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Ebola-Ausbruch: WHO-Chef fordert Waffenstillstand im Kongo

Veröffentlicht 29. Mai 2026Zuletzt aktualisiert 29. Mai 2026

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo erschweren bewaffnete Konflikte die Bekämpfung des Ebola-Virus. Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe.

Demokratische Republik Kongo Kinshasa 2026 | WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Flughafen
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bei der Ankunft in Kinshasa (am Donnerstag)Bild: Samy Ntumba Shambuyi/AP Photo/picture alliance

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dringt angesichts des Ausbruchs der gefährlichen Krankheit Ebola im Osten der Demokratischen Republik Kongo auf einen sofortigen Waffenstillstand. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bezeichnete die anhaltenden Kämpfe in der Region als das größte Hindernis bei der Eindämmung der Krankheit. Bei seinem Besuch in der Provinz Ituri, dem Zentrum des aktuellen Ausbruchs, warnte er, dass Gewalt und Unsicherheit die medizinische Versorgung massiv behinderten und damit Menschenleben gefährdeten.

Nach seiner Ankunft in der Provinzhauptstadt Bunia rief Tedros die Konfliktparteien dazu auf, die Waffen zumindest vorübergehend schweigen zu lassen. "Wir können nicht helfen, solange Helfer um ihre Sicherheit und ihr Leben fürchten müssen", erklärte er in einem von der WHO veröffentlichten Brief an die Bevölkerung des Landes. "Ein Waffenstillstand, selbst ein kurzer, würde Leben retten."

Ebola-Ausbruch trifft auf unsichere Sicherheitslage

Die Sicherheitslage in der Region hat sich in den vergangenen Wochen weiter verschlechtert. Nach Angaben der WHO wurden allein im vergangenen Monat durch Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellengruppen rund 100.000 Menschen vertrieben. "Das macht es sehr schwierig, den Ausbruch einzudämmen", sagte Tedros in einer auf der Plattform X verbreiteten Stellungnahme. Viele Betroffene seien auf der Flucht und damit für Gesundheitsbehörden kaum erreichbar.

An der Grenze zwischen Uganda und der DR Kongo werden Passanten auf ihre Körpertemperatur überprüftBild: Badru Katumba/AFP

Besonders problematisch ist, dass der aktuelle Ausbruch durch die seltene Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht wird. Gegen diesen Virusstamm gibt es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Behandlung. Nach Angaben der WHO kann die Ausbreitung deshalb derzeit nur durch konsequente Isolierung von Infizierten und ihren Kontaktpersonen gestoppt werden. Kontaktpersonen müssten sich für mindestens drei Wochen isolieren. In den von Kämpfen geprägten Gebieten sei dies jedoch oft kaum möglich.

Zusätzlich erhöht die Bevölkerungsdichte in den Bergbauregionen Ituris das Risiko weiterer Ansteckungen. Die WHO arbeitet nach Angaben ihres Generaldirektors gemeinsam mit Partnern daran, klinische Studien zu möglichen Impfstoffen und Therapien zu beschleunigen. Die wissenschaftlichen Beratungsgremien der Organisation haben bereits Studien zu mehreren vielversprechenden Produkten empfohlen, die möglicherweise gegen den Bundibugyo-Stamm wirksam sein könnten.

Die WHO will dabei eng mit den Behörden der Demokratischen Republik Kongo sowie des Nachbarlandes Uganda zusammenarbeiten. Bis mögliche Behandlungen verfügbar seien, würden allerdings noch mehrere Monate vergehen.

WHO-Chef zeigt sich zuversichtlich

Trotz der schwierigen Lage zeigte sich Tedros grundsätzlich optimistisch. Bei seiner Ankunft in Kinshasa erklärte er vor Journalisten, der Ausbruch könne "gestoppt werden". Bereits zuvor hatte er an die Bevölkerung des Landes appelliert: "Gemeinsam werden wir diesen Ausbruch überwinden." Zugleich versprach er, "alles in meiner Macht Stehende zu tun, um Ihnen zu helfen".

