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PolitikVenezuela

Will Trump Maduro für sein eigenes Vermächtnis stürzen?

20. Dezember 2025

Donald Trumps Stabschefin hat verraten, dass ein Regimewechsel in Venezuela ganz oben auf der Agenda des Weißen Hauses steht. Aber womöglich geht es nicht nur um die Wiederherstellung der Demokratie in Caracas.

Donald Trump an seinem Schreibtisch umgeben von vier Personen mit militärischen Orden, einer von ihnen hält eine Mappe mit einem Schriftstück in die Kamera
Donald Trump erklärte Fentanyl inmitten eines anhaltenden Konflikts mit Venezuela zu einer "Massenvernichtungswaffe"Bild: Bonnie Cash/CNP/AdMedia/picture alliance

Könnte es sein, dass die Vereinigten Staaten versuchen, den venezolanischen Staatschef Nicolas Maduro zu stürzen? Wenn man einem kürzlich in Vanity Fair veröffentlichten Interview Glauben schenken darf, lautet die Antwort: ja.

Das Interview sorgte diese Woche für Schlagzeilen. Darin sagte Susie Wiles, die Stabschefin von US-Präsident Donald Trump, ihr Chef wolle "weiterhin Boote in die Luft jagen, bis Maduro um Gnade bittet". Machthaber Maduro regiert Venezuela unterbrochen seit 2013.

Die USA zerstören seit Monaten angebliche venezolanische Drogenboote in der Karibik. Zahlreiche Menschen wurden dabei getötet. Anfangs schien es, als hätte Trump den Kampf gegen Drogen im Visier. Der US-Präsident strebt seit langem danach, Drogenhändlern den Weg in die Vereinigten Staaten zu verschließen.

Diese Woche erklärte er das Schmerzmittel Fentanyl zu einer Massenvernichtungswaffe. Das synthetische Opioid wird oft als Droge missbraucht. Laut US-Gesundheitsbehörde starben im vergangenen Jahr schätzungsweise 48.000 Menschen in den USA durch den Missbrauch von Schmerzmitteln.

Wollen die USA Venezuela wirtschaftlich aushungern?

Doch geht es wirklich nur um Drogen? Fachleute vermuten hinter Trumps hartem Kurs in der Karibik vielmehr einen Vorwand, um Venezuela Ressourcen abzunehmen, wie etwa Erdöl oder Seltene Erden. Nun hat Trump eine Seeblockade gegen "sanktionierte" Öltanker verkündet, die Venezuela anlaufen oder verlassen.

Zusammen mit dem Interview von Stabschefin Wiles entsteht immer mehr der Eindruck, dass Venezuelas Präsident Maduro im Mittelpunkt von Trumps Kampagne steht. Will der US-Präsident dessen Sturz?

Trump ordnet Seeblockade für Öltanker vor Venezuela an

03:19

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"Ich glaube nicht, dass dies das Ziel war, als sie [die zweite Trump-Regierung] im Januar dieses Jahres an die Macht kamen", sagt Paul Hare. Der pensionierte britische Diplomat und ehemalige Botschafter bekleidet an der Boston University derzeit den Posten als Direktor des Zentrums für Lateinamerikastudien.

"Die Idee war, mit Maduro eine Vereinbarung über Abschiebungen zu treffen, vielleicht einige Ölkonzessionen für die Amerikaner zu erhalten und eine Art Geschäftsabkommen zu schließen, das es ihm [Maduro] ermöglichen würde, an der Macht zu bleiben."

Wie der US-Druck auf Venezuela auch Kuba schwächen könnte

Maduro zu stürzen würde jedoch der nationalen Sicherheitsstrategie der zweiten Trump-Amtszeit entsprechen, laut der sich die USA wieder verstärkt auf ihren Einflussbereich in der westlichen Hemisphäre konzentrieren wollen - eine Region, die Amerika und an ihrer Peripherie auch Westeuropa umfasst.

Der Lateinamerika-Experte am Deutschen Institut für Globale und Regionale Studien, Jesus Renzullo, sieht noch ein weiteres Motiv hinter dem Handeln der US-Regierung. Laut Renzullo könnte Trumps Außenminister Marco Rubio - ein bekannter "Falke" in der Außenpolitik und erklärter Gegner des Maduro-Regimes - die Gelegenheit nutzen, auch den Druck auf Kuba auszuweiten.

