WHO: Zahl der Masernfälle in Europa stark gesunken
11. Februar 2026
Die Zahl der gemeldeten Masern-Erkrankungen ist in Europa und Zentralasien im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter Berufung auf Daten aus 53 Ländern ihrer Europa-Region. Diese reicht von der Atlantikküste über West- und Mitteleuropa und Russland bis nach Turkmenistan. Auch in Deutschland ist die Zahl der Fälle gesunken, wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilt.
Außergewöhnlich hohe Zahlen 2024
In der gesamten WHO-Region Europa wurden knapp 34.000 Masernfälle registriert - rund 75 Prozent weniger als im Vorjahr. Der deutliche Rückgang ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation vor allem auf verstärkte Bekämpfungsmaßnahmen zurückzuführen. Zugleich habe sich das Virus zuvor in ungeimpften Bevölkerungsgruppen stark verbreitet, wodurch mehr Menschen nach einer Infektion eine Immunität entwickelt hätten. Wer einmal an Masern erkrankt war, ist in der Regel dauerhaft vor einer erneuten Ansteckung geschützt.
Allerdings relativiert die WHO den Rückgang: 2024 seien die Fallzahlen außergewöhnlich hoch gewesen. Im Vergleich zu 2023 lagen die aktuellen Zahlen aber noch immer etwa um die Hälfte niedriger.
Während Länder wie Rumänien, Kasachstan oder Aserbaidschan Rückgänge von rund 90 Prozent oder mehr verzeichneten, stiegen die Zahlen in Frankreich und den Niederlanden, allerdings auf vergleichsweise niedrigem Niveau.
Impfquote bleibt entscheidend
Gemeinsam mit dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF warnt die WHO vor anhaltenden Risiken größerer Ausbrüche. Ziel sei eine Impfquote von mindestens 95 Prozent in allen Ländern. Nur so lasse sich die Ausbreitung des hochansteckenden Virus dauerhaft stoppen.
Nach WHO-Angaben steckt eine infizierte Person im Durchschnitt bis zu 18 ungeimpfte Menschen an. Masern können schwere Komplikationen verursachen, darunter Gehirnentzündungen mit dauerhaften Nervenschäden. Die Erkrankung kann auch tödlich verlaufen.
Mehrere Länder, die laut WHO bereits als masernfrei galten, verloren diesen Status nach größeren Ausbrüchen wieder. Dazu zählen Spanien, Großbritannien und Österreich. Deutschland hatte den WHO-Status "frei von Masern" bislang nicht erreicht.
Schwankende Zahlen in Deutschland
In Deutschland schwanken die gemeldeten Masernfälle laut RKI von Jahr zu Jahr erheblich. Während der Corona-Pandemie waren sie aufgrund umfassender Infektionsschutzmaßnahmen extrem niedrig. 2024 erreichten sie mit 645 gemeldeten Fällen wieder in etwa das Niveau vor der Pandemie.
2025 wurden 232 Fälle registriert. In den ersten fünf Wochen des Jahres 2026 lagen die Zahlen unter dem Vorjahreszeitraum. Allerdings könnten noch Nachmeldungen hinzukommen, hieß es.
Die Fallzahlen, häufig im dreistelligen Bereich, hängen stark von einzelnen größeren Ausbrüchen sowie von importierten Viren ab. Dank vergleichsweise hoher Impfquoten brechen Infektionsketten in Deutschland laut RKI meist rasch wieder ab. Dennoch wird die von der WHO empfohlene Durchimpfungsrate von 95 Prozent für beide Impfungen bislang nicht erreicht.
Zweite Impfung häufig verspätet
Die von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlenen zwei Kombinationsimpfungen gegen Masern, Mumps und Röteln im Alter von 11 und 15 Monaten würden häufig zu spät verabreicht, sagte Dorothea Matysiak-Klose vom RKI-Fachgebiet Impfprävention.
Die Impfquote für die erste Masern-Impfung liege bundesweit erst bei Kindern im Alter von drei Jahren (Geburtsjahrgang 2021) über 95 Prozent. "Für die zweite MMR-Impfung wurde diese Impfquote bundesweit bisher noch nicht erreicht."
Nordamerika unter Druck
Auch außerhalb Europas bleibt die Lage angespannt. Mit Blick auf die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft bereiten der WHO steigende Infektionszahlen in Mexiko, den USA und Kanada Sorge.
Kanada, Mexiko und die USA könnten, wie zuvor andere Länder, ihren WHO-Status als masernfrei verlieren. In den USA drohe dies, wenn das Land nicht nachweisen könne, dass es Ausbrüche rasch eindämmt, warnt der US-Infektionsspezialist Demetre Daskalakis.
Von Anfang 2025 bis Mitte Januar 2026 wurden in Mexiko laut WHO mehr als 7000 Fälle gemeldet, 24 Menschen starben. In einigen Ortschaften gilt an Schulen wieder eine Maskenpflicht. In Kanada wurden bislang mehr als 5500 Erkrankungen und zwei Todesfälle registriert. In den USA sind über 2400 Menschen erkrankt, drei von ihnen starben.
pgr/wa (dpa, rtr)
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