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PolitikFrankreich

Wie die MAGA-Bewegung versucht, Frankreich zu beeinflussen

Lisa Louis
26. Februar 2026

Eine französische Richterin hat publik gemacht, wie US-Gesandte Druck auf sie ausübten. Die Episode zeige, wie sehr Frankreich im Visier von Trumps MAGA-Bewegung stehe, so Experten.

Donald Trump gestikuliert in Richtung Emmanuel Macron
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus (Februar 2025)Bild: Ludovic Marin/AFP/Getty Images

Das Herz der US-Regierung unter Präsident Donald Trump schlägt für den rechten Rand des europäischen politischen Spektrums. Mit der Nationalen Sicherheitsstrategie der USA von Dezember 2025 ist dies offiziell: Von einer "zivilisatorischen Auslöschung" Europas durch Migration ist dort die Rede. Doch der "wachsende Einfluss patriotischer europäischer Parteien" gebe Anlass zu großem Optimismus. Man müsse gleichwohl "Europa helfen, seinen aktuellen Kurs zu berichtigen". US-Politiker wiederholen solche Botschaften regelmäßig, wie jüngst US-Außenminister Marco Rubio bei der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC).

Aber auch hinter den Kulissen ist die Trump-Regierung aktiv. Davon ist die französische Richterin Magali Lafourcade seit dem 28. April 2025 überzeugt, als sie erstmals in ihrer Laufbahn beim französischen Außenministerium wegen ausländischer Einmischung Alarm schlug. Die Episode, die Lafourcade vor kurzem publik machte, zeige, wie sehr das Land im Fadenkreuz der USA stehe, so Experten.

Die Richterin Magali Lafourcade schlug nach dem Treffen mit den US-Gesandten AlarmBild: privat

Damals empfing Lafourcade als Generalsekretärin der Nationalen Beratungskommission für Menschenrechte Samuel D. Samson und Christopher Anderson vom US-Außenministerium. Diese waren auf Europa-Tour, bei der sie laut Medienberichten auch Mitglieder der französischen Rechtsaußen-Partei Rassemblement National (RN) trafen. "Schnell wurde klar, dass sie Informationen über den Prozess gegen Marine Le Pen suchten", sagt die Richterin zu DW. Der Präsidentschaftskandidatin des RN war kurz zuvor wegen mutmaßlicher Veruntreuung von EU-Geldern unter anderem für fünf Jahre das passive Wahlrecht entzogen worden. Damit könnte Le Pen nicht bei den Präsidentschaftswahlen 2027 antreten. Ein Berufungsgericht soll im Juli bekanntgeben, ob es das Urteil aufrechterhält.

US-Diplomaten sprechen über "Meinungsfreiheit"

"Laut den US-Diplomaten war das Urteil politisch motiviert, da Le Pen in der Opposition gegen Präsident Emmanuel Macron sei", erinnert sich Lafourcade. "Ich sagte, man habe sie wegen Korruption verurteilt, nach einer zehnjährigen, gründlichen Untersuchung, und Strafen der Nichtwählbarkeit seien nicht ungewöhnlich. Doch sie ließen nicht locker - als suchten sie Beweise, dass es kein fairer Prozess war. Dann meinte Samson, Europa müsse die Meinungsfreiheit respektieren. Ich entgegnete, die herrsche bei uns, außer bei Beschimpfung, Verleumdung, Hassrede, Diskriminierung und Holocaustleugnung", so Lafourcade. "Sie sagten: 'Wir sind eure Verbündeten, aber dafür muss Europa verbotene Aussagen wieder erlauben.'

MAGA benutzt die Sprache der Menschenrechte, um diese auszuhöhlen", so Lafourcade mit Blick auf Trumps MAGA-Bewegung ("Make America great again"). Präsident Trump steht immer wieder für sein Vorgehen gegen Andersdenkende in der Kritik. So hat er Journalisten den Zugang zum Weißen Haus verwehrt und Medienorganisationen verklagt.

