Angeblich hat 2015 eine Frau die besten Karten für den Nobelpreis für Literatur. Darüber sind sich die Kritiker der Stockholmer Literaturszene einig. Ihre Favoritin ist schon seit Jahren im Gespräch für die Auszeichnung.
Als Sprecherin der Schwedischen Akademie wird Sara Danius am Donnerstag allen Spekulationen ein Ende setzenBild: picture-alliance/dpa/J. Ekstromer
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Sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Vom Folk-Rocker bis zur Lyrikerin, von der Romanautorin bis zum Dramatiker: Beim Literaturnobelpreis ist alles dabei.
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2025: László Krasznahorkai
Er zählte seit Jahren zu den Favoriten, 2025 war es soweit: Der gebürtige Ungar, der auch einen deutschen Pass besitzt, wurde für sein "überwältigendes und visionäres Werk" geehrt, so die Aussage der Schwedischen Akademie in Stockholm. Vielen Experten gilt László Krasznahorkai als der bedeutendste ungarische Autor der Gegenwart.
Zum ersten Mal geht der Literaturnobelpreis nach Südkorea. Die Auszeichnung für die Schriftstellerin Han Kang kam für viele überraschend, hatten im Vorfeld doch vor allem Namen wie Can Xue, Anne Carson, Salman Rushdie und Haruki Murakami als aussichtsreiche Kandidaten gegolten.
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2023: Jon Fosse
Ihn hatten 2023 wenige so richtig auf dem Schirm, obwohl er eigentlich zum Favoritenkreis zählte: Jon Fosse. Der Norweger ist einer der renommiertesten Autoren seines Landes und hat auch international eine treue Leserschaft. Der zu dem Zeitpunkt 64-Jährige lebt in der staatlichen Künstlerresidenz Grotten nahe dem Osloer Königsschloss.
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2022: Annie Ernaux
Der Nobelpreis für Literatur 2022 ging an die Französin Annie Ernaux. Die Autorin, die 1940 in der Normandie geboren wurde und in einfachen Verhältnissen aufwuchs, hat ihr Leben und ihre Herkunft in vielen ihrer Bücher autobiografisch verarbeitet. Ihr Werk kreist immer wieder um Erinnerung, soziale Herkunft, Geschlechterrollen und persönliche Erfahrungen.
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2021: Abdulrazak Gurnah
Der Überraschungsgewinner des Jahres 2021 war der tansanische Schriftsteller Abdulrazak Gurnah. Er wuchs auf Sansibar auf und floh Ende der 1960er-Jahre nach Großbritannien. Obwohl Swahili seine Muttersprache ist, verfasst er seine Werke auf Englisch. Sein Roman "Das verlorene Paradies" (Paradise, 1994) machte ihn international bekannt.
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2020: Louise Glück
Die 2023 verstorbene US-amerikanische Dichterin und Essayistin hatte vor dem Nobelpreis in ihrer Heimat bereits viele Auszeichnungen erhalten, darunter den Pulitzer-Preis, den National Book Award sowie die National Humanities Medal, die ihr 2016 von Barack Obama überreicht wurde. Zu ihren bekanntesten Werken zählen "The Triumph of Achilles" (1985) und "The Wild Iris" (1992).
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2019: Peter Handke
Der Österreicher wurde mit experimentellen Theaterstücken wie seiner "Publikumsbeschimpfung" von 1966 bekannt. Außerdem schrieb er gemeinsam mit Wim Wenders Drehbücher, darunter "Der Himmel über Berlin". Die Auszeichnung Handkes war wegen seiner Haltung zu den Jugoslawien-Kriegen umstritten. Zudem hatte er 2014 die Abschaffung des Literaturnobelpreises gefordert und ihn als "Zirkus" bezeichnet.
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2018: Olga Tokarczuk
Die polnische Schriftstellerin erhielt den Nobelpreis 2018 eigentlich erst 2019 - da die Verleihung nach allerlei Skandalen in der den Preis vergebenden Schwedischen Akademie um ein Jahr verschoben wurde. Die zweifache Gewinnerin des Nike-Preises, dem wichtigsten polnischen Literaturpreis, wurde 2010 schon für ihren Roman "Flights" ("Unrast") mit dem Man Booker International Prize geehrt.
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2017: Kazuo Ishiguro
Der in Japan geborene britische Romancier, Drehbuchautor und Verfasser von Kurzgeschichten wurde 2017 ausgezeichnet. Kazuo Ishiguros bekanntester Roman "Was vom Tage übrig blieb" ("The Remains of the Day") aus dem Jahr 1989 wurde mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle verfilmt. Ishiguros Werke beschäftigen sich mit Erinnerung, Zeit und Selbsttäuschung.
