Wie Chinas Autobauer Lateinamerika erobern
20. August 2026
Auf dem Hafengelände in Montevideo wird es eng. "Der Auto-Umschlag ist überlastet", sagte Mónica Ageitos von der Hafenverwaltung dem Nachrichtenportal Ambito. Nun suchen die Hafen-Manager nach neuen Flächen.
Der Grund: Immer mehr Autos aus China landen in der Hauptstadt von Uruguay an. Von dort geht ein Großteil der Autos auf den brasilianischen Markt. Das Beispiel zeigt: Von überall her drängen die chinesischen Fahrzeuge nach Brasilien. Und das hat Konsequenzen.
Jedes vierte verkaufte Auto kommt aus China
Chinesische Automarken haben in der ersten Augusthälfte "einen Marktanteil von über 25 Prozent des Gesamtvolumens erreicht", berichtet Bright Consulting, ein spezialisiertes Beratungsunternehmen für die Automobilbranche mit Sitz in Campinas im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo. Das ist nach den 23,2 Prozent im Juli ein neuer Rekord.
"Traditionelle Käufer von Gebrauchtwagen wechseln zunehmend zu chinesischen Neuwagen", heißt es in der Analyse. Folgerichtig steigen die Zulassungen von Neuwagen, während der Markt für Gebrauchtwagen unter Druck gerät.
Besonders deutlich wird das in der Tabelle der verkauften Modelle. Hier schaffte es der chinesische Konzern BYD mit den Modellen Dolphin (3461 verkaufte Wagen) und Dolphin Mini (3221) in der ersten Augusthälfte gleich zweimal in die Top Fünf. Ganz vorne bleiben (noch) der FIAT Strada (5441), der Hyundai Creta (3761) und der VW Polo (3548). Insbesondere BYD holt im Vergleich zu den Platzhirschen immer mehr auf.
Chinesen übernehmen alte Fabriken
Wo es Gewinner gibt, sind auch Verlierer. So berichtet das Fachportal Quatro rodas, stillgelegte oder perspektivlose Werke von Ford, Mercedes Benz oder Renault gerieten in den Fokus von chinesischen Unternehmen. "Angesichts der vorhandenen Infrastruktur sind das gute Investitionen", sagt Ricardo Bastos, Vorsitzender des brasilianischen Verbands für Elektrofahrzeuge (ABVE) dem Auto-Magazin. Die Käufer könnten viel schneller mit der Produktion beginnen.
Die Verkaufserfolge der Chinesen seien das Ergebnis einer langen Strategie, erklärt der brasilianische Wirtschaftswissenschaftler Paulo Gala von der Hochschule Fundação Getulio Vargas im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Die Chinesen haben viel in Exportkorridore investiert, sie helfen beim Bau der transozeanischen Autobahn, bei Eisenbahnstrecken und Verbindungen zu den Häfen." Dazu passt die Ankündigung von BYD, bis zu 500 Millionen Real (rund 83 Mio. Euro) in die Batteriefertigung in Brasilien investieren zu wollen.
Über den Kontinent verstreut hat sich China in die Infrastruktur eingekauft. So soll der vor einem Jahr in Betrieb gegangene Mega-Hafen Chancay in Peru die Handelsverbindungen zu Brasilien stärken und einen Pazifik-Zugang sichern. "Der Fokus Pekings liegt auf dem Zugang zu den Rohstoffen einerseits und andererseits darauf, chinesische Industrieprodukte in Brasilien und Lateinamerika zu verkaufen", sagt Gala.
Verlierer sind die US-Amerikaner und die Europäer
Brasilien gehöre zu den zehn größten Verbrauchermärkten der Welt. Daher sei es für China sehr sinnvoll, in Brasilien Fuß zu fassen. "Die großen Verlierer dieser Geschichte sind die multinationalen europäischen und amerikanischen Automobilhersteller", so Gala.
Bei der Konkurrenz wächst der Unmut. Igor Calvet, Vorsitzender des Nationalen Verbandes der Kraftfahrzeughersteller (Anfavea), kritisierte die Verlängerung der Steuerbefreiung für teilweise zerlegte Elektroautos bis Januar 2027. Dies schaffe ein Szenario des "ungleichen Wettbewerbs".
Automobilhersteller, die bereits seit längerer Zeit über eine Infrastruktur in Brasilien verfügen, seien gegenüber den chinesischen Marken im Nachteil. "Wenn es nur um den Import geht, tut das Unternehmen dies zu chinesischen Kosten, mit günstigeren Logistik- und Kapitalkosten", sagte Calvet. Damit könne man nicht konkurrieren
Mitarbeit: Ramona Samuel (Rio de Janeiro)