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Wie der Iran-Krieg in den USA aufgenommen wird

6. März 2026

Der Iran-Krieg lässt auch in Amerika die Preise steigen und treibt einen Keil in das MAGA-Lager. Noch dazu hat Präsident Trump die Entscheidung am Kongress vorbei getroffen - und das im Jahr der Midterm-Wahlen.

USA Washington 2026 | Proteste gegen US-israelische Luftangriffe auf Iran
Die erste Aktion des "Friedens-Aufsichtsrats" seien Bomben auf Iran, heißt es auf diesem Protestplakat in Washington, D.C.Bild: Gent Shkullaku/Matrix Images/picture alliance

Donald Trump hat einen radikalen Imagewandel durchlaufen: Bis vor wenigen Monaten ließ er sich als Friedens-Präsident feiern, prahlte mit einer wachsenden Liste angeblich beigelegter Konflikte im Ausland, gründete einen "Friedens-Aufsichtsrat" in Konkurrenz zu den Vereinten Nationen und brachte sich selbst vielfach für den Friedensnobelpreis ins Gespräch.

Spätestens seit dem Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar lässt sich dieses Bild nicht mehr aufrechterhalten. Zumal Trump im Januar das US-Militär dazu nutzte, Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro zu entführen und bereits im vergangenen Jahr Luftschläge in anderen Ländern anordnete, darunter auch schon einmal im Iran.

Zum Ende des Zwölf-Tage-Kriegs im Juni 2025 hatten die USA die iranischen Atomforschungsstätten schon einmal mit bunkerbrechenden Bomben angegriffen. Doch Trumps damalige Aussage, man habe die Anlagen "komplett zerstört" steht im Widerspruch zu den neuen Angriffen (im Bild).Bild: Satellite image ©2026 Vantor/AFP

Das ist umso bemerkenswerter, da Trump in den vergangenen drei Präsidentschafts-Wahlkämpfen versprochen hatte, alte Kriege zu beenden und keine neuen zu beginnen. "Keine endlosen Kriege mehr" ist ein Leitsatz seiner MAGA-Basis - und dementsprechend groß könnten die innenpolitischen Folgen des Iran-Kriegs für Trump werden.

Der Krieg und seine Kosten

Auch nach Kriegsbeginn lehnt die Mehrheit der Amerikaner die Luftschläge auf Iran ab, wie Umfragen zeigen. In einer Umfrage des US-Senders CNN gaben sich 59 Prozent unzufrieden mit der Entscheidung - nur 41 Prozent befürworteten sie. Bei der Nachrichtenagentur Reuters waren es 43 zu 27 Prozent, wobei 29 Prozent die ebenfalls angegebene Antwortmöglichkeit "unsicher" auswählten.

Unter den Anhängern von Trumps Republikanischer Partei überwog zwar in beiden Umfragen die Befürwortung. Doch durch das sonst so geschlossene MAGA-Lager läuft ein Riss; so nannte der einflussreiche frühere Fox News-Kommentator Tucker Carlson den Angriff bereits "absolut abscheulich und böse".

Johannes Thimm, Leiter der Forschungsgruppe Amerika bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), rechnet damit, dass sich derartige Stimmen schon bald mehren: "Sobald sich die wirtschaftlichen Folgen in den USA widerspiegeln, wird die Kritik lauter werden", sagt Thimm im Gespräch mit der DW. "Der Spritpreis steigt durch die blockierten Öllieferungen. Der Krieg wirkt inflationsankurbelnd und ein zentrales Versprechen von Donald Trump war, die Inflation niedrig zu halten. Und der Krieg wird den amerikanischen Haushalt stark belasten."

Ein ganz konkreter Kostenpunkt: Am Montag verloren die USA drei F15-Kampfjets, die ihr Verbündeter Kuwait für Angreifer gehalten und abgeschossen hatteBild: Social Media/REUTERS

Auch der US-Politikberater Jonathan Katz von der Brookings Institution meint: "Die derzeitige Situation im Nahen Osten wird die heimischen Sorgen wohl vergrößern und den Fokus auf eine wacklige US-Wirtschaft mit steigenden Energiepreisen und Inflation nur noch verstärken. Die Tatsache, dass der von Republikanern geführte Kongress sich weiter auf Themen wie Epstein, ICE und die 'War Powers Resolution' konzentriert, zeigt, dass innenpolitische Themen nicht einfach verschwinden", schreibt Katz, der 2023 für die demokratische Senatorin Amy Klobuchar gearbeitet hatte, auf DW-Anfrage.

Ein weiterer Alleingang ohne den Kongress

Die "War Powers Resolution" ist eine von den US-Demokraten in beiden Kammern eingebrachte Entschließung, die eher symbolischen Charakter als reale Erfolgsaussichten hat. Sie soll Präsident Trump zu einem Ende der Angriffe zwingen. Wie erwartet lehnte der Senat die Resolution bereits ab, eine Abstimmung im Repräsentantenhaus am Donnerstag brachte ein ähnliches Ergebnis: Die Abstimmung endete mit 219 zu 212 Stimmen und verlief mehrheitlich entlang der Parteilinien. Die ​Republikaner verfügen in der Kammer über eine knappe Mehrheit.

