Wer profitiert wie vom neuen EU-Handelsdeal mit Australien?
24. März 2026
Nach fast einem Jahrzehnt von Verhandlungen mit vielen Unterbrechungen hat das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Australien endlich die Ziellinie erreicht.
"Früher herrschte in Australien Europhobie - jetzt haben wir zumindest ein bisschen Eurovision", sagt Tim Harcourt von der University of Technology Sydney gegenüber der DW.
Noch 2023 scheiterten die Gespräche auf den letzten Metern, nachdem sie durch den heftigen Widerstand australischer Landwirte gegen Rindfleischquoten zum Scheitern gebracht worden waren.
Was hat sich also geändert? Nicht so sehr das Kleingedruckte des Abkommens, sagen Experten, sondern der zunehmende Druck.
Neue Abkommen in einer neuen Handelsordnung
Steigende Zölle aus den USA haben sowohl australische Fleischexporteure als auch europäische Autohersteller unter Druck gesetzt. Gleichzeitig hat Chinas Bereitschaft, den Zugang zu kritischen Mineralien als Druckmittel einzusetzen, Europa dazu gezwungen, sich um die Versorgungssicherheit kritischer Rohstoffe zu kümmern. Vor diesem Hintergrund bietet das Abkommen beiden Seiten etwas Seltenes: Erleichterung - und Sicherheit.
"Heutzutage steht viel mehr auf dem Spiel", sagt Evgeny Postnikov von der Universität Melbourne gegenüber der DW. "Es ist nicht mehr die Zeit, wichtige Abkommen bestimmten innenpolitischen Interessen zu opfern."
EU-Handelskommissar Maros Sefcovic, der gemeinsam mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach Canberra gereist war, schlug ähnliche Töne an: "Wir senden ein starkes Signal, dass wir niedrige Zölle - oder in diesem Fall gar keine Zölle - bevorzugen und dass wir eine regelbasierte Zusammenarbeit wollen."
Das Abkommen zwischen der EU und Australien ist zudem Teil einer umfassenderen Initiative. Brüssel hat in diesem Jahr eine ganze Reihe wichtiger Handelsabkommen abgeschlossen, unter anderem mit dem Mercosur, einem Zusammenschluss südamerikanischer Länder, und mit Indien.
Zwischen den Fronten
Australien mag unter den Handelspartnern der EU nur auf Platz 20 rangieren, doch sein strategischer Wert steigt rasant. Für Europa ist das Abkommen ein weiterer Schritt, um seine Abhängigkeit von den USA zu verringern und gleichzeitig die Beziehungen zu sogenannten "Mittelmächten" zu stärken. Das sind Länder, die den globalen Handelsfluss zunehmend prägen.
Australien ist zudem Mitglied des trans-pazifischen Handelsabkommen CPTPP, einem Zusammenschluss von elf Volkswirtschaften der Region, auf die rund 15 Prozent des weltweiten Handels entfallen.
"Dies ist ein sehr bedeutender Markt", sagte Holger Görg vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. "Ein Abkommen mit Australien ist praktisch ein Tor zum CPTPP-Netzwerk und bietet eine viel größere Chance für europäische Unternehmen."
Kritische Rohstoffe im Fokus
Für Brüssel liegt einer der größten Vorteile dieses Abkommens unter der Erde. Australien verfügt über die drittgrößten Reserven an Seltenen Erden weltweit und ist der weltweit größte Produzent von Lithium, einem Grundpfeiler der Batterieproduktion für Elektrofahrzeuge.
Das ist wichtiger denn je. Im vergangenen Jahr hat China seinen Zugriff auf wichtige Mineralien verschärft und damit Befürchtungen geschürt, es könne zu Versorgungsengpässen kommen. Das ist für die EU besonders problematisch, wenn sie weiter ihre grüne und digitale Transformation vorantreiben will.
"Was in den letzten zwei Jahren deutlich geworden ist, ist, dass wir uns in Bezug auf kritische Rohstoffe niemals zu sehr von anderen Partnern abhängig machen sollten", unterstreicht Görg.
Kern des Abkommens
Für Australien ist der wichtigste Pluspunkt der Zugang zu den 450 Millionen Verbrauchern der EU. "Es ist ein beeindruckendes Abkommen für die australische Seite", betont Postnikov von der Universität Melbourne. Nahezu alle EU-Zölle auf australische Agrarexporte, von Wein und Olivenöl bis hin zu den meisten Milchprodukten, werden abgeschafft.
Darüberhinaus gibt es symbolische Erfolge. Die EU wird australischen Produzenten vorerst erlauben, geschützte Bezeichnungen wie Parmesan und Feta weiter zu verwenden. Australien wird zudem das einzige Land außerhalb Italiens sein, das seinen Sekt als Prosecco kennzeichnen darf.
Rindfleisch bleibt ein Reiz-Thema
Im Rahmen des Abkommens werden sich die australischen Rindfleischquoten in den nächsten zehn Jahren mehr als verzehnfachen - von 3389 Tonnen auf 30.600 Tonnen jährlich. Das bleibt hinter den Ambitionen Canberras zurück. Brüssel hatte sich gegen australische Forderungen nach noch höheren Liefermengen hartnäckig gewehrt. Der australische Bauernverband erklärte, man sei "äußerst enttäuscht" über das Ergebnis.
Dass das Abkommens diesen innenpolitischen Gegenwind überstanden hat, ist vielleicht das deutlichste Signal von allen: In einer Weltwirtschaft, die immer stärker fragmentiert ist und in der mit immer härteren Bandagen gekämpft wird, sind strategische Handelspartnerschaften zu wichtig, um durch lokale Widerstände gestoppt zu werden.
Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert