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Politik

Omikron in 89 Ländern auf dem Vormarsch

18. Dezember 2021

Die Coronavirus-Variante Omikron verbreitet sich laut WHO weitaus schneller als Delta. Viele Länder wappnen sich, die Niederlande gar mit einem harten Lockdown.

Coronavirus - Intensivstation in Klinik
Omikron könnte in Krankenhäuser wieder zu verschärften Lagen führenBild: picture alliance/dpa

Die Infektionen mit Omikron verdoppelten sich alle 1,5 bis drei Tage, teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf mit. Bislang sei die Variante in 89 Ländern festgestellt worden. 

Die WHO warnte, dass die Krankenhäuser angesichts des raschen Anstiegs der Fälle mancherorts überfordert sein könnten. "Die Zahl der Krankenhausaufenthalte im Vereinigten Königreich und in Südafrika nimmt weiter zu und angesichts der rasch ansteigenden Fallzahlen ist es möglich, dass viele Gesundheitssysteme schnell überfordert sein könnten", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters die Weltgesundheitsorganisation.

Lauterbach spricht von massiver fünfter Welle

In Deutschland bleibt die Corona-Lage - trotz sinkender bundesweiter Sieben-Tage-Inzidenz - angespannt. Das Robert-Koch-Institut gab den Wert am Samstag mit 321,8 an - am Vortag lag er bei 331,8. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erwartet eine massive fünfte Corona-Welle durch die neue Omikron-Variante.

Bundesgesundheitsminister Lauterbach impft ein zehnjähriges Mädchen in einem Impfzentrum in HannoverBild: Rainer Droese/localpic/imago images

Das dürfte auch die Lage an den Kliniken noch einmal deutlich verschärfen, sagte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß. Wenn sich bestätige, dass Omikron sehr viel ansteckender als Delta und die Schwere der Verläufe vergleichbar seien, werde man es im schlimmsten Fall mit einer großen Zahl gleichzeitig schwer erkrankter Patienten zu tun haben, sagte Gaß. "Für die Krankenhäuser wäre dies eine weiter verschärfte Lage, die über all das hinausgeht, was wir bisher erlebt haben."

Gesundheitsminister fordern strengere Einreiseregeln

Die Gesundheitsminister der Länder fordern nun strengere Regeln für die Einreise nach Deutschland. Personen, die aus sogenannten Virusvariantengebieten kommen, sollten nur noch gegen Vorlage eines negativen PCR-Tests einreisen oder hierzulande umsteigen dürfen, heißt es in einem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz. Der Test soll bei Abflug nicht älter als 48 Stunden sein. Schnelltests würden nicht akzeptiert. Zudem baten die Ressortchefs den Bund, sich kurzfristig für eine Einstufung von Großbritannien als Virusvariantengebiet einzusetzen. Derzeit hat das Robert-Koch-Institut nur acht Länder im südlichen Afrika als Virusvariantengebiet ausgewiesen, darunter Südafrika.

Strengere Regeln: Kontrolle der Bundespolizei am Flughafen München (Archivbild)Bild: Zumapress/picture alliance

Lauterbach begrüßte den Vorstoß. "Die Einreise sicherer zu machen hilft, damit sich die Omikron-Variante nicht so schnell ausbreitet", erklärte er nach den Beratungen mit seinen Länderkollegen. "Verhindern können wir die Verbreitung nicht, nur verzögern. Je länger es dauert, bis Omikron auch Deutschland im Griff hat, umso besser."

Harter Lockdown in den Niederlanden 

In den Niederlanden kündigte Ministerpräsident Mark Rutte wegen der Omikron-Variante einen harten Lockdown an. Die Maßnahme solle ab Sonntag bis mindestens 14. Januar gelten, sagte Rutte bei einer Pressekonferenz. Der Schritt sei wegen der bevorstehenden fünften Corona-Welle unumgänglich.

Laut Angaben der Regierung in Den Haag sollen alle Schulen vom 20. Dezember an bis zum 9. Januar schließen. Nicht-lebensnotwendige Geschäfte, Bars, Restaurants, Friseure und andere öffentliche Plätze müssen ab dem 19. Dezember dicht machen. Rutte empfahl Haushalten den Besuch von maximal zwei Personen. 

Londons Bürgermeister ruft Katastrophenfall aus

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan rief wegen der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante den Katastrophenfall aus. Der Anstieg der Omikron-Fälle sei "sehr besorgniserregend", erklärte Khan. Der in Großbritannien als "major incident" bezeichnete Katastrophenfall ermöglicht den Behörden, sich gegenseitig zu unterstützen, um einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems und anderer öffentlicher Dienstleistungen zu verhindern. Khan hatte zuletzt im Januar inmitten einer heftigen Corona-Welle den Katastrophenfall ausgerufen, weil die Krankenhäuser in der britischen Hauptstadt kurz vor dem Kollaps standen.

Frankreich führt neuen Impfpass ein

In Frankreich sind Gesundheitsminister Olivier Veran zufolge sieben bis zehn Prozent der Neuinfektionen wahrscheinlich auf die Variante Omikron zurückzuführen: "Wir haben schon jetzt mehrere Krankenhaus-Hotspots der Omikron-Variante, vor allem im Großraum Paris", sagte Veran.

Die rasche Ausbreitung von Omikron sei der Grund für die Einführung eines neuen Impfpasses Anfang nächsten Jahres, der in Restaurants und bei längeren Strecken in öffentlichen Verkehrsmitteln vorgezeigt werden müsse. Derzeit reicht ein negativer Test.

Ende Januar werde in Frankreich zudem für das Pflegepersonal und die Feuerwehr eine Pflicht zur Drittimpfung gegen das Coronavirus eingeführt. Veran: "Wir wollen nicht, dass wie beispielsweise in Schottland, 25 bis 30 Prozent des Pflegepersonals nicht arbeiten können, weil sie alle Kontaktpersonen waren und deshalb in Quarantäne müssen."

Der türkische Präsident Erdogan begrüßte in Istanbul auch den äthiopischen Regierungschef Abiy AhmedBild: Emrah Yorulmaz/AA/picture alliance

Ankara will eigenen Impfstoff spenden

Die Türkei hat unterdessen afrikanischen Ländern 15 Millionen Corona-Impfdosen versprochen. Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte bei einem Türkei-Afrika-Gipfel in Istanbul die ungleiche weltweite Impfstoff-Verteilung. Es sei eine "Schande für die Menschheit, dass erst sechs Prozent der afrikanischen Bevölkerung geimpft sind", sagte der Präsident. Sobald der türkische Impfstoff Turkovac eine Notfallzulassung habe, werde die Türkei ihn mit Afrika teilen. Aus Erdogans Äußerungen ging nicht hervor, ob die Regierung bis zur Zulassung von Turkovac auch Dosen der international zugelassenen Impfstoffe an afrikanische Staaten abgeben will. Die Türkei nutzt unter anderem das mRNA-Vakzin von BioNTech und Pfizer.

nob/jj/sti (dpa, rtr, epd)

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