Einmal im Jahr wartet Wien sehnsüchtig, dass sich die Tore des Ballsaals öffnen. Dann werden schillernde Debütantenpaare Walzer tanzen, sich Prominente im Drei-Viertel-Takt wiegen und ja, auch, Opernmusik soll es geben.
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Schautanzen auf dem Wiener Opernball
Einmal im Jahr zieht es Klassik-Liebhaber und festlich gekleidete Prominente in den pompösen Ballsaal der Wiener Staatsoper. Wir zeigen, warum so viele von diesem Event in der österreichischen Hauptstadt verzaubert sind.
Das Jungdamen- und Jungherren-Komitee organisiert in jedem Jahr den Auftakt des Wiener Opernballs. Der Tanz der Debütanten - die Paare stilvoll in schneeweißen langen Abendkleidern und elegantem Smoking mit weißer Seidenweste gekleidet - eröffnet das berühmte Ballereignis.
Auch der 61. Opernball findet natürlich in der pompösen Wiener Staatsoper statt. Wie jedes Jahr versammeln sich hier Gäste hohen (und weniger hohen) Ranges, Kulturschaffende, Unternehmer und Politiker. Schon auf dem roten Teppich vor der Staatsoper zeigt jeder der gut betuchten Gäste, dass er sich das leisten kann, an der berühmtesten Ballnacht der Welt teilzunehmen.
Bild: DW/E.Numanovic
Der beste Sitzplatz
Wer einen solchen Ausblick genießen möchte, der muss ganz schön tief in die Tasche greifen. Eine Bühnenloge für zwei Personen kostet in diesem Jahr 20.500 Euro - für jene, die eben das Feinste vom Feinen haben möchten. Diejenigen, die nur mal das Flair schnuppern wollen, konnten für Karten ab 25 Euro bei der Generalprobe dabei sein.
Bild: Reuters
Mit Hollywoodstars in der Promi-Loge
Gastgeber Richard Lugner ist bekannt dafür, sich Hollywoodstars für den Wiener Opernball einzukaufen: Dieser Jahr ist US-Schauspielerin Goldie Hawn dabei. Ob sie ein Tänzchen wagt? Klar, meinte sie, schließlich habe sie ihre Karriere als Tänzerin begonnen. Schon viele prominente Besucher sind Lugners Einladung gefolgt: Brooke Shields, Kim Kardashian und Pamela Anderson waren schon in Wien dabei.
Einige junge Talente werden zum ersten Mal das Tanzbein schwingen. Wer gerne über das Parkett des Wiener Ballsaales schweben möchte, muss bereits im Herbst zuvor in Anzug und Bluse zum Vortanzen erscheinen. Zum Ball selbst werden die Damen jedoch schneeweiße Ballkleider und die Herren einen schwarzen Frack mit weißer Fliege tragen.
Bild: Getty Images/Sean Gallup
Star-Tenor Jonas Kaufmann singt am Operball
Eröffnet wird das Fest traditionell vom Orchester der Wiener Staatsoper und Tänzern des Staatsballetts. Der Höhepunkt: Jonas Kaufmann singt. Der 47-jährige zählt zu den gefragtesten Tenören der Welt. Erst kürzlich hat er nach mehrmonatiger Pause in Paris erfolgreich sein Comeback gefeiert. Er wird unter anderem Arien aus George Bizets "Carmen" und Franz Lehárs "Land des Lächelns" singen.
Bild: picture-alliance/dpa
36-jährige organisiert den weltberühmten Opernball
Maria Großbauer ist die jüngste Frau, die jemals an der Spitze des Opernballs stand. Sie kennt das Wiener Opernhaus von Kindesbeinen an, ihr Vater war Posaunist bei den Philharmonikern, ihr Mann ist deren Vorsitzender. Mit dem Vorwurf der Vetterwirtschaft geht sie gelassen um: „In Wien sagt man Freunderlwirtschaft. International würde man Networking sagen“.
Bild: picture alliance/dpa/K. Schöndorfer
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290 Euro muss der Normalsterbliche hinblättern, um überhaupt in die heiligen Hallen der Wiener Staatsoper eintreten zu dürfen. So weit er oder sie überhaupt eine der begehrten Karten zum 60. Jubiläum ergattern konnte. Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh plante das gesellschaftliche Großevent in diesem Jahr zum letzten Mal. Die österreichsche Journalistin und Verlegerin entstammt einer alten adligen Familie und organisierte den Opernball seit 2008. Der Ball ist das Event der High Society, denn hier feiert das dekadente Wien sich selbst.
Dieses Jahr solle die Veranstaltung "jünger, internationaler und hipper werden", kündigte Treichl-Stürgkh im Vorfeld an. Eröffnet wird wie immer von 144 jungen Debütantenpaaren, die zu einer Mischung aus Eröffnungsliedern der letzten 60 Jahre tanzen – denn so lange gibt es den Wiener Opernball mittlerweile. "Die Eröffnung soll richtig Lust zum Tanzen machen", äußerte sich der Tanzlehrer Roman Svabek vorab.
Glamouröse Prominente geben sich die Klinke in die Hand
Jedes Jahr gibt es in der Szene große Aufregung darüber, wen der Selfmade-Millionär und Baulöwe Richard Lugner wohl zum Ball mitbringen wird. Ehefrau Cathy hatte bereits im letzten Jahr das Nachsehen, als Lugner das amerikanische It-Girl Kim Kardashian in seine ganz persönliche Loge einlud. In diesem Jahr ist seine Wahl auf die New Yorker Schauspielerin und Produzentin Brooke Shields gefallen. Diese machte sich in den 1980er Jahren mit dem Filmdrama "Die blaue Lagune" einen Namen.
Natürlich wird auch Lugner selbst das Tanzbein schwingen. Zu seinen vorherigen Begleitungen äußerte der Unternehmer sich enttäuscht: "Nur die Hälfte hat mit mir getanzt". Vor Shields habe er jedoch Respekt. Schließlich ist die Schauspielerin mit einer Körpergroße von 1,83 m einen ganzen Kopf größer als Lugner. "Ich tanze nie mit so großen Frauen, das ist sehr gefährlich für mich", sagte der Baulöwe. Ob es doch zu einem Tänzchen kommen wird, wird das Österreichische Fernsehen (ORF) am Abend in die Welt senden.
Der Zauber der Ballnacht entspringt der richtigen Musikwahl
Die passende Musik wird es jedenfalls geben. Der spanische Opernsänger Plácido Domingo, der erst vor zwei Wochen seinen 75. Geburtstag feierte, wird wesentlich zur Eröffnung des Abends beitragen und das Staatsopernorchester dirigieren. Berühmte wurde er als einer der "Drei Tenöre" an der Seite von Luciano Pavarotti und José Carreras. Außerdem ist ein Duett von Domingo mit der russischen Sopranistin Olga Peretyatko geplant.
Auch mit einem Erscheinen des französischen Filmschauspielers Alain Delon war bereits fest gerechnet worden. Der 80-Jährige musste aber kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen. Welche Prominente sich außerdem dem Zauber des Wiener Tanzsaals hingeben werden, zeigt sich Donnerstagabend (04.02. 2016) auf dem 60. Wiener Opernball.