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Südafrikas grüne Gräber

Magardie Khadija
24. Februar 2018

Südafrika geht mit einem ausgeklügelten Plan gegen invasive Pflanzen vor. Dadurch kann das Land auch noch Wasser sparen und ermöglicht es ärmeren Gemeinden, ihre Toten günstig und ökologisch zu begraben.

Zwei Mitarbeiter in der Eco Furniture Factory in George, Südafrika
Bild: SANParks

Ein Vormittag in der "Eco Furniture"-Möbelfabrik: Hier, in der Stadt George in der südlichen Kapregion Südafrikas, wird fleißig gehämmert, die Sägen surren. Zwei Frauen in gelben Overalls tragen Staubmasken, sie zerteilen Holzplanken an einer Kreissäge. Draußen bekommt das fertige Produkt den letzten Schliff: ökologisch korrekte Särge.

"Sie sollen am Tag der Beerdigung gut aussehen", sagt der Fabrikleiter Emile Mopp. So wüssten die trauernden Familien, dass ihre Angehörigen angemessen verabschiedet werden. Diese Öko-Särge werden aus Massivholz mit Wasserlack und ungiftigen Klebstoffen hergestellt. Das Unternehmen erklärt, dass ihre Erdmöbel damit umweltverträglicher seien, als beispielsweise Spanplattensärge, die "giftige Produkte" enthielten.

Eukalyptusbäume wie diese können der Artenvielfalt schaden und verbrauchen viel WasserBild: picture-alliance/Bibliographis/H. Wilhelmy

"Der Unterschied zwischen typischen, kommerziellen Produkten und diesen Särgen liegt darin, dass diese hier nicht jahrzehntelang im Boden liegen", sagt Mopp.

Aber die Särge dienen noch einer weiteren, ebenfalls großen Aufgabe: Sie sind Teil einer Regierungsinitiative, um invasive Pflanzen- und Baumarten unter Kontrolle zu bekommen. Diese nichtheimischen Arten sind ein Problem in einer der wasserärmsten Regionen der Erde, weil sie sehr viel Wasser verbrauchen.

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Invasive Hölzer

Im Schnitt fällt in Südafrika  nur etwa halb so viel Regen wie im Rest der Welt. Kapstadt, eine der größten Städte Südafrikas, steckt durch eine anhaltende Dürreperiode gerade in einer Wasserkrise. Die Wasserreserven der Stadt könnten im Juni erschöpft sein. Dann könnte die Stadt gezwungen sein, den Hahn weitgehend zuzudrehen und nur die notwendigste Versorgung zu ermöglichen.

Kapstadt: Angst vor der Trockenheit

01:10

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 Vor allem in Gebieten, in denen sich Wasser ansammelt und das Grundwasser gebildet wird, stellen durstige, invasive Pflanzenarten ein Problem dar. Arten wie Kiefern, Eukalyptus, Schwarzholz und Schwarze Akazie wurden zum Teil schon im 17. Jahrhundert von europäischen Kolonisten eingeführt und sollten unter anderem als Bauholz sowie für die Herstellung von Holzkohle dienen. Heute bedecken sie etwa 10 Prozent der Landfläche.

Abgesehen davon, dass sie den Wasserfluss behindern, stellen die Pflanzen auch ein Feuerrisiko dar, weil sie die Dauer und Intensität von möglichen Feuern steigern.

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Südafrika hat mit Wasserknappheit zu kämpfen. Bei Bewohnern von Kapstadt (Foto) könnten die Wasserhähne bald trocken bleibenBild: Julia Jaki

Das "Eco Furniture Fabrik Program", eine 2012 gegründete staatliche Initiative, stellt aus dem Holz dieser Arten Möbel und bezahlbare Särge her. "Uns wurde klar, dass wir unsere invasive Biomasse nutzen konnten, um etwas herzustellen, das für die Regierung nützlich ist", sagte Guy Preston, Leiter der Abteilung für das Management natürlicher Ressourcen im Umweltministerium. "Und sie könnten dafür verwendet werden, um die Kosten eines Trauerfalls für die Armen zu reduzieren."

