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Weltwirtschaft: Welche Herausforderungen warten 2026?

2. Januar 2026

Von Handelsspannungen und hoher Schuldenlast bis hin zu Befürchtungen einer KI-Blase: Der Weltwirtschaft drohen in diesem Jahr eine Reihe Risiken, die das Wachstum empfindlich dämpfen könnten.

Containerschiffe im Hamburger Hafen, Hamburg
Der Hamburger Hafen ist der nordwestliche Endpunkt der "Maritimen Seidenstraße", einer von Chinas HaupthandelsroutenBild: Rupert Oberhäuser/picture alliance

Das Wirtschaftsjahr 2025 war geprägt von Handelskonflikten, schwankendem Wachstum, hartnäckiger Inflation und steigender Staatsverschuldung in vielen Regionen. Keines dieser Probleme hat sich sich mit dem Jahreswechsel in Luft aufgelöst.

Die Weltwirtschaft habe sich zwar als widerstandsfähig erwiesen, bleibe aber anfällig, heißt es bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Man erwartet, dass sich das weltweite Wachstum von 3,2 Prozent im Jahr 2025 auf 2,9 Prozent im Jahr 2026 leicht abschwächen wird.

Die Nachwirkungen von Trumps Zollpolitik

Im April sorgte die US-Regierung unter Präsident Donald Trump mit umfassenden neuen Zöllen für weltweite Verunsicherung. Ziel war es, Handelsströme neu zu ordnen und das hohe US‑Handelsdefizit zu reduzieren. Die Märkte reagierten mit Turbulenzen und Anpassungen ihrer Lieferketten.

Mittlerweile ist Washington mit vielen seiner Handelspartner übereingekommen. Im Ergebnis ist der durchschnittliche US-Zollsatz von 2,5 Prozent zu Trumps Amtsantritt im Januar auf 17,9 Prozent gestiegen - laut Berechnungen des Budget Lab der Yale University der höchste Wert seit 1934.

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Ob Trumps Handelspolitik rechtmäßig ist, soll der Oberste Gerichtshof der USA im Laufe des Jahres klären. Der Präsident beruft sich auf einen angeblichen nationalen Notstand, um Zölle ohne Zustimmung des Kongresses per Dekret zu verhängen.

Viele Beobachter erwarten, dass der Supreme Court die Urteile der unteren Instanzen bestätigt und die Zölle für unrechtmäßig befindet. Dennoch könnte die Regierung einige Maßnahmen auf anderem Wege wieder einführen. Damit bleiben US‑Zölle auch 2026 ein zentrales Thema.

Anhaltende Spannungen zwischen den USA und China

Der Konflikt mit China dürfte dabei im Fokus stehen. Zwar haben sich Trump und Chinas Präsident Xi Jinping im Oktober getroffen und ein zwölfmonatiges Abkommen geschlossen, doch grundlegende wirtschaftliche und strategische Streitpunkte in dem Handelskonflikt bleiben ungelöst. 

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"Es ähnelt eher einem Waffenstillstand als einem dauerhaften Friedensabkommen, das den Handelskrieg zwischen den USA und China beenden würde", sagt Rajiv Biswas, Geschäftsführer des Risikoanalyseunternehmens Asia Pacific Economics.

"Die USA und China befinden sich nach wie vor in einem geostrategischen Wettbewerb, der die Rivalität in Schlüsselbereichen wie der Verteidigungstechnologie und fortschrittlichen Fertigungsindustrien wie KI, Quantencomputing und Robotik vorantreibt", erklärt Biswas der DW.

Im Wettstreit um die technologische Vorherrschaft erwartet der Analyst weiterhin "verstärkten Einsatz von Zöllen, Sanktionen und anderen wirtschaftlichen Maßnahmen" in den genannten Schlüsselbranchen.

Chinas strukturelle Schwächen

Trotz der Spannungen mit den USA erwarten Experten, dass die chinesische Wirtschaft im nächsten Jahr mit einem Wachstum von etwa fünf Prozent die jüngsten Ziele der Regierung erreichen wird.

Strukturelle Herausforderungen - wie die alternde Bevölkerung, die sinkende Grenzproduktivität des Kapitals und Überkapazitäten vielen Branchen - werde das Land allerdings nicht so schnell los, sagt Biswas.

