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Wettlauf der Kronzeugen

16. Juli 2012

Als Kronzeuge hofft die Deutsche Bank billiger in der Affäre um manipulierte Zinssätze wegzukommen. Sie ist damit nicht die Einzige. Aber nur die Ersten können auf mildere Urteile hoffen.

Hessen/ Das Logo der Deutschen Bank AG spiegelt sich am Dienstag (25.10.11) in den Glastuermen der Bankzentrale in Frankfurt am Main. Foto: Mario Vedder/dapd
Bild: dapd

In der Affäre um Zinsmanipulationen hofft die Deutsche Bank offenbar, mit einer Kronzeugenregelung günstiger davonzukommen. Bei der EU-Kommission, die neben anderen Behörden ermittelt, sowie in der Schweiz, habe Deutschlands größte Bank schon 2011 die Regelung beantragt und kürzlich erlangt, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner neuen Ausgabe. Die Bank hoffe auf möglichst geringe Schäden für Bilanz und Reputation, wenn sie bei den Ermittlungen helfe.

Seit Behörden in mehreren Ländern ermitteln, setzte 2011 ein Wettlauf der Banken um Immunität ein. In Brüssel etwa haben auch die UBS und Barclays Kronzeugenstatus. Nur die erste Bank, die kooperiert, genießt Immunität, zwei weitere können auf mildere Urteile hoffen. Laut einer Studie von Morgan Stanley müssen die verdächtigten Banken Strafen und Schadensersatzforderungen von insgesamt 22 Milliarden Dollar fürchten.

Welche Bank packt zuerst aus?

Einer ganzen Reihe von internationalen Großbanken - darunter auch JPMorgan, Societe Generale und HSBC - wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Londoner Interbankenzins (Libor) mit falschen Angaben zu ihren Gunsten manipuliert zu haben. Der Libor wird einmal täglich ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich die Institute untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Banken und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar. Ein Untersuchungsausschuss des Parlaments in London befasst sich derzeit mit der Aufklärung des Skandals und der Frage, wie viel die Aufseher von den Zinsmanipulationen wussten.

Als erstes Geldhaus hatte Barclays Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt. Die britische Großbank wurde von Behörden in den USA und Großbritannien zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert, die Führungsspitze musste gehen. Die Einigung schützt die Händler der Bank aber nicht vor Strafverfolgung.

iw/sc (rtr, afp, dpa)