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Politik

WHO ruft wegen Ebola Gesundheitsnotstand aus

17. Juli 2019

Die Weltgesundheitsorganisation hat im Kampf gegen die Ebola-Epidemie im Kongo den internationalen Gesundheitsnotstand erklärt. Allerdings erwartet die WHO keine Ausweitung der Seuche über die Region hinaus.

Kongo Ebola Ausbruch
Behandlung eines Ebola-Patienten. Rechts ein Patient, der Ebola überlebt hatBild: Reuters/B. Ratner

Es sei "für die Welt an der Zeit zu handeln" und die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo zu bekämpfen, erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Weltgesundheitsorganisation folgte mit ihrer Entscheidung der Empfehlung eines Expertenrates, der in Genf beraten hatte.

Der internationale Gesundheitsnotstand bedeutet eine höhere Alarmbereitschaft sowie die Möglichkeit, schneller und verstärkt Maßnahmen ergreifen zu können, um eine Ausbreitung von Ebola zu verhindern. So können etwa schneller Finanzmittel zur Bekämpfung der Krankheit abgerufen werden. Zudem sollen zusätzliche medizinische Hilfskräfte ausgebildet und die Impfkampagne verstärkt werden. Betroffene Länder in Zentralafrika wie die Demokratische Republik Kongo sollten noch intensiver Ebolafälle identifizieren und Infizierte isolieren, hieß es weiter.

"Wir haben die Impfstoffe, wir haben die Behandlungsmöglichkeiten", sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier der DW, "aber es erfordert die Zusammenarbeit von allen Seiten, um die Situation endlich unter Kontrolle zu bekommen".

Medizinische Beratung in einem Ebola-Zentrum in GomaBild: Reuters/O. Acland

Internationaler Notstand, aber nur regionale Bedrohung

Die WHO betonte, dass sie zurzeit nicht von einer Ausweitung der lebensgefährlichen Seuche über die Region hinaus ausgeht. Es bestehe nach wie vor nur eine regionale, keine internationale Bedrohung, betonte der Vorsitzende des Experten-Ausschusses, Robert Steffen. Selbst in der betroffenen Region Zentralafrikas seien Grenzschließungen nicht notwendig. Das könne den Kampf gegen die Krankheit noch erschweren, weil Menschen dann womöglich Schleichwege benutzten und nicht die offiziellen Grenzübergänge, wo medizinisches Personal bei Passanten nach Krankheitsanzeichen Ausschau hält. Auch von Reisewarnungen sieht die WHO ab. 

Kritik von Kongos Gesundheitsminister im DW-Interview

Kongos Gesundheitsminister Oly Ilunga Kalenga äußerte sich in einem DW-Interview dann auch kritisch zur Entscheidung der  Weltgesundheitsorganisation: "Für uns wird sich vor Ort nichts ändern. Ich glaube auch nicht, dass die Entscheidung großen Einfluss auf die Mobilität der Bevölkerung und auf den Handel haben wird. Denn die WHO hat ja nicht empfohlen, die Grenzen zu schließen oder den Handel einzuschränken. Was sich vielleicht für die Bevölkerung ändern wird, ist, dass es mehr Kontrollen an den Grenzen zu den Nachbarländern geben wird."

Weiter vertrat Kalenga gegenüber der DW die Meinung, dass stattdessen Druck von Nichtregierungsorganisationen eine Rolle gespielt haben könnte: "Ich glaube, dass es leider Personen gibt, die die WHO seit Wochen, wenn nicht Monaten zu dieser Entscheidung gedrängt haben. Schon im Juni ist die WHO massiv dafür kritisiert worden, dass sie nicht den internationalen gesundheitlichen Notstand ausgerufen hat. Mehrere Länder haben die Erhöhung ihrer Beiträge an die Ausrufung eines solchen Notstands geknüpft." 

Gewalt und Aberglaube erschweren Eindämmung von Ebola

Der Kampf gegen Ebola wird im Kongo auch von der anhaltenden Gewalt rivalisierender Rebellengruppen in den Provinzen Nord-Kivu und Ituri behindert. Seit Januar registrierten die Behörden rund 200 Attacken auf Gesundheitseinrichtungen und medizinisches Personal. Zudem haben Teile der Bevölkerung ein tiefsitzendes Misstrauen gegen die moderne Medizin. Sie setzen lieber auf Jahrhunderte alte Heilmethoden.

Fast 1700 Ebola-Tote seit Mitte 2018

Die WHO ist besorgt, weil der Ebola-Ausbruch nach einem Jahr noch nicht unter Kontrolle ist. Mehr als 2500 Menschen haben sich laut der WHO seit Mitte 2018 mit dem Virus infiziert. Fast 1700 von ihnen starben. In der Millionenstadt Goma gab es am Wochenende den ersten Fall und im benachbarten Uganda sind im Juni drei Fälle bekannt geworden. In Alarmbereitschaft sind auch die anderen Nachbarländer, vor allem Südsudan, Ruanda und Burundi. Der Ebola-Ausbruch hat sich zum zweitgrößten in der Geschichte der hochansteckenden Fieberkrankheit entwickelt.

Oberste Priorität für alle Helfer - SchutzkleidungBild: Reuters/B. Ratner

Das Ebola-Virus verursacht starke innere Blutungen und führt unbehandelt meist innerhalb weniger Tage zum Tod. Erkrankte müssen streng isoliert werden, spezifische Heilmittel gibt es nicht. Eine Stärkung des Immunsystems über Flüssigkeitszufuhr, die Kontrolle anderer Krankheiten und gesunde Ernährung können die Todesrate senken. Ein Impfstoff ist noch nicht allgemein zugelassen, er wird im Kongo und in Uganda aber schon bei medizinischem Personal und Kontaktpersonen von Erkrankten eingesetzt.

Erst zum fünften Mal von der WHO veranlasst: Weltweiter Gesundheitsnotstand

Die Verhängung des weltweiten Gesundheitsnotstands ist eine außergewöhnliche Maßnahme, die die WHO bislang erst vier Mal ergriff: 2009 wegen der H1N1-Grippe, 2014 einmal wegen der Kinderlähmung und zum anderen wegen der Ebola-Epidemie in den westafrikanischen Ländern Liberia, Guinea und Sierra Leone sowie 2016 wegen des Zika-Virus in Lateinamerika.

sti/qu/bru (dpa, afp, epd)

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