündet wird, waren laut dem griechischen Zivildienst sieben Brände ausgebrochen.

Zuletzt gelang es, das Feuer einzudämmen, kurz bevor die Flammen das UNESCO-Welterbe erreichen konnten. Ein Feuer im Norden der Hauptstadt Athen konnte ebenfalls weitgehend eingedämmt werden, weil die Winde nachließen. Die Stadt liegt jedoch unter einer Rauchglocke.

Löschhubschrauber im Einsatz nahe AthensBild: Vasilis Rebapis/ANE Edition/imago images

Indessen entzündeten sich auf der stark bewaldeten Insel Euböa zahlreiche neue Brandherde. Auf der zweitgrößten Insel des Landes, nordöstlich von Athen, läuteten Kirchenglocken Alarm, Dörfer wurden evakuiert, Anwohner versuchten mit Traktoren und Kettensägen Schneisen zu schaffen, um die Flammen daran zu hindern sich weiter auszubreiten.

Landesweit seien innerhalb von 24 Stunden 92 Brände ausgebrochen, hieß es am Donnerstag. Die Intensität der Brände in Griechenland habe inzwischen das übliche Maß der Sommermonate überschritten, sagte Mark Parrington vom europäischen Copernicus-Klimawandeldienst der Deutschen Presse-Agentur.

Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis kündigte an, verstärkt Militär einzusetzen. Die Soldaten sollen die Situation aus der Luft mit Drohnen verfolgen und neue Brandherde frühzeitig entdecken. Zudem sollen sie die Feuerwehr mit Baggern und anderem schweren Gerät unterstützen und mit Tankwagen Wasser zu den Brandherden transportieren.

Türkei

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die durch hohe Temperaturen und trockene Winde angefachten Waldbrände im Land als die schlimmsten der Geschichte bezeichnet. Auch Experten sprechen von den intensivsten Feuern seit Beginn der Datenerfassung 2003. Zehntausende Türken und Urlauber sind durch die Feuer zum Verlassen ihrer Häuser oder Hotels gezwungen worden. Acht Menschen sind bislang ums Leben gekommen. Schätzungen zufolge sind rund 100.000 Hektar Wald und Felder durch die Flammen zerstört worden.

Das Forstamt sprach am Donnerstag von 180 Bränden, von denen zwölf noch nicht unter Kontrolle seien, darunter Großbrände in den Urlaubs-Gegenden der Provinzen Antalya und Mugla. Die Flammen erreichten unter anderem ein Kohlekraftwerk, dessen Umgebung evakuiert werden musste. Nach elf Stunden konnte das Feuer dort eingedämmt werden.

Seit Beginn der Brände vergangene Woche ist in der Türkei immer wieder Kritik an der Ausstattung der Einsatzkräfte laut geworden. Präsident Erdogan weist die Vorwürfe zurück und spricht von "Lügen-Terror" seitens der Opposition.

Derweil ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft wegen einer Kampagne in den Sozialen Medien. Unter dem Hashtag #HelpTurkey hatten User im Kampf gegen das Feuer um internationale Hilfe gebeten. Ermittelt werde nun unter anderem wegen "Erzeugung von Sorge, Angst und Panik" in der Bevölkerung und Anstiftung des Volkes zu Hass und Feindschaft, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Tatsächlich haben ausländische Einsatzkräfte in der Türkei ausgeholfen.

Italien

Auch in Italien kämpft die Feuerwehr weiter gegen Flammen, etwa auf Sizilien in der Provinz Palermo. Im Norden und Osten der beliebten Urlaubsinsel gilt weiterhin die höchste Brandrisikostufe. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti sieht längst einen Millionenschaden für Umwelt, Tourismusbranche und andere Wirtschaftszweige. Die Zahl großer Brände sei in diesem Sommer verglichen mit den Vorjahren sehr stark gestiegen. Auf den ebenfalls stark betroffenen Inseln Sizilien und Sardinien sowie in vielen süditalienischen Regionen seien Tausende Hektar Wald und Landwirtschaftsfläche verbrannt und viele Tiere den Flammen zum Opfer gefallen.

In Italien hatten bei sengender Hitze und Trockenheit zuletzt immer wieder kräftige Winde die Flammen angetrieben. Rund 70 Prozent der Feuer seien allerdings auf Fehlverhalten von Menschen zurückzuführen, sagte Umweltminister Roberto Cingolani. Die Polizei nahm in den vergangenen Tagen immer wieder mutmaßliche Brandstifter fest.