Eigentlich ist in der US-Verfassung klar geregelt: Das Recht, einen Krieg zu erklären, liegt nicht beim Präsidenten, sondern beim Kongress. Moderne Kriege beginnen jedoch meist ohne formelle Kriegserklärung, und für 60 Tage darf ein Präsident unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne parlamentarische Zustimmung begrenzte Militäroperationen führen.

"Aber seit dem Vietnamkrieg sind die großen Kriege - vor Donald Trump - immer autorisiert worden", erinnert SWP-Forschungsgruppenleiter Thimm. "Also der Irak-Krieg, der Afghanistan-Krieg - George W. Bush hat sich die Zustimmung des Kongresses geholt." Der nun begonnene Einsatz im Iran sei auch ohne Bodentruppen als großer Krieg zu werten. "Das ist etwas, was auf jeden Fall zustimmungspflichtig wäre", sagt Thimm.

Kongress auf der Haltelinie: Entgegen früherer Gepflogenheiten hat Trump bisher nicht die Zustimmung von Senat und Repräsentantenhaus eingeholtBild: Kevin Dietsch/AFP/Getty Images

Wird der Kriegsausgang wahlentscheidend?

Der Politikwissenschaftler Thomas Warrick vom Thinktank Atlantic Council sieht durch Trumps Alleingang ein noch größeres Risiko für dessen Präsidentschaft: "Weil er sich nicht um die Zustimmung des Kongresses und der amerikanischen Bevölkerung bemüht hat, wird er am Ergebnis gemessen", schreibt Warrick in einer Kurzanalyse. Ein Erfolg könnte seine Zustimmungswerte etwas anheben, aber er riskiert große Rückschläge in seiner innenpolitischen Agenda, wenn er scheitert."

Für die 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses und ein Drittel der 100 Senatoren kommt verschärfend hinzu: Ihre Sitze werden bei den Midterm-Wahlen Anfang November neu vergeben. Vor allem Trumps Partei steht vor einem Dilemma, meint Thimm: "Die Republikaner wollen einerseits ihrem Präsidenten nicht in den Rücken fallen, andererseits aber mit diesem Krieg eigentlich nicht assoziiert werden, weil sie wissen, dass er unpopulär ist."

Weiter Unklarheit über Kriegsziele

Die öffentliche Meinung und letztlich auch die Erfolgschancen einzelner Kandidaten bei den Midterms hängen auch davon ab, wie der Krieg weitergeht. Dabei kommuniziert die Trump-Administration teils voneinander abweichende Kriegsziele und -dauern. Kriegsminister Pete Hegseth sagte am Mittwoch: "Wir können diesen Kampf mit Leichtigkeit so lange führen, wie wir wollen. Und wie ich bereits sagte, wir bestimmen die Bedingungen."

Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte in seiner Rede zum Irankrieg, bei dem Angriff sei es nie um einen fairen Kampf gegangenBild: Konstantin Toropin/AP Photo/picture alliance

Andere sehen das offenbar weniger klar. In den USA wird bereits die Frage diskutiert, ob das Militär Defensivwaffen zur Abwehr ballistischer Raketen und Drohnen in ausreichender Stückzahl hat, die schließlich auch zur Abschreckung gegen andere Gegner relevant sind. Und der bereits erwähnte MAGA-Kommentator und Kriegsgegner Tucker Carlson unterstellte der Trump-Regierung gar, die Entscheidung für den Krieg letztlich nicht selbst getroffen zu haben: "Das war Benjamin Netanjahu", sagte Carlson in seinem Podcast. Auch andere MAGA-Kriegsgegner sind der Ansicht, die USA seien von Israel in den Krieg hineingezogen worden und bedienen mit ihren Aussagen teils antisemitische Stereotypen.

Auch Brookings-Berater Katz vermisst Klarstellungen über Strategie, Ziele und Dauer des Krieges, und fügt hinzu: "Hat die Trump-Administration auch die Folgen des Krieges mitgedacht, zum Beispiel den Schutz von tausenden Amerikanern im Nahen Osten? Die Auswirkungen der Kämpfe, inklusive Art und Dauer der US-Aktion im Iran haben schwerwiegende Konsequenzen in den USA und auf der ganzen Welt."

Und noch in einem weiteren Fall herrscht Unklarheit: In seiner achtminütigen Rede zum Kriegsbeginn sprach Trump von einer "akuten Bedrohung durch das iranische Regime", vor der das amerikanische Volk geschützt werden solle. Doch worin diese angebliche Bedrohung bestanden haben soll, ist fraglich. Die Frage, auf welcher Faktenbasis die USA in den von vielen Experten als völkerrechtswidrig beurteilten Krieg eingetreten sind, könnte ebenfalls zur Belastung werden.

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