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Chinas Wachstumsmodell gebe "weiterhin dem Angebot Vorrang vor der Nachfrage, was zu chronischen Überkapazitäten und anhaltend schwachen Verbraucherausgaben führt", erklärt Neil Shearing, Chefvolkswirt bei Capital Economics in London.

Die Regierung hat angekündigt, den Binnenkonsum zu stärken und den angespannten Immobilienmarkt zu stabilisieren. Dennoch werde das Ungleichgewicht auch 2026 ein prägendes Merkmal bleiben, so Shearing. 

Alicia Garcia Herrero, Chefvolkswirtin für Ostasien und Pazifik bei der französischen Investmentbank Natixis, erwartet, dass Trumps Zölle asiatische Volkswirtschaften 2026 noch stärker treffen werden - vor allem angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und - auch in der Region - fragmentierter Handelsstrukturen.

Inflation und hohe Verschuldung

Unterdessen bleibt die Inflation in vielen Teilen der Welt, darunter USA und Euroraum, zum Teil aufgrund der Zölle auf hohem Niveau.

In vielen Regionen - darunter die USA und der Euroraum - bleibt die Inflation unter anderem wegen der Zölle hoch. Neue Handelsbarrieren und Störungen der Lieferketten könnten den Preisdruck noch erhöhen. 

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Die Zentralbanken könnten dann vor einem Dilemma stehen: Höhere Zinssätze könnten die Inflation dämpfen, aber gleichzeitig das Wachstum schwächen und den Schuldendienst erschweren - besonders für hoch verschuldete und finanziell schwächere Staaten. In der Eurozone kämpfen mehrere große Volkswirtschaften mit angespannten Haushalten. Frankreich ringt um unpopuläre Sparmaßnahmen, die Defizit und Schuldendienst stabilisieren sollen.

"Die fiskalischen Belastungen, die die Anleger in diesem Jahr verunsichert haben, werden die Märkte auch im Jahr 2026 belasten", meint Shearing. "Es ist inzwischen weithin anerkannt, dass sich die öffentlichen Finanzen mehrerer großer fortgeschrittener Volkswirtschaften auf einem nicht tragfähigen Pfad befinden."

Handelsabkommen Mercosur: Steigender Druck auf die EU

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Deutschland setzt 2026 auf höhere Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur, um das lahme Wachstum endlich zu beschleunigen. Doch die Konjunkturstimmung bleibt schwach. Führende Wirtschaftsinstitute haben kürzlich ihre Wachstumsprognosen für 2026 gesenkt. So rechnet das Ifo-Institut für das nächste Jahr nur noch mit einem Plus von 0,8 Prozent. Die Bundesregierung hält an der - ebenfalls mageren - Prognose von 1,3 Prozent Wachstum fest.

Was, wenn der KI-Boom abbricht?

Der Boom der künstlichen Intelligenz (KI) dürfte weiter anhalten. Die großen US-Tech-Firmen wollen Hunderte von Milliarden Dollar in den Auf- und Ausbau von KI-Rechenzentren und weiterer Infrastrukturen investieren. Damit würde die Branche ein Wachstumstreiber bleiben.

Doch die Nervosität an den Märkten wächst. Viele Anleger zweifeln, ob sich die enormen Investitionen langfristig auszahlen. Einige Experten warnen vor einer möglichen Blase, deren Platzen eine Marktkrise auslösen könnte.

KI in der Krise? Chatbots sind das wohl bekannteste Produkt mit Künstlicher Intelligenz - profitabel sind sie deshalb aber noch nichtBild: Jaque Silva/NurPhoto/picture alliance

Ökonomin Garcia sieht zwar eine strukturelle, anhaltende KI‑Revolution, warnt aber zugleich vor erheblichen Risiken: Bei einem plötzlichen Einbruch der Tech‑Aktien-Kurse könnten auch Investitionen in KI abrupt abfallen - mit potenziell schweren Folgen für die US‑Wirtschaft und das globale Wachstum.

Aus dem Englischen von Jan D. Walter

EU: Digitale Souveränität

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