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Welche Absichten verfolgt Trump mit seinen Friedensabkommen?

Paula Alves Silva Washington D.C.
18. Dezember 2025

Donald Trump behauptet, in seinem ersten Amtsjahr acht Kriege beendet zu haben. Tatsächlich sind jedoch mehrere seiner Friedensabkommen weitgehend erfolglos geblieben. Was motiviert ihn also, sie weiterzuverfolgen?

US-Präsident Trump schüttelt Ruandas Präsident Kagame die Hand, Kongos Präsident Tshisekedi steht abseits
Wird der von den USA vermittelte Friedensplan nachhaltig sein - oder ist Trumps Initiative ein Kniff, um Zugang zu Mineralien und anderen Rohstoffen in Afrika zu bekommen?Bild: Chip Somodevilla/Getty Images/AFP

"Heute sind wir dort erfolgreich gewesen, wo so viele andere gescheitert sind", erklärte US-Präsident Donald Trump jubelnd, als die Präsidenten von Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) Anfang dieses Monats in Washington ein Friedensabkommen unterzeichneten. Nach Zählung des Weißen Hauses war dies der achte Krieg, den der US-Präsident im Alleingang beendet hat.

Auf der anderen Seite des Atlantiks, in vielen Teilen des afrikanischen Kontinents, bleibt der Begriff "Frieden" jedoch schwer fassbar- einschließlich der DR Kongo. Anstatt das am 4. Dezember unterzeichnete Abkommen zu feiern, blieben die Menschen im Ostkongo aus Angst vor dem, was als Nächstes kommen könnte, in ihren Häusern. Die Feindseligkeiten halten an, von Frieden kann gar keine Rede sein: Allein in der Woche nach dem Friedensabkommen wurden laut dem Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mehr als 500.000 Menschen in der Region vertrieben.

Unruhige Zeiten trotz "Frieden"

"Die Unterzeichnung löste erneute Kämpfe zwischen Rebellen und den Verteidigungskräften der DR Kongo aus. Das Ergebnis war, dass die Rebellen die Kontrolle über neue Gebiete, darunter die Stadt Uvira, übernahmen", berichtet ein Helfer einer im Kongo tätigen Hilfsorganisation der DW.

Am 16.12. verkündeten die Kämpfer der AFC/M23, sich auf Wunsch der US-Vermittler auf den Rückzug aus der strategisch wichtigen Stadt vorzubereiten. "Es scheint eher eine politische Vereinbarung zu sein, die auf dem Druck der USA basiert, als ein echtes Friedensabkommen", fügt der Helfer hinzu. Ob sie die Rebellen tatsächliche zurückziehen, bleibt abzuwarten. Einen Tag nach der Ankündigung sahen die USA keine glaubhaften Beweise dafür.

US-Präsident Donald Trump: Was will er wirklich?Bild: Alex Brandon/AP Photo/picture alliance

Doch die DR Kongo ist nicht der einzige Ort, an dem Trumps Rhetorik über die Beendigung von Kriegen und die Herstellung von Ordnung nur Schall und Rauch zu sein scheint.

Nach einer vom Weißen Haus im Oktober gesponserten Friedenszeremonie sind mehr als eine halbe Million Menschen vor erneuten Grenzkonflikten zwischen Kambodscha und Thailand geflohen.

Auch Verstöße gegen die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas wurden in den letzten Wochen verzeichnet.

Und Trumps Wahrnehmung der Rolle der USA in dem kurzen Krieg zwischen Israel und dem Iran vor einem halben Jahr spiegelt eher die mangelnde militärische Fähigkeit der Islamischen Republik wider, sich gegen Israel zu wehren, als eine echte Friedensinitiative.

Manche "Kriege" sind gar keine

Dazu kommt: Von den acht Kriegen, die Trump angeblich beendet hat, waren zwei gar keine kriegerischen Konflikte: Es gab weder zwischen Ägypten und Äthiopien noch zwischen Serbien und dem Kosovo einen Kriegszustand. Es handelte sich dabei lediglich um diplomatische Meinungsverschiedenheiten.

Anderswo scheinen sich sogar Trumps Verbündete von seinem Einfluss zu distanzieren: In Bezug auf die Spannungen zwischen Indien und Pakistan strebt etwa Neu-Delhi eine Verringerung des US-Engagements an, während Pakistan weiterhin um die Gunst der Trump-Regierung wirbt.

Der einzige Konflikt, bei dessen Lösung die Trump-Regierung nachweislich geholfen hat, ist der Streit zwischen Armenien und Aserbaidschan. Dort hat das proaktive Engagement der USA zum Ende der fast 40 Jahre andauernden Spannungen geführt.

