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Musik

Wer war Wagner?

Rick Fulker
3. Juli 2013

Der berühmte Dichter, Regisseur, Dirigent, Schriftsteller und vor allem Komponist ist für viele ein Rätsel. An ihm scheiden sich die Geister - bis heute.

Die Büste des deutschen Komponisten Richard Wagner  in einer Holographie
Eine Sache der Perspektive: Richard Wagners Wesen hatte viele Seiten.Bild: picture-alliance/dpa

Über ihn sei mehr geschrieben worden, heißt es, als über irgendeinen Menschen der Geschichte außer Jesus Christus und Napoleon Bonaparte. Der Komponist Richard Wagner polarisiert immer noch. Die einen sehen in ihm den genialen Erfinder des Gesamtkunstwerks, andere lehnen ihn aufgrund seiner antisemitischen Schriften bis heute ab.

Er entstammte einer mittelständischen Leipziger Familie: Der Vater, Carl Friedrich Wagner, war ein "Polizeiaktuarius", ein Polizeischreiber; die Mutter, Johanna Rosine Wagner, geb. Pätz, eine Bäckerstochter. Der Junge mit dem Taufnamen Wilhelm Richard Wagner interessierte sich schon früh für Theater.

Wagners Wahl: Christine Wilhelmine "Minna" PlanerBild: Hulton Archive/Getty Images

Magdeburg, Riga, Paris

Anfangs wollte der Junge Dichter werden. Doch als er mit 16 Jahren eine Aufführung von Beethovens Oper "Fidelio" besuchte, änderte sich sein Berufswunsch: nun sollte es Komponist sein. Schon 1831, während des Musikstudiums, entwickelte er den Plan, eine erste Oper zu schreiben. Dazu schrieb er den Text selbst, eine Herangehensweise, die er sein Leben lang beibehalten sollte.

Bereits mit zwanzig Jahren leitete Wagner das Theater in Magdeburg. Dort verliebte er sich in die Schauspielerin Minna Planer. Sie heirateten 1836, die Ehe blieb kinderlos. Riga und Paris waren die nächsten Stationen des rastlosen, von Geldnöten und Gläubigern geplagten Komponisten. Die Wagners lebten in Paris in ärmlichen Verhältnissen, dennoch konnte er seine frühen Opern "Rienzi" und "Der fliegende Holländer" dort vollenden. In dieser Zeit begann er, sich mit den linksrevolutionären Strömungen der Zeit zu beschäftigen.

"Grundelemente des menschlichen Daseins"

1842 übersiedelte er nach Dresden und nahm die Stellung als königlich-sächsischer Hofkapellmeister an. Im Oktober kam der musikalische Durchbruch: die Uraufführung seiner Oper "Rienzi". Wagner arbeitete gleichzeitig an mehreren Werken und beschäftigte sich mit der Vision einer neuen Verschmelzung von Dichtung, Musik und Handlung zu einem "Gesamtkunstwerk". Das Ziel war nichts weniger als "die unbedingte, unmittelbare Darstellung der vollendeten menschlichen Natur.“

Seine Urenkelin Katharina Wagner hat es einmal in einem+ Interview mit der DW so ausgedrückt: "Gerade bei Wagners Werken geht es natürlich schon um Grundelemente des menschlichen Daseins und um Grundgefühle wie Eifersucht, Macht, Liebe, Hass. Das sind natürlich Dinge, die immer irgendwie aktuell sein werden, solange es die Menschheit gibt."

In Stein gemeißelt: Wagner-Denkmal in BerlinBild: cc by-sa/Eisenacher

Abgebrannt im Exil, zufrieden in Bayreuth

Im Mai 1849 beteiligte er sich am "Dresdner Maiaufstand" gegen den sächsischen König, wurde danach steckbrieflich gesucht und musste Deutschland verlassen. 1864 war der Komponist - wieder in Deutschland, verzweifelt und in finanzieller Not - dem Selbstmord nah. Zu diesem Zeitpunkt erreichte ihn ein Brief des 18-jährigen bayerischen Königs Ludwig II., der Wagner für den Rest seines Lebens förderte.

Richard und Cosima Wagner mit den Wagnerianern Franz Liszt und Heinrich von SteinBild: picture-alliance/dpa

Nach mehreren Liebschaften vor und nach dem Tod seiner Ehefrau Minna lebte Wagner in Tribschen bei Luzern zusammen mit Cosima von Bülow, Tochter von Franz Liszt und Ehefrau des Dirigenten Hans von Bülow, eines seiner Freunde und Förderer. Drei Kinder entstammten der Beziehung, bevor sie heirateten.

Im bayerischen Städtchen Bayreuth fand Wagner dann den Ort für seine Vision des Gesamtkunstwerks. Weitab des großstädtischen Kulturbetriebs - im selbst entworfenen Festspielhaus - sollte sich das Publikum ganz auf das Zusammenspiel von Musik, Handlung und Bühnenbild fokussieren können. Das geschah zum ersten Mal im August 1876 bei der Uraufführung von Wagners Vieropern-Zyklus "Der Ring des Nibelungen".

Die ersten Bayreuther Festspiele waren ein finanzielles Desaster und ein künstlerisches Fiasko, dennoch konnte Wagner die zweiten Festspiele 1882 veranstalten. Nur noch ein weiteres Werk wurde zu Lebzeiten Wagners in Bayreuth aufgeführt, sein letztes Werk, das "Bühnenweihspiel" "Parsifal". Richard Wagner starb am 13. Februar 1883 in Venedig.

Gesamtkunstwerksbau: Das Festspielhaus in BayreuthBild: DW/M.Weident

Wofür steht Wagner?

Warum fasziniert Wagner heute noch? Er gehört zu den einflussreichsten Komponisten der Geschichte. Seine spätromantische Musik ging und geht unter die Haut. Die meisten Leute reagieren entweder ablehnend oder begeistert; nur wenigen bleibt sie gleichgültig. Wagner wollte Theater und Oper revolutionieren, wurde selbst in eine politische Revolution verstrickt und identifizierte sich später mit deutschnationalen Strömungen.

War er Sozialist? Nationalsozialist? Was sagen seine umfangreichen Schriften dazu, wie sind sie zu deuten? Zu jeder These des Komponisten kann man dort auch die Antithese finden. Was sagt seine Musik aus? Enthält sie gar - wie seine Schriften - antisemitische Ansätze? Auch darüber wird heute noch gestritten.

Dirigierte 1882 den ersten "Parsifal": Der jüdische Dirigent Hermann LeviBild: picture-alliance/akg-images

Netzwerker und Multitalent

Für den Dirigenten Christian Thielemann sind solche Debatten unsinnig: "Musik kann man nicht politisieren", sagte er der DW. "Das ist das große Missverständnis zu jeder Zeit gewesen. Eine Tempowahl bei den 'Meistersingern von Nürnberg' hat mit Politik nichts zu tun. Sie müssen es um des Stücks willen machen. Wenn Sie es mit dem Hintergedanken machen, dann ist es schon schade, oder völlig falsch."

Wofür hat sich Wagner eingesetzt? Letztendlich nur für einen: für sich selbst. "Networker" und "Selbstpromoter" muss man zu den Beschreibungen des Multitalents hinzufügen, der seine Kunst einer Welt aufzwang, die sie nicht haben wollte. Heute bleibt sie ihm dankbar dafür.

(Der Artikel wurde aktualisiert)

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