Marine Le Pen prägt die politische Debatte in FrankreichBild: Tomas Stevens/ABACA/picture alliance

Dass dieses Treffen ein Versuch der ausländischen Einmischung gewesen sei, bezeichnet Nicolas Conquer, Mitglied der Republicans Overseas und Gründer der Pariser MAGA-nahen Einrichtung The Western Arc, als "Verleumdung". "Das ist aus der Luft gegriffen. Bedenken zu haben, was die Gerichtsverhandlung angeht, ist völlig legitim. Wir sind Beobachter des Geschehens und machen uns für Dinge stark, die im amerikanischen und europäischen Interesse liegen", sagt er im DW-Interview.  

Das "beste" Informations-Abwehrsystem in Europa?

Das französische Außenministerium macht jedoch klar, dass es Einmischung nicht mehr nur aus Russland registriert. "Wir antworten auf alle, die uns angreifen - egal ob aus dem Osten oder dem Westen", meint Ministeriumssprecher Pascal Confavreux zur DW, ohne zu sagen, welche Bedrohung größer ist. Aber das Timing der Ankündigung einer neuen Strategie gegen ausländische Einmischung durch Außenminister Jean-Noël Barrot spricht Bände: Er tat dies am 29. Januar 2025, eine Woche nach Trumps Amtseinführung.

Das Ministerium will Versuche ausländischer Einmischung benennen und darauf reagieren - unter anderem mit dem X-Konto "French Response", das mit Ironie auf falsche Informationen antwortet. "Wir können den Informationskrieg nicht gewinnen, ohne in die Schlacht zu ziehen", meint Confavreux. Kürzlich bestellte das Außenministerium den US-Botschafter ein, nachdem der die tödliche Verletzung eines radikalen Rechten in Lyon kommentiert hatte. Der versetzte das Ministerium zunächst, versprach aber dann, sich "nicht in die öffentliche Debatte einzumischen".

Außenministeriums-Sprecher Pascal Confavreux sagt, man müsse sich gegen Falschinformationen zur Wehr setzenBild: MEAE

Für David Colon, Geschichtsprofessor an der Universität Sciences Po Paris und Experte in Sachen Informations-Manipulation, hat Frankreich das europaweit beste Abwehrsystem im Informationskampf. "Präsident Macron wurde sich schon während seiner Präsidentschaftskampagne 2017 der Gefahr ausländischer Einmischung bewusst: Im Zuge der sogenannten 'Macron-Leaks' veröffentlichte jemand Tausende E-Mails seines Teams", blickt Colon zurück. Europa sei nun in einer Sandwich-Position. "In den USA sind Verschwörungstheoretiker an der Macht", sagt der Forscher. "Sie haben die gleichen Ziele und Strategie wie die Russen, wollen die EU schwächen und einen Rückzug der USA aus der NATO."

Mit Blick auf die Präsidentschafts-Wahlen

Tara Varma, Geschäftsleiterin für Strategische Vorausschau der Denkschmiede German Marshall Fund in Paris, spricht gar von einer "Besessenheit". "Die MAGA-Anhänger behaupten, sie 'liebten' Europa - aber diese Liebe ist toxisch", betont Varma, die bis vor kurzem in Washington gelebt hat. "Sie wollen Europa unterordnen, sind Klimaverweigerer und gegen Minderheitenrechte."

US-Abwendung von der NATO? Soldaten während eines NATO-ManöversBild: Christian Charisius/dpa/picture alliance

Auch Maya Kandel, Gastforscherin und Expertin für amerikanische Außenpolitik an der Pariser Universität Sorbonne Nouvelle, ist davon überzeugt, dass die USA einen Kulturkrieg gegen Europa und vor allem Frankreich führen. "Sie haben regelmäßige Treffen mit Mitgliedern von Frankreichs rechten und Rechtsaußen-Politikern", sagt sie zu DW. "Die MAGA-Bewegung exportiert ihr Gedankengut durch internationale Konferenzen, sogenannte CPACs und Natcons, und die US-Regierung plant, ihr nahestehende Organisationen in anderen Ländern zu finanzieren."

Warum Frankreich eine Zielscheibe sei, liegt für Experten dabei auf der Hand. "Wir spielen eine zentrale Rolle in der EU, haben Atomwaffen und sind permanentes Mitglied des UNO-Sicherheitsrats. Und es fehlt nicht viel, damit die Lage kippt", so Richterin Lafourcade. Der RN liegt in den Umfragen zu den 2027er Präsidentschaftswahlen vorne.

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