Welche militärischen Optionen haben die USA im Iran?
19. Januar 2026
Seit etwa zwei Wochen überlegt US-Präsident Donald Trump öffentlich, wie er auf die Lage im Iran reagieren soll. Während die Führung in Teheran hart gegen regimekritische Demonstranten vorgeht, hatte Trump zunächst mit "sehr starken Maßnahmen" gedroht. Am Mittwoch (14.01.2026) ruderte er dann zurück. Er berief sich auf "sehr wichtige Quellen auf der anderen Seite", nach denen das Töten im Iran angeblich aufhöre.
Diese Unberechenbarkeit gilt als Markenzeichen Trumps. Doch die Lage wirkt diesmal besonders angespannt. Ein US-Flugzeugträger ist auf dem Weg in die Region. US-Soldaten sollen vorübergehend aus wichtigen Stützpunkten in Nahost abgezogen worden sein. Zudem sperrte der Iran vorübergehend seinen Luftraum. All das nährt Spekulationen über einen möglichen US-Angriff. Die Deutsche Welle hat mehrere Experten befragt, welche Optionen die USA im Iran überhaupt hätten - und was so ein Angriff eigentlich bringen würde.
Gibt es eine sinnvolle militärische Option?
Das hänge vor allem vom Ziel eines Angriffs ab, sagt der frühere US-Marineoffizier Mark Cancian, der heute bei einer Denkfabrik in Washington, D.C. arbeitet. "Kein Militärschlag kann die iranischen Behörden davon abhalten, Demonstranten zu töten", glaubt er. Möglich wäre aber ein Angriff auf Sicherheitskräfte, etwa auf die Revolutionsgarden. Ziel wäre es, den Iran zu bestrafen und den Sicherheitsapparat unter Druck zu setzen.
Auch Ashok Swain von der Universität Uppsala hält ein militärisches Eingreifen nur in sehr begrenzter Form für denkbar - etwa zum Schutz von US-Soldaten oder Verbündeten. Dazu kämen gezielte Schläge, falls nötig.
Beide Experten halten den Einsatz schwerer Hightech-Waffen für wenig sinnvoll. Dazu zählen Tarnkappenbomber wie die B-2 oder Spezialraketen, wie sie im vergangenen Jahr beim Angriff auf iranische Atomanlagen eingesetzt worden waren.
"Das wäre möglich, aber nicht nötig", so Cancian. Marschflugkörper wie der Tomahawk reichten aus. Die B-2 seien damals nur eingesetzt worden, weil sie eine sehr spezielle Bombe haben tragen müssen, die unterirdisch gelegene Atomanlagen zerstören kann.
Swain warnt zudem vor den Folgen solcher Angriffe. Sie seien politisch heikel, schwer zu begrenzen und leicht misszuverstehen. Zudem könnten sie Gegenangriffe auf US-Truppen und Partner in der Region auslösen.
Welche Folgen hätte ein Angriff?
Die Konsequenzen hingen von der Art des Angriffs ab, sagt der Politikwissenschaftler Mohammad Eslami vom Europäischen Hochschulinstitut EHI. Er rät zur Vorsicht. "Ein US-Angriff würde kaum strategische Vorteile bringen", sagt er. Dafür würde das aber die Region weiter destabilisieren und den iranischen Widerstand eher stärken als schwächen.
Auch Swain sieht große Risiken. Alles, was über gezielte und notwendige Schläge hinausgehe, könne schnell eskalieren. Hardliner würden gestärkt, Zivilisten gerieten in Gefahr.
Cancian glaubt dagegen, dass ohnehin nur sehr begrenzte Einsätze zur Debatte stünden. Diese hätten wohl kaum schwerwiegende Folgen. Die USA würden keine Ziele in der Nähe von Demonstrationen angreifen, sagt er. Denkbar seien Angriffe auf Stützpunkte oder Hauptquartiere der Sicherheitskräfte.
Könnten die USA Irans obersten Führer ausschalten?
Die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Kräfte Anfang des Monats feierte die Trump-Regierung als Erfolg. Ein ähnliches Vorgehen gegen Irans obersten Führer Ali Chamenei halten die Experten jedoch für sehr unwahrscheinlich. Eslami sagt zwar, dessen Tötung sei theoretisch möglich. In der Praxis sei sie aber kaum umsetzbar. Dafür seien die Machtstrukturen im Iran zu gefestigt, das Land zu groß und Chameneis Schutz zu gut.
Auch Cancian hält ein solches Szenario für unrealistisch. Selbst wenn es möglich wäre, sei jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Den USA fehlten die nötigen Truppen und die Vorbereitungszeit. Zudem liege das Ziel weit entfernt, sowohl von den USA als auch von möglichen Startpunkten im Persischen Golf.
Welche Alternativen gibt es ohne Militär?
Angesichts der begrenzten militärischen Optionen könnten jetzt andere, weichere Maßnahmen besser geeignet sein, so Swain. Dazu zählten gezielter finanzieller Druck auf Verantwortliche des Regimes, diverse defensive Schritte in der Region und natürlich eine Diplomatie, die Anreize und Druck kombiniere. Wichtig sei auch eine eher subtile Unterstützung der iranischen Bevölkerung, sagt Swain - das sei bislang vernachlässigt worden. Etwa indem man der Zivilgesellschaft helfe, besseren Zugang zu Informationen zu bekommen. Eine militärische Eskalation könnte dagegen Teheran in die Hände spielen.
Cancian hat eine konkrete Forderung, wie man den Menschen im Iran helfen müsse: Der Internetzugang im Iran müsse wiederhergestellt werden. Ein funktionierendes Netz würde Demonstranten helfen, sich zu vernetzen und Informationen zu teilen.
Für Eslami stellt sich am Ende eine grundsätzliche Frage: Sollten die USA eine solche Entscheidung ganz allein treffen? "Dauerhafte Lösungen wird es nur geben, wenn internationales Recht angewendet wird. Wir brauchen Diplomatie und gemeinsames Vorgehen", sagt er. Militäraktionen im Alleingang hätten nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder zu mehr Instabilität geführt und nicht zu mehr Ordnung.
Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt.