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Politik

Wer kennt schon die UN-Entwicklungsziele?

10. März 2017

Keine Armut, kein Hunger, nachhaltiger Konsum: Bis 2030 sollen die UN-Entwicklungsziele weltweit umgesetzt werden. Doch die Agenda ist sperrig: 17 Ziele und 169 Unterziele sind nicht einfach zu vermitteln.

UN 17 Nachhaltige Entwicklungsziele
Bild: United Nations

"Bis Ende 2018 sollen mindestens zwei Milliarden Menschen die nachhaltigen Entwicklungsziele kennen, damit sie selber aktiv werden können". Das ist ambitioniert, gibt Xavier Longan zu.

Der Europachef der SDG Action Campaign der UN weiß: Das Wissen über den Aktionsplan für den Planeten, den die UN-Staaten 2015 verabschiedet haben, ist noch begrenzt. Mehr Nachhaltigkeit, Frieden und Wohlstand für alle können aber nur erreicht werden, wenn auch alle die Agenda mittragen.

Schon der Name ist eher umständlich: "SDGs" steht für Sustainable Development Goals - nachhaltige Entwicklungsziele - das klingt nicht besonders griffig.

Immerhin sind die Logos für die SDG-Kampagne schön bunt: Ein Rad mit farbenfrohen Speichen und bunte Quadrate mit Symbolen für die einzelnen Ziele. In Bonn sieht man sie derzeit auf Fahnen, die schon zum Stadtbild gehören. Wer Passanten fragt, was ihnen zu den SDGs einfällt, bekommt immerhin ein paar Antworten, die in die richtige Richtung gehen: "Irgendwas mit Umwelt" oder "Gegen Armut". 

Das farbenfrohe Logo der Nachhaltigen Entwicklungsziele Bild: United Nations

Bei einer Umfrage der OECD in ausgewählten Ländern gaben 2016 rund ein Viertel der Befragten an, etwas über die SDGs zu wissen. In Kenia und Nigeria waren es über 30 Prozent, in Indien sogar mehr als 40 Prozent. 

Umfassende globale Umfragen aus allen Ländern gibt es noch nicht.

Klar ist - alle der 17 Ziele und 169 Unterziele der Agenda 2030 kennt kaum jemand genau. Darum startet am 1. März eine neue globale Kampagne zur Vermittlung der SDGs. 

Schwer zu vermitteln

Die Agenda 2030 ist die neue Grundlage für alle Bereiche der UN - und entsprechend komplex.

"Als gesamte Agenda sind die Entwicklungsziele natürlich schwer zu vermitteln - so viele verschiedene Ziele, die alle zusammenhängen, und sich gegenseitig beeinflussen", sagt Felix Zimmermann, Koordinator des Netzwerks Entwicklungskommunikation bei der OECD in Paris. 

"Aber über konkrete Inhalte kann man sehr gut sprechen - etwa über Armutsbekämpfung, Bildung oder Arbeitsplätze, denn damit kann jeder etwas anfangen."

So setzt etwa die SDG-Kampagne auf Menschen, die solche Inhalte sichtbar machen können und etwa auf Facebook erzählen, warum sauberes Wasser so wichtig ist oder auch Mädchen in die Schule gehen sollen. 

Millionen Menschen haben kein sauberes Trinkwasser. Zugang zu Wasser und guter sanitärer Versorgung ist eines der nachhaltigen EntwicklungszieleBild: DW/J. Sehgal

Jugendoffensive mit Youtube und den Schlümpfen

Besonders wichtig ist es, junge Menschen zu erreichen, auch im Schulunterricht. In Frankreich, zum Beispiel, soll die Cartoonfigur Eric Schülern die nachhaltigen Ziele näher bringen. In Schweden ist ein populärer Youtube-Star jetzt Jugend-Botschafter für die SDGs. Und UNICEF hat seit kurzem die Schlümpfe als Werbeträger. In kurzen Videos können Kinder spielerisch lernen, worum es geht. 

Xavier Longan ist optimistisch: "Die SDGs sind schon jetzt, nach etwas mehr als einem Jahr, bekannter als ihre Vorläufer, die MDGs (Millennium Development Goals), es waren."

Das läge auch daran, glaubt Longan, dass die SDGs nicht hinter verschlossenen Türen, sondern in einem transparenten Verfahren erarbeitet wurden. Außer Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und weltweiten Experten haben auch mehr als 10 Millionen Bürger ihre Meinung eingebracht, unter anderem über Online-Plattformen wie myworld2030.org.  

Grassroots und Innovation

Auch jetzt setzt die Kampagne auf lokale Partner und NGOs, um die Ziele zu vermitteln, so Longan. Die SDG Action Campaign stellt dazu kostenlos Materialien zur Verfügung, darunter Fotos sowie Virtual-Reality-Filme. Und bei einer Internationalen Konferenz in Bonn wird jetzt eine interaktive SDG-Spiele-App getestet.

Bis Ende 2018 sollen weltweit 700.000 freiwillige SDG-Aktivisten gewonnen werden, die in ihren Dörfern, Unis oder Vereinen für die globalen Ziele eintreten.

​Vom Bonner Zentrum der UN SDG Action Campaign aus werden Aktivisten in aller Welt unterstützt​Bild: Photothek/Ina Fassbender

"Die Ziele bekannter zu machen, ist nur ein erster Schritt - vor allem geht es ja darum, dass die Ziele auch praktisch umgesetzt werden", so Felix Zimmermann von der OECD. Und für die praktische Umsetzung der universellen Agenda sei eben jeder gefragt, Regierungen, NGOs, Unternehmen und ganz normale Bürger.

Wie erreicht man Globalisierungsgegner?

Viele Länder haben schon begonnen, die UN-Agenda in nationale Politik umzusetzen - so wurde die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie zum Beispiel entsprechend verändert. Doch auch die Herausforderungen wachsen. 

Das Vertrauen von Bürgern in Regierungen und öffentliche Institutionen nimmt ab, das zeigen zum Beispiel Umfragen aus EU-Ländern. Dazu kommt eine wachsende Skepsis gegen Globalisierung, und nationalistische Bewegungen in immer mehr Ländern. 

"Das Problem ist, dass Leute in den internationalen Institutionen oft nur mit Kollegen sprechen, wir bleiben in der Blase. So hat man keinen Überblick, was die Leute draußen wirklich denken", sagt Zimmermann. "Wie erreichen wir zum Beispiel Globalisierungsgegner? Darauf haben wir noch keine Antwort." 

Anke Rasper Anke ist koordinierende Redakteurin, Autorin und Moderatorin in der DW Umweltredaktion.
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