Wie Südafrika und die USA in eine Beziehungskrise rutschten
2. April 2026
Als Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa kürzlich auf einer Parteikonferenz von "aggressiven globalen rechten Kräften" sprach, wusste wohl jeder gemeint war: Seitdem Donald Trump Anfang 2025 ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, sind die Beziehungen zwischen den USA und Südafrika immer tiefer in die Krise gerutscht.
Trump warf Südafrikas schwarzer Bevölkerungsmehrheit einen "Genozid" an der weißen Minderheit vor, ohne echte Beweise vorzulegen - ein Vorwurf, den Ramaphosas Regierung vehement zurückwies. Trump boykottierte auch die im vergangenen Jahr von Südafrika ausgerichteten G20-Treffen inklusive des Gipfels in Johannesburg. Und nun berichten verschiedene Medien, die USA hätten Druck auf Frankreich ausgeübt, das daraufhin Südafrika wieder vom für Juni geplanten G7-Gipfel in Evian auslud.
Druck aus USA nicht nachgeben
Der Startpunkt für die diplomatische Eiszeit liegt jedoch schon deutlich vor dem Beginn von Trumps zweiter Amtszeit, glaubt Daniel Silke, Leiter der Beratungsfirma Political Futures Consultancy in Kapstadt: "Diese Entwicklung zwischen Südafrika und den USA hat sich schon lange abgezeichnet. Denn Südafrika hat im Laufe der letzten zehn Jahre seine außenpolitische Ausrichtung weg von den USA und dem Westen verlagert", sagt Silke zur DW. Das Land habe sich stärker den BRICS-Staaten zugewandt, ein Zusammenschluss aufstrebender Volkswirtschaften, die ein Gegengewicht zum westlich geprägten G7-Bündnis bilden.
Selbst nachdem Russland seinen Angriffskrieg in der Ukraine begann, bemühte sich Ramaphosa weiter um gute Beziehungen mit dem BRICS-Mitglied; die Nähe seiner Partei ANC zu Moskau stammt noch aus den 70er- und 80er-Jahren, als die Sowjetunion den Kampf gegen das Apartheids-Regime unterstützte. In jüngerer Vergangenheit band sich Südafrika zudem enger an China, ein weiteres BRICS-Land.
Washington habe diese Verschiebung verfolgt und die Botschaften der BRICS-Gruppe zur Kenntnis genommen, sagt Silke. Das Bündnis verfolge ein gemeinsames Ziel: Die Rolle des US-Dollars als Leitwährung im Welthandel zu reduzieren.
Misstrauen tief verankert
"Der ANC hegte historisch gesehen schon immer Misstrauen gegen die USA", sagt Silke gegenüber DW. Auch hier reicht die Begründung zurück in die 1980er-Jahre, als der internationale Druck auf das Apartheids-Regime zunahm. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan habe jedoch kein Interesse gehabt, umfassende Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika zu verhängen, sagt Silke.
Nach dem Ende der Apartheid 1994 hatten sich auch die diplomatischen Beziehungen der USA mit dem Amtsantritt des Demokraten Bill Clinton zu dem Land am Kap gewandelt. Für Südafrika sind laut Statistiken der staatlichen deutschen Wirtschaftsförderungsagentur GTAI die Vereinigten Staaten heute - hinter China - der zweitwichtigste Handelspartner.
"Der ideologische Rechtsruck in Washington brachte die Regierung auf Kollisionskurs mit dem ANC", sagt Silke. "Mit einem Trump, der keine Angst vor einem solchen Kurs hat, verschlimmert sich die Lage noch."
Südafrika als Zielscheibe rassistischer Politik
Der Wissenschaftler Noor Nieftagodien, Leiter des History Workshops an der Witwatersrand Universität von Johannesburg, betont ebenfalls die zentrale Bedeutung der Tech-Investoren aus dem Umfeld von Trumps MAGA-Bewegung, unter deren Einfluss die Republikanische Partei rassistischer agiere als je zuvor.
"In seinem inneren Zirkel sind Menschen wie Elon Musk und Peter Thiel", sagt Nieftagodien der DW. Der Tesla-Chef und frühere Leiter von Trumps Deregulierungs-Behörde DOGE, Musk, ist gebürtiger Südafrikaner, Paypal-Gründer Thiel hat in seiner Kindheit in Namibia gelebt. "Sie haben Verbindungen zu rechtsextremen, rassistischen Organisationen in Südafrika, die die komplette Lüge verbreitet haben, es gebe einen weißen Genozid in Südafrika. Und Trump hat das übernommen."
Dianne Hawker, DW-Korrespondentin in Johannesburg, sieht Südafrika praktisch seit Amtsübernahme im Visier der Trump-Regierung: "Nur zwei Wochen danach gaben die USA den Stopp aller Hilfsprogramme bekannt, unter Verweis auf angebliche Menschenrechtsverletzungen", sagt Hawker. Darunter sind auch Programme zur Bekämpfung von HIV/Aids, deren Auslaufen für viele HIV-positive Südafrikaner potenziell lebensbedrohlich ist.
Der Graben vertiefte sich weiter, als die US-Regierung ein spezielles Asylprogramm für weiße Südafrikaner auflegte und zugleich die Flüchtlingsaufnahme generell drastisch reduzierte. Den Afrikaanern wurde ein Großteil der nur noch 7.500 Plätze in Aussicht gestellt.
Ein weiterer Knackpunkt: Südafrika zog im Dezember 2023 vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag und klagte Israel wegen Völkermord an den Palästinensern in Gaza an. Israel bestreitet das und Trump hält die Vorwürfe für haltlos: Die US-Regierung legte im März 2026 formell Einspruch in Den Haag ein.
Bestraft Trump Südafrika für dessen Haltung?
Auch der jüngste Krieg im Nahen Osten hat weitere negative Auswirkungen auf das US-südafrikanische Verhältnis. Irans Regime ist im ANC immer noch gut gelitten, da die Kleriker nach der Islamischen Revolution von 1979 kein Öl mehr an das Apartheid-Regime lieferten und zugleich den ANC unterstützten.
Dass Südafrika nicht von Teheran abrückt, ist laut Analyst Nieftagodien US-Präsident Trump ein Dorn im Auge: "Die Trump-Regierung duldet keinerlei kritische Stimmen gegenüber ihrer eigenen Weltanschauung und dem Bestreben, dem Rest der Welt ihren Willen aufzudrücken." Aus seiner Sicht will Trump Südafrika für dessen unbeirrten, eigenständigen außenpolitischen Kurs bestrafen. Solange Trump im Weißen Haus bleibt, rechnet Nieftagodien nicht mit einer Entspannung im Verhältnis beider Länder.