1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
GesellschaftGlobal

"World Happiness Report" - Soziale Medien ein Glückskiller?

19. März 2026

Einmal im Jahr, rund um den Beginn des Frühlings, geht es ganz wissenschaftlich um die Zufriedenheit im Leben weltweit. Ein Fazit der Forscher: Social Media macht nicht immer glücklich.

Symbolbild Social Media | Ein Mädchen und ein Junge schauen auf ihr Smartphone (08.03.2026)
Jugendliche Smartphonenutzer in Frankfurt am Main (Symbolbild) Bild: Tim Wegner/epd-bild/picture alliance

Bei jungen Menschen trägt eine intensive Nutzung sozialer Medien oftmals zu einem deutlichen Rückgang des Wohlbefindens bei - wobei die Auswirkungen bei Mädchen im Teenageralter in englischsprachigen Ländern und in Westeuropa besonders besorgniserregend sind. Das geht aus dem Weltglücksbericht, dem "World Happiness Report 2026" hervor. Das interdisziplinäre Forscherteam um das Wellbeing Research Centre der Universität Oxford in England hat sich in diesem Jahr besonders mit dem Einfluss sozialer Medien auf die Zufriedenheit der Menschen beschäftigt. 

Ihr Bericht hebt hervor, dass die Lebenszufriedenheit bei den unter 25-Jährigen in den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Neuseeland in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken ist. Die Experten deuten an, dass die vielen Stunden, die mit dem Scrollen durch soziale Medien verbracht werden, ein entscheidender Faktor für diesen Trend sind. So berichten 15‑jährige Mädchen, die soziale Medien fünf Stunden oder länger nutzen, häufiger von einer geringeren Lebenszufriedenheit als jene, die Social Media seltener verwenden.

Eine Stunde Social Media am Tag ist in Ordnung

Junge Menschen, die soziale Medien weniger als eine Stunde pro Tag nutzen, berichten laut den Forschern über das höchste Wohlbefinden - also höher noch als diejenigen, die soziale Medien gar nicht nutzen. Jugendliche verbringen schätzungsweise jedoch durchschnittlich 2,5 Stunden pro Tag in sozialen Medien.

Auch die Art des Mediums spielt eine Rolle. "Plattformen, die algorithmisch kuratierte Inhalte von Influencern bewerben, sind nicht gut für das Wohlbefinden", erläutert Jan-Emmanuel De Neve. Er ist Wirtschaftsprofessor in Oxford, leitet das Wellbeing Research Centre und gehört zu den Herausgebern des "World Happiness Report". Positiv wirken sich dagegen Plattformen aus, die soziale Kontakte fördern. "Dabei konnten wir positive Zusammenhänge mit dem Wohlbefinden feststellen", sagt De Neve.

Frankreich plant Alterskontrollen für Social Media

03:07

This browser does not support the video element.

Die Forscher stellen aber auch fest, dass in einigen Teilen der Welt, wie dem Nahen Osten und Südamerika, die Zusammenhänge zwischen der Nutzung sozialer Medien und dem Wohlbefinden positiver sind. Dort ist das Wohlbefinden der Jugendlichen trotz intensiver Nutzung sozialer Medien nicht gesunken. Dem Bericht zufolge ist dies auf viele Faktoren zurückzuführen, die sich von Kontinent zu Kontinent unterscheiden.

Der "World Happiness Report" erscheint jedes Jahr rund um den "Welttag des Glücks" (20. März), der von den Vereinten Nationen 2013 eingeführt wurde. Laut dem jüngsten Report haben vor allem wieder die nordischen Länder in Europa das Glück für sich gepachtet.

Finnen sind wieder das glücklichste Volk

Finnland führt auch in diesem Jahr die Rangliste wieder an, zum neunten Mal in Folge. Auf die Frage, was die Finnen so glücklich mache, führt Forscher De Neve Humor und Gelassenheit an. "Die Finnen sind nicht besessen davon, unbedingt glücklich sein zu wollen. Sie sind dankbar für alles, was sie haben. Und sie nehmen sich selbst in dieser Hinsicht nicht allzu ernst, was ihnen wiederum hilft, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen", erklärt der Wissenschaftler die hohe Zufriedenheit in Europas Norden.

Eine Zeltsauna an der Aalto-Universität in Finnland (Archivbild) Bild: Seppo Samuli/Lehtikuva/dpa/picture alliance

Um das Wohlbefinden zu steigern, hat De Neve noch einen ganz persönlichen Tipp: raus in die Natur zu gehen. "Wir haben dazu nicht viele Daten, aber es ist deutlich, dass die Finnen sehr naturverbunden sind", sagt er. "Fast jeder hat eine Hütte oder ein Häuschen im Wald, die Leute gehen Kirschen pflücken oder Pilze sammeln - da ist diese tiefe, instinktive Verbindung zur Natur." Und nicht zuletzt soll auch die Sauna nicht unerwähnt bleiben: wo Finnen nicht nur schwitzen, sondern auch Geheimnisse teilen, Geschäfte besiegeln oder einfach nur plaudern.

Hinter Finnland liegen in der Rangliste Island, Dänemark, Costa Rica und Schweden. Es folgen Norwegen, die Niederlande, Israel, Luxemburg und die Schweiz.

Deutschland verbessert sich um fünf Plätze

Auch in Deutschland scheinen sich die Menschen immer glücklicher zu fühlen. Im neuen Bericht landet die Bundesrepublik auf Platz 17. Sie ist damit um fünf Positionen nach vorn gerutscht. Zwischen Ost- und Westdeutschland, einst durch den Eisernen Vorhang getrennt, gibt es beim Glücksempfinden praktisch keinen Unterschied mehr, so die Forscher.

Blick auf das Bergpanorama im Nationalpark Berchtesgaden im südlichen Bundesland Bayern Bild: Matthias Balk/dpa/picture alliance

Die wichtigsten Glücksfaktoren in Deutschland sind demnach das Gefühl, wertgeschätzt und geliebt zu werden (40 Prozent), Familie und Kinder (35 Prozent) und körperliche Gesundheit (27 Prozent).

Das südliche Nachbarland Österreich fällt um zwei Plätze auf Rang 19 zurück. Die USA verbessern sich um eine Position auf Platz 23.

Afghanistan auf dem letzten Rang

Wie in den Vorjahren bleiben Nationen in oder in der Nähe von großen Konfliktgebieten am Ende der Rangliste. Afghanistan wird erneut als das unglücklichste Land eingestuft. Auf dem vorletzten Platz liegt Sierra Leone in Westafrika.

Die Länderrangliste basiert auf den Antworten von rund 100.000 Menschen in 140 Ländern und Regionen. Sie wurden gebeten, einzelne Aspekte ihres Lebens auf einer Skala von 0 bis 10 zu bewerten. Die Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Gallup und dem Netzwerk für nachhaltige Entwicklungslösungen der Vereinten Nationen.

se/AR (ap, dpa, kna, afp) 

Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen