Knapp ein halbes Jahr vor Beginn der Sommerspiele in Paris sind rund 40 Prozent der erwarteten Olympia-Tickets für deutsche Aktive sicher. Wir erklären, wie die Qualifikation funktioniert.
Rund 400 Sportlerinnen und Sportler werden Deutschland bei den Olympischen Spielen in Paris vertretenBild: picture alliance / dpa
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Wie viele Athletinnen und Athleten werden in Paris starten?
Bei den Olympischen Sommerspielen in der französischen Hauptstadt (26. Juli bis 11. August) werden insgesamt 10.500 Sportlerinnen und Sportler aus 206 Ländern in 32 Sportarten starten. Zum Vergleich: Bei den Spielen 2020 in Tokio, die wegen der Corona-Pandemie erst 2021 ausgetragen wurden, waren rund 11.450 Aktive in 33 Sportarten dabei. In Paris wird der Tanzsport Breaking sein olympisches Debüt feiern.
Wie viele deutsche Aktive werden in Paris antreten?
Das ist noch offen, weil die Olympia-Qualifikationen in einigen Sportarten noch bis in den Sommer laufen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erwartet nach eigenen Angaben und dem aktuellen Stand der Qualifikationen, dass bis zu 400 Sportlerinnen und Sportler aus Deutschland in Paris an den Start gehen werden. In Tokio waren 415 Deutsche dabei.
Knapp ein halbes Jahr vor Beginn der Spiele in Paris hat das "Team D", wie der DOSB die deutsche Olympiamannschaft nennt, 167 sogenannte "Quotenplätze" sicher.
Was versteht man unter Quotenplätzen?
Das Executive Board - der Vorstand des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) - gibt vor, wie viele Aktive in jeder Sportart bei den Spielen an den Start gehen dürfen. Für die Regeln, wie diese Quotenplätze in einer Sportart vergeben werden, und den Ablauf ist der jeweilige Weltfachverband zuständig, zum Beispiel in der Leichtathletik der Verband World Athletics. Die Weltfachverbände können die Quotenplätze an die Nationalen Olympische Komitees (NOK) vergeben, damit diese entscheiden, welche Sportler sie zu den Spielen schicken. Sie können aber auch Sportlerinnen oder Sportler direkt einladen, zum Beispiel, weil sie in einer Sportart Weltmeister geworden sind. Am Ende entscheiden aber immer die NOKs, wer die Olympiatickets bekommt. Die Rolle des deutschen NOK hat der DOSB.
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Nach welchen Kriterien werden die Quotenplätze verteilt?
In einigen Sportarten werden Wettkämpfe bestimmt, bei denen die Quotenplätze vergeben werden: zum, Beispiel Weltmeisterschaften, Kontinentalmeisterschaften oder auch eigene Olympia-Qualifikationsturniere. Andere Sportarten orientieren sich an ihren Weltranglisten zu einem bestimmten Zeitpunkt vor den Spielen - etwa im Tennis zum Stichtag 10. Juni.
Für alle Disziplinen müssen die Weltfachverbände zuvor Mindestleistungen definieren. So soll sichergestellt werden, dass auch wirklich die besten Athletinnen und Athleten der Welt mit am Start sind. Beispielweise hat der Leichtathletik-Verband World Athletics für den 100-Meter-Sprint eine Olympianorm von 10,00 Sekunden bei den Männern und von 11,07 Sekunden bei den Frauen vorgegeben.
Weitsprung-Star Malaika Mihambo will in Paris ihren Gold-Coup von Tokio wiederholen Bild: Aleksandra Szmigiel/REUTERS
In Einzelsport-Disziplinen dürfen maximal drei Aktive pro Land starten, damit ein internationaler Wettkampf garantiert ist. Das IOC schreibt zudem vor, dass alle 206 NOKs mindestens eine Sportlerin oder einen Sportler zu den Spielen entsenden müssen. Frankreich hat als Olympia-Gastgeber in vielen Sportarten garantierte Quotenplätze.
Wann stehen alle Olympiastartenden fest?
Die internationalen Verbände können selbst entscheiden, wann sie ihre Olympia-Qualifikation beginnen und enden lassen. So startete im Reitsport der Kampf um die Quotenplätze für Paris bereits 2022 und endete 2023. In anderen Sportarten - etwa der Leichtathletik - läuft die Qualifikation noch bis kommenden Juni. So hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) einen Olympiastart unter anderem vom Abschneiden bei der Europameisterschaft in Rom (7. bis 12. Juni) abhängig gemacht.
Dennoch sind bestimmte Fristen vor den Spielen einzuhalten: Die Qualifikationswettkämpfe müssen in allen Sportarten bis zum 23. Juni beendet sein. Bis zum 8. Juli müssen die NOKs die Aktiven ihrer Länder melden, die in Paris starten werden.
Wie wird Deutschland bei den Mannschaftssportarten vertreten sein?
Bisher ist die Bilanz in der Qualifikation durchwachsen. Die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen hat noch die Chance auf Paris, wenn sie beim Final-Four-Turnier der Nations League in Frankreich (23. bis 28. Februar) mindestens ein Spiel gewinnt. Das deutsche U21-Team der Männer wird dagegen nach dem Vorrunden-K.o. bei der Europameisterschaft 2023 beim Olympischen Turnier fehlen. Im Basketball sind die Männer durch ihren Sensationssieg bei der WM 2023 qualifiziert, die Frauen lösten bei einem Qualifikationsturnier in Brasilien im Februar erstmals das Olympia-Ticket.
Die deutschen Basketballer haben sich mit ihrem WM-Triumph 2023 auch für Paris qualifiziertBild: Tilo Wiedensohler/camera4+/IMAGO
Ebenfalls über Qualifikationsturniere führt der noch mögliche Weg der deutschen Handballer (14. bis 17. März) und Handballerinnen (11. bis 14. April). Beide Hockey-Teams haben ihre Olympia-Tickets bereits gelöst, ebenso die Volleyballer. Die Volleyballerinnen haben noch die Chance, über eine gute Ranglistenposition nach Paris zu kommen. Im Wasserball haben beide deutschen National-Teams die Olympia-Qualifikation verpasst, ebenso im Rugby.
Wie sieht es in den Einzelsportarten aus?
In den Individualsportarten können sich einige deutschen Athletinnen und Athleten bereits gezielt auf Paris vorbereiten. So haben die deutschen Reiterinnen und Reiter die maximal jeweils drei möglichen Quotenplätze in der Dressur, im Springreiten und Vielseitigkeitsreiten sicher. Die Turner haben fünf von fünf möglichen Plätzen, die Turnerinnen drei von fünf. In der Rhythmischen Sportgymnastik lautet die Bilanz sieben von sieben. Im Kanu-Rennsport sind bereits 17 von 18 möglichen Startplätzen erreicht, im Rudern 21, im Segeln neun. Noch ganz ohne Quotenplätze sind aktuell (Stand 31. Januar) die deutschen Startenden im Badminton, Boxen, Fechten, Gewichtheben, Golf, Judo und der neuen olympischen Sportart Breaking.
Der Artikel vom 31. Januar wurde am 12. Februar nach dem Basketball-Qualifikationsturnier der Frauen in Brasilien aktualisiert.
Deutschlands erfolgreichste Sommer-Olympioniken
Bei den Olympischen Spielen Gold zu gewinnen, ist der Traum vieler Sportler. Viele deutsche Athleteninnen und Athleten haben sogar mehrfach gewonnen. Wir zeigen die erfolgreichsten Medaillen-Sammler in Schwarz-Rot-Gold.
Bild: Eibner-Pressefoto/picture alliance
Carl Schuhmann - Turnen und Ringen
Der erfolgreichste Sportler der Olympischen Spiele 1896 in Athen ist ein Multitalent. Er wird Olympiasieger als Ringer im Griechisch-Römischen Stil, als Einzelturner im Pferdsprung und mit der Mannschaft an Barren und Reck. Beim Gewichtheben und in der Leichtathletik bleibt er ohne Medaille. Eine enge Beziehung zu Edelmetall hat Schuhmann auch außerhalb des Sports: Er arbeitet als Goldschmied.
Bild: ANE Edition/IMAGO
Bärbel Wöckel - Leichtathletik
Die Sprinterin gewinnt für die DDR zwischen 1976 und 1980 vier olympische Goldmedaillen: zwei im 200-Meter-Lauf und zwei in der 4x100-Meter-Staffel. Wöckel ist damit nach der Anzahl der Olympiasiege die erfolgreichste aller deutschen Leichtathletinnen und Leichtathleten. Allerdings tauchen später Belege dafür auf, dass Wöckel Teil des DDR-Zwangsdopingsystems war.
Bild: Pressefoto Baumann/IMAGO
Nicole Uphoff - Dressurreiten
Wenn Pferd und Reiterin perfekt harmonieren und eine Einheit bilden, sind sie oft unschlagbar. Bei Uphoff und ihrem Wallach Rembrandt ist das bei den Olympischen Spielen 1988 und 1992 der Fall. Sie gewinnen jeweils Gold im Einzel und mit der Mannschaft. 1996 in Atlanta verletzt sich Rembrandt im Wettkampf, und das Paar kann die Erfolgsserie nicht fortsetzen.
Bild: Sven Simon/picture alliance
Ludger Beerbaum - Springreiten
Perfekte Harmonie herrscht 1992 in Barcelona auch zwischen Ludger Beerbaum und seinem Pferd Classic Touch. Die beiden gewinnen Gold im Einzel und mit dem Team. Mit der deutschen Spring-Equipe wird Beerbaum auch 1988, 1996 und 2000 Olympiasieger. Ein weiteres Teamgold wird 2004 nachträglich aberkannt, weil im Blut von Beerbaums Pferd Goldfever ein unerlaubtes Medikament gefunden wird.