An diesem Mittwoch meldete die WHO den ersten Genesungsfall nach einer bestätigten Ebola-Infektion in der Demokratischen Republik Kongo. Die Behörden im Kongo hätten mitgeteilt, dass ein Patient genesen sei und das Krankenhaus verlassen habe, sagte die WHO-Spezialistin Anaïs Legand vor Reportern. Es handele sich um die erste Person, die seit Beginn der Epidemie nach zwei negativen Tests aus einem Behandlungszentrum nach Hause geschickt worden sei.

Das Rote Kreuz desinfiziert das Haus eines Ebola-Verdachtsfalls in Uganda (am Dienstag)Bild: Badru Katumba/AFP

Kritisch äußerte sich der WHO-Chef zu Reisebeschränkungen als Mittel der Seuchenbekämpfung. Die WHO unterstütze keine Reiseverbote, da diese "nicht viel bringen". Hintergrund sind unter anderem Einreisebeschränkungen der USA für Menschen aus den betroffenen Ländern. Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat die Europäischen Union zu strengeren Grenzkontrollen aufgefordert, teilte die Regierung in Rom mit.

Fast 1000 bekannte Verdachtsfälle im Kongo

Die WHO geht derzeit von einem deutlich größeren Ausmaß des Ausbruchs aus, als bislang bestätigt werden konnte. In ​der Demokratischen Republik Kongo gibt es nach Angaben der WHO inzwischen 906 bekannte Ebola-Verdachtsfälle. Darunter seien 223 mutmaßliche Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus, die derzeit untersucht würden, teilte die WHO mit.

Bislang gibt ⁠es ⁠nach WHO-Angaben 125 bestätigte Ebola-Fälle im Kongo, darunter 17 Todesfälle in den östlichen Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. Zudem seien neun bestätigte Ebola-Fälle in ​Uganda aufgetreten, von denen drei aus dem Kongo eingeschleppt worden seien. Ein Todesfall sei registriert worden, erklärte das Gesundheitsministerium in Uganda.

Ebola verschärft bestehende Notlage

Parallel zur Gesundheitskrise verschärft sich die ohnehin angespannte humanitäre Lage im Osten des Landes. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF teilte mit, dass 100 Tonnen Hilfsgüter aus der Europäischen Union in Bunia eingetroffen seien. Die Lieferung umfasst Schutzausrüstung für medizinisches Personal, Medikamente sowie Hygieneartikel und soll etwa 100.000 Menschen zugutekommen.

Hilfsorganisationen warnen jedoch, dass die Unterstützung vielerorts nicht mehr ausreicht. Die Welthungerhilfe spricht von der Gefahr einer humanitären Katastrophe in den Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. Dort seien bereits rund zehn Millionen Menschen von bewaffneten Konflikten, Vertreibung und stark eingeschränktem Zugang zu humanitärer Hilfe betroffen.

DR Kongo: Alltag wegen Ebola stark eingeschränkt

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"Die Menschen im Osten des Kongos kommen seit Jahren nicht zur Ruhe - erst Hunger, Krieg und Vertreibung, und nun auch noch Ebola", sagte Ursula Langkamp, Landesdirektorin der Welthungerhilfe in der Demokratischen Republik Kongo. "Durch den gefährlichen Ebola-Ausbruch eskaliert die Lage."

WHO appelliert an Geberländer

Nach Angaben der Organisation erreichen Hilfslieferungen inzwischen manche Konfliktgebiete überhaupt nicht mehr. Zudem belasten steigende Preise für Lebensmittel und Transport sowie geschlossene Grenzen die Bevölkerung zusätzlich. Auch die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs wirkten sich auf die Region aus. "Wenn gleichzeitig Hilfsgelder gekürzt werden, Preise für Lebensmittel und Transport massiv steigen und Grenzen geschlossen werden, geraten immer mehr Menschenleben in Gefahr", warnte Langkamp.

WHO-Hilfslieferungen werden in Kenia in ein Flugzeug in Richtung DR Kongo geladen (20.05.2026)Bild: Andrew Kasuku/AP Photo/picture alliance

Vor diesem Hintergrund appellierte WHO-Chef Tedros an die internationale Gemeinschaft, ihre finanzielle Unterstützung deutlich auszuweiten. Nur so könne sichergestellt werden, dass das Gesundheitspersonal vor Ort mit den notwendigen Hilfsgütern ausgestattet werde und der Ebola-Ausbruch unter Kontrolle gebracht werden könne.

pgr/seAR (kna, afp, dpa)

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