Feuer am Strand von Le Capannine auf Sizilien Bild: ROBERTO VIGLIANISI/REUTERS

Bulgarien

In 24 von 28 Regionen des Landes gilt derzeit die zweithöchste Alarmstufe "Orange" - auch in der Hauptstadt Sofia mit rund 1,5 Millionen Einwohnern. Bei der Bekämpfung von Waldbränden nahe der Grenze zu Griechenland wurden am Mittwoch zwei Forstarbeiter getötet und ein weiterer verletzt. Bei weiteren Feuern brannten Dutzende Häuser nieder. Die Armee unterstützt die Feuerwehrleute mit Hubschraubern, Fahrzeugen und Personal.

Die Zahl der Brände im Land habe sich zuletzt auf bis zu 240 pro Tag verdoppelt, sagte der Leiter der bulgarischen Feuerwehr am Mittwoch dem staatlichen Fernsehsender BNT. Er fügte hinzu, dass die meisten Brände durch menschliche Aktivitäten ausgelöst wurden und sich dann aufgrund der heißen, trockenen und windigen Wetterbedingungen schnell ausbreiteten. Bulgarien war zuletzt wie viele Länder Südeuropas von einer Hitzewelle mit Höchstwerten jenseits von 40 Grad heimgesucht worden. Zwar soll sich die Hitze zum Wochenende ein wenig abschwächen, doch danach erwarten Meteorologen neue Höchsttemperaturen.

Auf dem Balkan, hier in Albanien, sind Löschflugzeug aus der EU im Einsatz Bild: Ministry of Defence od Albania

Albanien

Ebenfalls betroffen von den Waldbränden betroffen sind Teile der östlichen Adriaküste und der Westbalkanregion. In einem südalbanischen Dorf starb nach Informationen des Portals "Gazetaexpress.com" ein 64-Jähriger an Verbrennungen, nachdem er sich trotz behördlicher Anordnung geweigert hatte, sein brennendes Haus zu verlassen. Während im Süden Albaniens die Waldbrände bis Mittwoch gelöscht wurden, brachen auf der im Norden gelegenen Adria-Halbinsel Karaburun neue Feuer aus. Albaniens Verteidigungsminister Niko Peleshi erklärte, man habe im Ausland um Hilfe bei den Löscharbeiten gebeten. Die Niederlande hätten versprochen, spezielle Lösch-Helikopter zu schicken.

Nordmazedonien

Auch in Albaniens Nachbarland Nordmazedonien brennen die Wälder. Im Dorf Staro Nagoricane hat es laut dem Portal "press24.mk" ein Todesopfer gegeben: Eine Frau sei dort vor dem Feuer in ihr Haus geflohen, und dann darin gefangen gewesen.

Feuerwehrleute machen nach 14 Stunden Kampf gegen die Flammen nahe der Stadt Delchevo eine kurze SchlafpauseBild: Arbnora Memeti

Nach offiziellen Angaben sind derzeit insgesamt acht Waldbrände aktiv, der größte in der Nähe des Dorfs Pehcevo im Zentrum des Landes. Seit Mittwochmorgen versuchen dort fünf Hubschrauber-Teams, das Feuer zu löschen - zwei von der nordmazedonischen Armee und drei aus Serbien.

Wegen der Feuer hat Nordmazedonien einen 30-tägigen Notstand ausgerufen. Serbien, Slowenien und Bulgarien haben Hilfsteams zum Feuerlöschen nach Nordmazedonien geschickt. Auch Österreich und die EU-Kommission haben sich den Hilfsmissionen angeschlossen.

Kosovo

Im zentralkosovarischen Malisheva starb nach Polizeiangaben vom Mittwoch ein Mann an Atemnot, als er versuchte, seine brennende Scheune zu retten. In der Nacht zum Donnerstag wurden in sechs Bezirken des Landes Waldbrände gelöscht, zwei weitere seien im Laufe des Tages neu ausgebrochen.

Die im Westen gelegene Bergstadt Peja mit etwa 50.000 Einwohnern sei akut von den Waldbränden gefährdet, meldete das Portal "zeri.info" unter Berufung auf den regionalen Katastrophenschutz. Die dort ständig stationierte Nato-Truppe KFOR helfe beim Löschen.

Bei den Bränden im Kosovo wird Brandstiftung vermutet, weil Bauern nach der Ernte traditionell die Felder durch Anzünden "reinigen", berichtete ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur vor Ort. Wegen eines solchen Verdachts sei es bereits zu einer Festnahme gekommen.

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