Bild: Carsten Rehder/dpa/picture alliance
Kathrin Boron - Rudern
Noch mehr Medaillen als auf dem Pferderücken gewinnen Deutschlands Olympia-Athletinnen und -athleten auf dem Wasser. Kathrin Boron (2.v.r.) ist mit vier Olympiasiegen die erfolgreichste deutsche Ruderin bei Olympischen Spielen. Von 1992 bis 2004 gewinnt sie viermal in Folge Gold, immer abwechselnd im Doppelzweier und Doppelvierer.
Bild: Kosecki/IMAGO
Katrin Wagner-Augustin - Kanu
Die Kanutin gewinnt zwischen 2000 und 2008 bei drei aufeinander folgenden Olympischen Spielen vier Goldmedaillen, eine im Kajak-Zweier (2000) und drei im Kajak-Vierer (2000, 2004, 2008). Bei drei ihrer vier Olympiasiege sitzt auch Deutschlands erfolgreichste Olympionikin Birgit Fischer mit im Boot.
Bild: Stefan Matzke/sampics/picture alliance
Kornelia Ender - Schwimmen
Die DDR-Schwimmerin erringt ihre vier Olympiasiege als 17-Jährige bei den Spielen 1976 in Montreal. Zwei Goldmedaillen gewinnt sie innerhalb von nur 25 Minuten. Anders als viele Teamkollegen gibt Ender nach der Karriere zu, dass sie bei vielen Rennen gedopt war. Ihre Laufbahn endet 1977, als sie sich weigert, weiter anabole Steroide einzunehmen. Danach darf sie nicht mehr für die DDR starten.
Bild: Werner Schulze/IMAGO
Roland Matthes - Schwimmen
Der beste Rückenschwimmer seiner Zeit ist von 1978 bis 1982 Kornelia Enders Ehemann. Auch er ist vierfacher Olympiasieger, gewinnt seine Goldmedaillen für die DDR allerdings 1968 in Mexiko-City und 1972 in München. Wegen seines eleganten Stils, wird er "Schwimm-Mozart" genannt. Er bleibt zwischen 1967 und 1974 sieben Jahre lang ungeschlagen. Mit Doping, so Matthes, sei er nie in Kontakt gekommen.
Bild: Pressefoto Baumann/IMAGO
Hans Günter Winkler - Springreiten
Deutschlands erfolgreichster Springreiter ist fünffacher Olympiasieger. Er holt von 1956 bis 1972 viermal Teamgold und siegt 1956 in Stockholm außerdem in der Einzelwertung. Mit seinem Goldritt auf "Wunderstute" Halla wird er damals berühmt: Winkler sitzt trotz eines gerissenen Muskels im Sattel und hat große Schmerzen. Halla - so die Legende - trägt ihn über die Hindernisse zum Olympiasieg.
Bild: dpa/picture alliance
Kristin Otto - Schwimmen
Die vielseitige Schwimmerin holt ihre sechs Goldmedaillen für die DDR allesamt bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul: in Freistil-, Rücken-, Schmetterling- und Lagen-Rennen. Es gibt Hinweise, dass Otto Teil des DDR-Zwangsdopings war. Die heutige Fernseh-Sportjournalistin bestreitet jedoch nach wie vor, je wissentlich gedopt zu haben.
Bild: Rauchensteiner/Augenklick/picture alliance
Reiner Klimke - Dressurreiten
Zwischen 1964 und 1988 bejubelt Reiner Klimke sechsmal olympisches Gold, fünfmal gewinnt er dabei mit der deutschen Mannschaft. 1984 in Los Angeles kommt neben dem Olympiasieg mit dem Team auch der im Einzel hinzu. Damals reitet Klimke auf Ahlerich, seinem erfolgreichsten Pferd.
Bild: UPI/dpa/picture alliance
Birgit Fischer - Kanu
Zwischen 1980 und 2004 gewinnt die Ausnahmekanutin acht olympische Goldmedaillen, die ersten drei noch im Trikot der DDR. Dazu kommt insgesamt viermal olympisches Silber. Am erfolgreichsten ist Fischer im Kajak-Vierer. In ihrem Paradeboot wird sie viermal Olympiasiegerin.
Bild: Kosecki/IMAGO
Isabell Werth - Dressurreiten
Sie ist die erfolgreichste deutsche Olympia-Sportlerin. Die Dressurreiterin erlebt 2024 in Paris ihre siebten Spiele und feiert dort mit dem Team ihren achten Olympiasieg. 1996 in Atlanta holt sie auf Gigolo Doppelgold im Einzel und mit dem Team. In Barcelona (1992), Sydney (2000), Peking (2008), Rio (2016), Tokio (2021) und Paris (2024) gibt es neben Team-Gold im Einzel Silber für Werth.