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2016: Bob Dylan
Der US-amerikanische Singer-Songwriter erhielt die Auszeichnung 2016 für seine "poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Gesangstradition" hieß es bei der Bekanntgabe des Preises. In den 1960er-Jahren begann seine Karriere als Folksänger, im Zuge der Protestbewegungen avancierte er an der Seite von Joan Baez zur Ikone der Hippie- und Bürgerrechtsbewegung in den USA.
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Die Schwedische Akademie macht es alljährlich spannend, ehe an einem Donnerstag in der ersten Oktoberhälfte der Literaturnobelpreisträger verkündet wird. Nicht nur die Kandidaten sind streng geheim, selbst der Termin wird traditionell erst in derselben Woche bekannt gegeben. In diesem Jahr steht nun seit Montag fest: Am 8. Oktober gegen 13 Uhr soll die neue Jurysprecherin Sara Danius den Preisträger der berühmten Auszeichnung bekanntgeben.
Zum ersten Mal hat die Akademie mit der Literaturkritikerin eine Frau an ihrer Spitze. Die 53-jährige Stockholmerin ist seit Juni Chefin der Schwedischen Akademie und Ständige Sekretärin des Nobelpreis-Komitees. Und schon wird in den internationalen Medien und im Internet gefragt: Heißt das auch, dass die Jury bei ihrer Wahl vielleicht in diesem Jahr mehr zu einer Frau als Preisträgerin tendiert?
Swetlana Alexijewitsch kann sich Hoffnung machenBild: picture-alliance/CTK Photo/M. Dolezal
Immerhin ist wenige Tage vor der Verkündung eine Frau der heißeste Kandidat. Swetlana Alexijewitsch soll gute Chancen habe, die Trägerin des 112. Literaturnobelpreises zu werden. Viele Experten tippen auf die 67-jährige Weißrussin, die schon seit Jahren für die Auszeichnung im Gespräch ist.
Oder sollte mal wieder ein Afrikaner an der Reihe sein? Mit dem Südafrikaner John M. Coetzee (2003) kam zuletzt vor über einem Jahrzehnt ein Preisträger von dem Kontinent. Der in den USA lebende Kenianer Ngugi Wa Thiong'o (77) gilt als chancenreichster afrikanischer Kandidat.
Auch der Japaner Haruki Murakami (66), der Amerikaner Philip Roth (82) und seine Landsmännin Joyce Carol Oates (77) stehen zum wiederholten Male auf der spekulativen Kandidatenliste. Als Geheimtipp finden sich in diesem Jahr der ungarische Schriftsteller László Krasznahorkai, Gewinner des Internationalen Man Booker-Preises, und der koreanische Lyriker Ko Un ebenso darauf.
Wer 2015 tatsächlich noch auf der Shortlist der aus 18 Schriftstellern und Wissenschaftlern zusammengesetzten Jury der Schwedischen Akademie steht, wird die Öffentlichkeit auch im Nachhinein nicht erfahren. Auch nicht die von 600 bis 700 ausgewählten Personen und Organisationen ursprünglich vorgeschlagenen Kandidaten. Wenn das Nobelpreiskomitee der Akademie seine Liste zur letzten Entscheidung vorlegt, umfasst sie noch etwa 200 Namen.
Welcher Schriftsteller wäre nicht gern wie Patrick Modiano im Dezember 2014 Mittelpunkt der Verleihungszeremonie?Bild: Jonathan Nackstrand/AFP/Getty Images
Am Ende gibt es allen Favoriten zum Trotz vielleicht wieder eine Überraschung. Wie im letzten Jahr, als mit Patrick Modiano ein außerhalb der frankofonen Welt kaum bekannter französischer Schriftsteller ausgezeichnet wurde. Das einzig verbindliche Kriterium sei, laut Sprecherin Danius, Qualität. "Es soll ein Gesamtwerk sein, nicht nur ein Buch", erklärte sie gegenüber der Deutschen Presseagentur. "Ein Lebenswerk, eine große Schöpfung. Die Themen können bekannt sein, aber es muss etwas Neues und Unerwartetes darin enthalten sein, und eine eigene Stimme." Der Wille des Stifters Alfred Nobel war es, dass der Preis jemandem zugeteilt werde, der "der Menschheit den größten Nutzen geleistet" habe. Dieser Auftrag macht die Suche nach einer würdigen Preisträgerin oder einem Preisträger Jahr für Jahr ungeheuer spannend.