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"Was er als Frieden bezeichnet, waren meist nur vorübergehende Waffenruhen, Normalisierungsabkommen oder Siege auf Pressekonferenzen, die die eigentlichen Ursachen des Konflikts ignorierten", sagt Medea Benjamin, Mitgründerin der feministischen US-Anti-Kriegs-Gruppierung "Code Pink". "Das waren keine dauerhaften Friedensabkommen, sondern kurzfristige politische Lösungen, die einen erneuten Krieg eher hinausgeschoben als verhindert haben", sagt Benjamin zur DW.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Der US-Präsident hat eine Vorliebe für Gold, das sieht man nicht nur an seiner Umgestaltung des Weißen Hauses. Sein Wunsch, als fünfter US-Präsident in die Geschichte einzugehen, der den Friedensnobelpreis erhält, ist kein Geheimnis. Laut Einschätzung des Historikers und Journalisten Theo Zenou treibt Trump während seiner zweiten Amtszeit allerdings eine noch größere Kraft an - und zwar sein "Wunsch, weltweit als großer Führer gefeiert zu werden".

"Er weiß, dass es nichts Erhabeneres gibt, als als Friedensstifter angesehen zu werden. Allerdings möchte er sich nicht der harten Arbeit eines Friedensstifters unterziehen, die mit der Überwachung langwieriger Versöhnungsprozesse zwischen verfeindeten Nationen verbunden ist", analysiert Zenou gegenüber der DW.

Das umgestaltete Oval Office: Goldene Dinge mag Donald TrumpBild: Yuri Gripas/abaca/picture alliance

Trumps Rolle als Diplomat hat eine Taktik, findet Eugenio Costa Almeida, Sozialwissenschaftler an der Universität Lissabon. Und zwar eine, die über das persönliche Prestige hinausgehe und "an der Schnittstelle zwischen geopolitischer Strategie, wirtschaftlichen Interessen und einer Logik der persönlichen und wahlpolitischen Führungsbestätigung" funktioniere.

"America First", der Rest der Welt an zweiter Stelle

Dem US-Präsidenten gelinge es allerdings nicht, diese schwierige Schnittstelle auch effektiv zu nutzen, fügt Costa Almeida hinzu. Denn bei den von Trump geförderten Friedensinitiativen blieben wichtige Akteure häufig außen vor: Im Fall der DR Kongo zum Beispiel sei die Rebellengruppe AFC/M23 vollständig aus dem Friedensabkommen ausgeschlossen worden - und das, obwohl sie Monate zuvor in Katar eine vorläufige Vereinbarung mit der kongolesischen Regierung unterzeichnet hatte.

Für Medea Benjamin von "Code Pink" haben Trumps Friedensbemühungen wenig mit einem echten Interesse zu tun, eine zersplitterte Welt zusammenzuführen, sondern sie spiegeln vielmehr die offensichtlichen Wünsche seiner politischen Anhänger wider: Indem er den Anschein erwecke, die Konflikte im Ausland zu beenden, werde der US-Präsident dem Slogan "America First" gerecht, der ihm überhaupt erst die Wahl durch seine MAGA-Anhänger eingebracht habe. Auf diese Weise könne er rechtfertigen, Militär-, Entwicklungs- und weiteren Finanzhilfen für andere Länder einzustellen, so Benjamin.

Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens zwischen der DR Kongo und der M23 im Juli in Katar Bild: Karim Jaafar/AFP

Frieden als Mittel zur Zwangsausübung

Aber dann ist da ja auch noch das Problem des "Krieges" im eigenen Land: Amerikas zunehmend hegemonialer Wettbewerb mit China. Laut der kürzlich vorgestellten Nationalen Sicherheitsstrategie ist die Bekämpfung der Macht Chinas auf der internationalen Bühne nun eine der obersten Prioritäten der US-Regierung.

Die Unterzeichnung sogenannter Friedensabkommen ermöglicht es Trump, "die globale Führungsrolle zu behaupten und die Vereinigten Staaten als unverzichtbaren Vermittler zu positionieren, während China seinen diplomatischen und wirtschaftlichen Einfluss in Afrika und anderen Regionen ausbaut", sagt Costa Almeida. "Der Wettbewerb zwischen den Weltmächten, insbesondere um den Zugang zu strategischen Ressourcen wie kritischen Mineralien und Seltenen Erden, wie sie etwa in der DR Kongo vorkommen, lässt vermuten, dass ein es ein tieferliegender Faktor sein könnte, den Einflussbereichs von Rivalen wie China zu verkleinern", fügt er hinzu.

Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping am Rande des APEC-Gipfels (30.10.2025)Bild: Evelyn Hockstein/REUTERS

Für die beteiligten Länder könnten die von den USA ermöglichten Abkommen lediglich dem primären Zweck dienen, "sich bei Trump beliebt zu machen und niedrigere Zölle oder eine engere Zusammenarbeit in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen zu erreichen", sagt Historiker Zenou.

Und er weist darauf hin, dass Trump bereit sei, "alle ihm akzeptablen Mittel" einzusetzen, um seine - und die Ziele der USA - zu erreichen. Dabei würde er auch nicht zögern, "Zwang oder Einschüchterung anzuwenden, um zu bekommen, was er will".

Adaption aus dem Englischen: Nikolas Fischer

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