'Glamour'-Beerdigungen

Beerdigungen in Südafrika sind verhältnismäßig teuer, wenn man bedenkt, dass 27 Prozent der Bevölkerung arbeitslos sind und das Durchschnittseinkommen eines Haushalts bei etwa 778 Euro liegt.

Die meisten Bestatter des Landes veröffentlichen die Preise für ihre Särge nicht, aber einem Artikel in der südafrikanischen Zeitung "The New Age" zufolge, kostet ein "billiger" Sarg von "AVBOB Mutual Assurance Society" (eines der führenden Bestattungsunternehmen des Landes) etwa 443 Euro. Eine Premiumversion kann die Angehörigen bis zu 4000 Euro kosten (dazu kommen noch andere Dienstleistungen, etwa Grabstätte und Leichenschmaus).

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Die einfachsten Särge von "Eco Furniture Fabrik" kosten nur circa 20 Euro. Es gibt allerdings auch aufwendigere Modelle, die etwa 339 Euro kosten. Mit denen soll die Nachfrage nach Luxusversionen befriedigt werden. 

Emile Mopp, Leiter von "Eco Furniture" in George, ist überzeugt, dass ökologische Bestattungsgeschäft könnte im Land Arbeitsplätze schaffenBild: pictrue-alliance/dpa/SANParks

Wie in vielen anderen Ländern, ist es auch in Südafrika ein Zeichen von Status und Wohlstand, einen teuren Sarg zu haben. Selbst wenn sich die Familie die Luxus-Varianten nicht leisten kann, zwingt sie der soziale Druck dazu, es doch zu tun. Diese Nachfrage ist zwar ein modernes Phänomen, hängt aber mit traditionellen religiösen Vorstellungen zusammen, sagt Samuel Radebe, Gründer der "Pan-African Revelation Church of God". Seine Kirche vereint traditionelle afrikanische Religion mit Aspekten des Christentums.

"In der traditionellen afrikanischen Kultur wurden unsere Vorfahren in ihren Gärten beerdigt, wobei die Verstorbenen in Kuhhäute gewickelt wurden, nicht in einen Sarg", sagt Radebe. "Der ursprüngliche Grund für das Schlachten einer Kuh ist es also, sie als Sarg zu verwenden, und nicht das Abhalten eines Leichenschmauses."

Radebe sagt, dass die Verpflichtung, die richtigen Rituale für die Verstorbenen abzuhalten, falsch interpretiert worden sei: als Verpflichtung, einen teuren Sarg zu verwenden. Deshalb, meint er, dass armen Südafrikanern im Trauerfall nur wenige Optionen bleiben: entweder sie verschulden sich oder sie können keine richtige Beerdigung abhalten.

Für seine Särge verwendet die südafrikanische "Eco Furniture Fabrik" Wasserlacke und ungiftige Klebstoffe, sagt die OrganisationBild: pictrue-alliance/dpa/SANParks

Grüne, günstige Alternativen

Vor dieser Wahl stand auch die Familie des 27-jährigen Monwabisi Ndlazulwana, der Ende 2017 bei einem Überfall erstochen wurde. Monwabisis Eltern leben im Thembalethu Township am Rand der Stadt George. Sie sind arbeitslos und abhängig von staatlicher Unterstützung. "Wir hatten nichts. Wir konnten uns keinen Bestatter leisten", sagt Busisizwe Ndlazulwana. "Hätte uns die Gemeinde nicht unterstützt und die Fabrik uns nicht den Sarg gespendet", sagt Busisizwe Ndlazulwana, "dann hätten wir unseren Sohn nicht beerdigen können."

Wenngleich jeder einen Ökosarg kaufen kann, zielt das Programm doch in erster Linie auf Menschen wie die Ndlazulwanas. Sie zu erreichen sei eine der größten Herausforderungen für "Eco Furniture" gewesen, sagt Manager Mopp. Bisher ging das in erster Linie durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Er hofft aber, dass sich das nun ändern wird. Denn ein erklärtes Ziel der Regierung ist es, andere anzuspornen, selbst Öko-Beerdigungen anzubieten.

"Wir können diese Produkte in Massen herstellen, für Krankenhäuser, für Kommunen, eigentlich für jeden", sagt Mopp. "Hier bieten sich echte Chancen für Leute, ihr eigenes Geld zu verdienen."

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