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Glaube

Wenn der Sommer leuchtet, bevor er geht

29. August 2025

Wenn der Sommer leuchtet, bevor er geht, öffnet sich der Blick nach vorn: Der Herbst mit Ernte, Farben und Hoffnung steht vor der Tür - auch in unserem Leben. Ein Beitrag der katholischen Kirche.

Sonnenuntergang, im Vordergrund eine Sommerwiese
Sonnenuntergang im August in DeutschlandBild: Pauline Erdmann

Es ist einer dieser letzten Augustabende. Das Licht legt sich golden über die Felder, als wolle es die Welt noch einmal zärtlich berühren, bevor es verschwindet. Ich mache, nach Feierabend noch eine Fahrradtour - vielleicht die letzte in T-Shirt und kurzer Hose? Zwischen den Feldern bleibe ich stehen, schaue, halte inne und atme tief ein und aus. In mir mischt sich Wehmut mit Dankbarkeit. Noch ist Sommer, und doch merke ich schon wie die Natur sich verändert und es langsam Herbst wird. Es sind diese Übergänge, die sich oft so wie ein Dazwischen anfühlen, in dem das Herz gleichzeitig festhalten und loslassen will. Der Abschied über den, vielleicht viel zu kurzen Sommer und die Vorfreude auf den hoffentlich goldenen Herbst.

Ich merke, wie sehr solche Momente das Leben spiegeln. Auch wir Menschen kennen in unserem Alltag diese Zwischenzeiten. Wenn eine Freundschaft sich verändert, wenn ein Lebensabschnitt endet, wenn Kinder groß werden und beginnen eigene Wege gehen. Es sind die Momente im Leben, an denen uns bewusst wird: Nichts bleibt, wie es war. Und gerade das kann schmerzen. Aber manchmal leuchtet es genau dann - in der Erinnerung, in einem Wort, in der Liebe, die bleibt.

Die Bibel kennt diese Erfahrung gut. Immer wieder ist von Saat und Ernte die Rede, vom Kommen und Gehen, vom Werden und Vergehen. "Alles hat seine Zeit" heißt es im Buch Kohelet - und gerade diese Worte habe mich in letzter Zeit immer wieder begleitet, haben mir Mut und Kraft gegeben. Denn sie erinnern daran: Auch das Vergehen oder die Veränderung gehört in Gottes Ordnung. Es ist kein blinder Zufall, sondern Teil eines größeren Ganzen.

Gleichzeitig ist da noch dieses Bild des Lichts, die Hoffnung schenkt. Die Bibel erzählt davon, dass Gott selbst Licht ist - ein Licht, das in der Finsternis scheint und nicht ausgelöscht wird. Dieses Spätsommerlicht, wie an dem Abend meiner Radtour, das alles in Gold taucht, bevor die Dunkelheit kommt, ist für mich ein Gleichnis dafür: Auch in unseren Abschieden und Übergängen schenkt Gott uns einen Glanz, der bleibt. Das kann ein Aufleuchten sein, das uns erinnert: Du bist nicht allein.

Ich denke an Jesus, der sagt: "Ich bin das Licht der Welt." Für mich bedeutet das: Auch da, wo Dunkelheit näher rückt - in den Jahreszeiten ebenso wie in den Lebenszeiten - bleibt ein heller Grund. Vielleicht ist es gerade am Ende des Sommers leichter, das zu sehen. Denn hier schiebt sich die Vergänglichkeit nicht als Bedrohung in den Vordergrund, sondern als Einladung, das Jetzt mit wachen Augen wahrzunehmen.

Und vielleicht liegt darin auch ein Versprechen: Der Herbst steht schon bereit. Mit seiner Fülle, seinen Farben, mit der Dankbarkeit des Erntedankfestes. Wo der Sommer endet, da beginnt etwas Neues. Nicht nur Verlust, sondern auch Geschenk. Vielleicht erinnert uns Gott gerade darin: Jeder Abschied birgt schon den Keim eines Anfangs - und das Licht bleibt, wenn auch in anderer Gestalt.

Manchmal frage ich mich, ob nicht genau diese Übergänge ein Ort des Vertrauens sind. Nicht das Festhalten, nicht die Sicherheit, dass alles bleibt, sondern das Vertrauen, dass Gottes Licht uns begleitet - wie der Abendhimmel, der noch leuchtet, wenn die Sonne längst untergegangen ist, und auf die Herbstfarben, Ernte und Hoffnung hinweist. Ein Zeichen dafür, dass es kein Stehenbleiben ist, sondern auch wenn etwas endet, etwas neues und wunderbares beginnt.

Der Sommer verabschiedet sich. Aber sein Leuchten bleibt noch eine Weile, und vielleicht sogar länger - in uns, in unserer Erinnerung, in unserem Glauben. Die Erinnerung an schöne Badetage, Grillabende mit Freunden, Festivals und Urlaube. Es ist wie eine stille Verheißung: Dass Gott da ist. Dass das Licht stärker ist als die Nacht. Und dass wir loslassen dürfen, weil etwas Größeres uns hält.

So geht der August zu Ende. Ein Monat vergeht, ein Sommer klingt aus. Und mitten darin höre ich eine leise Botschaft: Das Licht bleibt. Als Spur Gottes, die uns begleitet - in allen Zeiten des Übergangs, im Leuchten des Sommers wie in den Farben des kommenden Herbstes.

Zur Autorin

Pauline Erdmann, TheologinBild: Daniel Köberle

Pauline Erdmann, geboren 1998 in Siegen und in Dillenburg aufgewachsen. Sie hat Theologie an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main studiert. Anschließend absolvierte sie ihre journalistische Ausbildung am ifp in München und volontierte beim Sankt Michaelsbund, wo sie ihre Leidenschaft fürs Radio entdeckte. Seit November ist sie Diözesanvorsitzende des BDKJ München und Freising. In ihrer Freizeit liebt sie es, Fahrrad zu fahren, schwimmen zu gehen, Freunde zu treffen und genießt dabei gutes Essen und Getränke.

Dieser Beitrag wird redaktionell von den christlichen Kirchen verantwortet.