Enge Partner: Venezuela und Kuba - Präsident Nicolas Maduro und Präsident Miguel Díaz-CanelBild: Venezuelan Presidency/Marcelo GARCIA/AFP

Die kubanische Regierung wird international immer wieder wegen gravierender Defizite bei Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit kritisiert. Der sozialistische Inselstaat in der Karibik befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise, seine Energieversorgung hängt stark von Öllieferungen aus Venezuela ab.

"Venezuela ist der einzige Joker, auf den Kuba in seiner Nachbarschaft noch setzen kann", so Renzullo. "Kuba würde wirklich sehr stark eingeschränkt werden und wirtschaftlich sehr leiden", sagt er mit Blick auf einen möglichen Sturz des Regimes in Venezuela.

Doch um einen Führungswechsel zu erzwingen, müssten die USA ihren Druck auf Venezuela drastisch erhöhen, so der Politikexperte. "Eine Blockade reicht dafür nicht aus. Caracas hat während des 'maximalen Drucks' im Jahr 2019 weitaus größere Sanktionen erlitten und diese überstanden."

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Ex-Botschafter Paul Hare sieht aktuell keine Strategie der Trump-Regierung, über das Maduro-Regime hinaus in Lateinamerika zu intervenieren. "Maduro ist illegitim [an der Macht], aber ich denke, das wird eher als Sonderfall angesehen, und ich glaube nicht, dass es weitere Aggressionen gegenüber anderen Ländern geben wird", so Hare. "Ich denke, sie [die Trump-Regierung] ist wirklich besorgt darüber, dass Maduro illegal an der Macht ist."

Regimewechsel in Venezuela als Trumps politisches Vermächtnis?

So unterstützt die Trump-Regierung, insbesondere Außenminister Rubio, zwar die venezolanische Opposition unter Führung der frischgebackenen Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado. Sie spricht sich ebenfalls lautstark für eine US-Intervention in der Karibik aus. Doch für Trump geht es bei seinem Plan möglicherweise weniger darum, in Venezuela eine Demokratie zu etablieren, wie es frühere US-Präsidenten angestrebt haben mögen, sondern vielmehr darum, einen persönlichen Rivalen zu beseitigen.

"Es geht nicht um Öl", sagt Jim Marckwardt, pensionierter Oberstleutnant der US-Armee, heute Co-Leiter Amerika an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies. "Und es geht auch nicht um Demokratie, zumindest würde ich das im Falle der Trump-Regierung so sehen." Das mag überraschen, da Trump 2019 den pro-demokratischen Oppositionsführer Juan Guaido als venezolanischen Staatschef anerkannt hat. Aber Maduro blieb an der Macht und wehrte alle Versuche ab, ihn aus dem Amt zu drängen - selbst nach den Wahlen 2024, die laut unabhängigen Beobachtungen von seinen Gegnern gewonnen worden waren.

Viel mehr als eine Demokratie in Venezuela, so Marckwardt, wolle Trump aber sein eigenes politisches Vermächtnis aufbauen. "2019 ist die Venezuela-Krise mit Juan Guaido quasi explodiert. (Ex-US-Präsident) Joe Biden hat sie nicht gelöst, und es gibt viele Anzeichen dafür, dass Trump sich vor allem um sein Vermächtnis sorgt", so Marckwardt.

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"Er [Trump] hat versucht, die Probleme im Gazastreifen zu lösen, er arbeitet sehr, sehr hart daran, einen Friedensprozess zwischen der Ukraine und Russland in Gang zu bringen, und ein Problem, das in dieser Hemisphäre etwas näher liegt, ist Venezuela. Und ich würde sagen, dass es wohl leichter zu lösen ist."

Trump hat seit seiner Wiederwahl auch einen Rückgang seiner Popularität in den Meinungsumfragen erlebt - unter anderem bei eingewanderten US-Bürgern aus der lateinamerikanischen Diaspora. Sie stellen einen bedeutenden Wählerblock in Trumps Hochburg Florida und halfen ihm, wieder ins Weiße Haus zu gelangen.

"Dies ist eine einfache Möglichkeit, speziell diese Diaspora anzusprechen, die innerhalb Floridas über eine große Zahl an Wählerstimmen verfügt", analysiert Marckwardt. "Also geht es zum Teil auch darum, diese Wählerschaft zu beschwichtigen."

Adaption aus dem Englischen: Jeannette Cwienk

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