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Politik

Mit Daten gegen die Dürre

1. August 2019

Der Klimawandel wird Afrika besonders hart treffen, es drohen Dürre, Hitze, Ernteausfälle. Forscher arbeiten daran, den Westen des Kontinents darauf vorzubereiten - mit deutscher Hilfe.

Wartung einer Klimastation in Vea, Nordghana
Bild: WASCAL, J. Vajen

Ein paar Metallstäbe, eine Menge Sensoren und etwas Plastik drumherum: Das sind die Zutaten, die Westafrikas Forscher im Kampf gegen den Klimawandel unterstützen sollen. Etwa 50 solcher Wetterstationen haben afrikanische Universitäten mit Unterstützung aus Deutschland seit 2010 aufgebaut - in Benin, Ghana, Togo und acht weiteren Ländern.

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, man hätte von dem Geld Bäume gepflanzt, um so die Erderwärmung zu verlangsamen? Nein, sagt die deutsche Forschungsministerin Anja Karliczek im Interview mit der DW. Sie ist zurzeit in der ghanaischen Hauptstadt Accra, wo sie dem Klimaschutz-Projekt mit dem Namen WASCAL 25 Millionen Euro an weiterer Unterstützung zugesagt hat.

Wie warm war es in Dassari?

"Wir brauchen erst einmal eine grundlegende Datenbasis, damit wir mit einer guten Forschung darauf aufsetzen können", so die CDU-Politikerin Karliczek. "Wir hatten in diesen Breitengraden nämlich bislang kaum Datenerhebungen."

Wenn ein Forscher etwa wissen möchte, welche Temperatur heute vor fünf Jahren im Nordwesten Benins herrschte, dann kann er diese Information nun in der WASCAL-Datenbank abrufen. Nahe des Städtchens Dassari war es demnach um 16 Uhr knapp 32 Grad warm, bei 60 Prozent Luftfeuchtigkeit und leichtem Wind von drei Metern pro Sekunde. Auch die Intensität der Sonnenstrahlung, die Bodenbeschaffenheit und viele weitere Parameter werden gemessen.

Aus extrem wird extremer

Nur mit diesem genauen Wissen darüber, wo genau welche klimatischen Bedingungen herrschen, könne man sich auf extremes Wetter einstellen, sagt Karliczek. "Je trockener es hier in Westafrika wird, umso mehr müssen wir mit der Forschung dafür sorgen, etwa neue Anpflanzungen möglich zu machen." WASCAL arbeitet dabei unter anderem an besseren Regenvorhersagen für die Bauern oder erforscht, wieviel mehr Wasser man benötigt, wenn sich das Klima um zwei Grad erwärmt.

Vollautomatisch übermittelt diese Messstation in Ghana ihre DatenBild: WASCAL, J. Vajen

Mit seiner relativ schwachen Wirtschaft trägt Afrika kaum zum Klimawandel bei. Doch Hitze, Dürre, Überschwemmungen, die Folgen des Klimawandels also, dürften Afrika besonders stark treffen. Denn viele afrikanische Länder, etwa in der Sahelzone, leiden schon heute unter einem extremen Klima und sind bislang nur schlecht auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet.

Klima-Doktoren im Einsatz

Zum Beispiel, wenn es um Experten geht. Teil des WASCAL-Projektes ist deshalb die Ausbildung junger Wissenschaftler. WASCAL hat dazu zehn Doktorandenprogramme und zwei Master-Studiengänge an westafrikanischen Universitäten ins Leben gerufen.

Ministerin Karliczek in GhanaBild: BMBF/W. Kley

"Wir haben bereits mehr als 250 Absolventen, die jetzt Experten sind für Klimawandel und Wasserversorgung, für angepasste Landnutzung oder für Klimawandel und Sicherheit", sagt WASCAL-Sprecher Nii Commey der DW. Diese Experten arbeiteten jetzt in ganz Westafrika daran, Politik und Wirtschaft auf den Klimawandel einzustellen.

Ausbildung statt Auswanderung

Die WASCAL-Experten genössen hohes Ansehen, sagt die deutsche Forschungsministerin Karliczek. "Die Klimaexperten, die wir ausbilden, können sehr profund insbesondere in öffentlichen Verwaltungen arbeiten." Neben der universitären Ausbildung möchte Karliczek in Zukunft auch berufliche Bildung im Bereich Klimaschutz in Westafrika fördern.

Vertrocknete Felder: Dürre in der SahelzoneBild: picture-alliance/dpa

"Die praktische Seite muss dann direkt aus der Industrie kommen, damit die jungen Leute anschlussfähig sind", so die Ministerin. "Das sind die Dinge, die wir forcieren müssen, damit die Entwicklung in Afrika schneller geht und nicht ein neuer Migrationsdruck entsteht." Sie fordert insgesamt mehr Hilfe für Afrika beim Thema Klimaschutz.

Fundamentale Kritik

Dem kann sich die klimapolitische Sprecherin der Grünen im deutschen Bundestag, Lisa Badum, nur anschließen. Allerdings: "Es reicht nicht, mit einem grünen Mäntelchen durch die Lande zu reiten, sondern wir müssen jetzt echt was tun", so Badum im Gespräch mit der DW. "Die Drastik der Klimakrise ist von der Bundesregierung nicht im Ansatz verstanden worden."

CO2-Emmissionen aus Deutschland trügen dazu bei, dass Staaten in Subsahara-Afrika aufgrund des Klimawandels Dürre und damit weniger Wirtschaftswachstum erwarteten, sagt Badum. "Deshalb müssen wir zuallererst anfangen, vor unserer eigenen Haustür zu kehren. Und der Kohleausstieg muss jetzt wirklich kommen." Damit, so Badum, würde Deutschland der Welt im Kampf gegen den Klimawandel wirklich helfen.

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