Wie Äthiopien und die VAE den Bürgerkrieg im Sudan befeuern
18. Februar 2026
Einem Bericht von Reuters zufolge beherbergt Äthiopien ein geheimes Lager, in dem Tausende von Kämpfern für die paramilitärische Gruppe Rapid Support Forces (RSF) im benachbarten Sudan ausgebildet werden. Der Bericht ist der erste direkte Beweis dafür, dass Äthiopien tatsächlich in den Sudan-Konflikt verwickelt ist und die RSF, die seit 2023 gegen die sudanesischen Regierungstruppen kämpft, mit zahlreichen Soldaten versorgt und ausbildet. Reuters stützte sich bei seinen Angaben unter anderem auf die Auswertung von Satellitenfotos und auf diplomatische Quellen.
Demnach wurde der Bau des Lagers von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) finanziert, die auch Militärausbilder und logistische Unterstützung für den Standort bereitstellten. Die Nachrichtenagentur konnte die Beteiligung der VAE jedoch nicht unabhängig überprüfen. Als die Agentur um eine Stellungnahme bat, antworteten die VAE, dass sie nicht in den Konflikt verwickelt seien.
VAE "Hauptverantwortliche" im Sudan
Eigene Experteninterviews der DW decken sich mit den Ergebnissen der Reuters-Recherchen. "Die Rapid Support Forces haben Berichten zufolge vor zwei Monaten ein Lager im Westen Äthiopiens aufgeschlagen", sagt Abdurahman Seid, geopolitischer Analyst für das Horn von Afrika, der DW. Die sudanesische Regierung wirft ausländischen Mächten seit Langem vor, die RSF zu unterstützen.
Martin Plaut, Journalist und Experte für das Horn von Afrika, sagt im DW-Gespräch, es habe im Vorfeld viele Anzeichen dafür gegeben, dass sich die Dinge in diese Richtung bewegen würden. "Es ist völlig klar, dass die VAE jetzt die Hauptverantwortlichen für das Geschehen sind", sagt Plaut zu den jüngsten Entwicklungen - und fügt hinzu, die Emirate hätten sich nie darauf eingelassen, wenn Äthiopien jemals gegen ihre Interessen gewesen wäre.
Kein Ende des Bürgerkriegs im Sudan in Sicht
Plaut ist der Ansicht, es brauche ein "Wunder", um den anhaltenden Konflikt im Sudan zu beenden: "Es wird für beide Seiten äußerst schwierig sein, der anderen Seite eine entscheidende Niederlage zuzufügen. Denn die RSF wird von den VAE sowie von Teilen Libyens, des Tschad und Äthiopiens unterstützt." Sie verfüge über eine gute Basis und ausreichende Mittel.
"Andererseits wird das sudanesische Militär von Ägypten, Saudi-Arabien und von Somalia unterstützt", fuhr er fort und betonte, dass keiner Seite die Ausrüstung, das Geld oder das Personal ausgehen werde. "Ich sehe also kein Ende des Konflikts." Auch für die Menschen vor Ort sind die Dimensionen gewaltig: Amza Hussein, ein 54-jähriger sudanesischer Flüchtling, sagt, er habe schon andere Kriege im Sudan miterlebt, aber dieser sei nicht zu stoppen. "Es kämpfen zu viele Rebellen."
Im Jahr 2024 nahm Äthiopien mehr als 50 000 sudanesische Flüchtlinge auf, während es selbst in einer schwierigen Lage steckte: Infolge von Konflikten in den Regionen Tigray, Amhara und Oromia wurden 3,5 Millionen Äthiopier aus ihrer Heimat vertrieben, die Versorgung mit Nahrungsmitteln bleibt ein massives Problem.
Sudans humanitäre Krise
Bereits im vergangenen Jahr durchlebten die Menschen im in Darfur gelegenen Al-Faschir, der zweitgrößten Stadt des Sudan, nach 18 Monaten der Belagerung durch die RSF eine Hungersnot - das erklärte die globale Initiative zur Integrierten Klassifizierung anhand von Ernährungssicherheitsphasen (Integrated Food Security Phase Classification, IPC). Anfang Februar meldete die IPC, dass die akute Unterernährung in zwei weiteren Städten in Darfur das schlimmste Niveau auf der Skala, das Niveau einer Hungersnot, erreicht haben.
Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) sind in dem fast drei Jahre andauernden Krieg schon mehr als 40.000 Menschen ums Leben gekommen, schätzungsweise 14 Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den anhaltenden Konflikt im Sudan als "die schlimmste gesundheitliche und humanitäre Krise der Welt" bezeichnet. Mehr als 20 Millionen Menschen benötigen medizinische Hilfe, und mehr als 21 Millionen Menschen sind dringend auf Nahrungsmittel angewiesen.
Die WHO erklärte außerdem, dass in diesem Jahr geschätzte 33,7 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen werden. Schwerwiegende Zugangsbeschränkungen und reduzierte humanitäre Mittel haben die Lage im Sudan weiter verschlechtert.
Die Gesundheitsversorgung im ganzen Land ist durch die anhaltenden Kämpfe und Angriffe stark beeinträchtigt, so dass es an medizinischem Personal und lebenswichtigen medizinischen Gütern mangelt. Die WHO berichtete, dass seit April 2023 201 Angriffe auf das Gesundheitswesen stattgefunden haben, bei denen 1.858 Menschen getötet und 490 verletzt wurden.