Friendzone: Warum wir Signale missverstehen
25. März 2026
Schon mal in der Friendzone gelandet? Oder selbst jemanden "gefriendzoned"? Was eindeutig den Ursprung in der Englischen Sprache hat, fehlt im deutschen Vokabular schlichtweg in dieser Prägnanz. Gemeint ist jener unangenehme Zwischenraum, in dem zwei Menschen miteinander Zeit verbringen, aber nur eine Seite insgeheim auf etwa Romantisches hofft – und am Ende mit einem schmerzhaften "Aber wir sind doch nur Freunde?!" konfrontiert wird.
Was die Popkultur seit Jahren thematisiert, ist mittlerweile auch in der Wissenschaft angekommen: Warum kommt es zu diesen Fehleinschätzungen? Und warum betreffen sie manche Geschlechter öfter als andere? Eine neue Studie aus Norwegen liefert Antworten´.
Jungen überschätzen, Mädchen unterschätzen
Der Psychologe Marius Stavang und ein Forschungsteam der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) haben rund 1300 Jugendliche im Alter von 16 bis 19 Jahren befragt. Ziel war es, herauszufinden, wie früh sich die bekannten Wahrnehmungsverzerrungen – sexuelle Überwahrnehmung und sexuelle Unterwahrnehmung – in der Jugend entwickeln.
Das Ergebnis ist eindeutig: Jungen überschätzen systematisch, wie interessiert Mädchen an ihnen sind. Mädchen unterschätzen hingegen, wie interessiert Jungen an ihnen sind.
Die Forschenden fanden heraus, dass diese Fehleinschätzungen nicht erst im Erwachsenenalter auftreten, sondern sich schrittweise während der Pubertät ausbilden. Der Übergang von kindlicher Freundschaft zu potenzieller Romantik ist ein sensibler Moment – und genau dort beginnen die Missverständnisse.
Weibliches Interesse: eine knappe Ressource
Die zugrunde liegende Idee stammt aus der sogenannten "Error Management Theory": Für Jungen ist weibliches Interesse seltener, eine knappe Ressource sozusagen. "Deshalb ist es für sie sicherer, romantische Signale lieber einmal zu viel zu interpretieren, statt eine Gelegenheit zu verpassen", erklärt Stavang. "Mädchen hingegen erleben häufiger romantisches Interesse von Jungen und müssen auswählen, wer besser zu ihnen passt." Entsprechend entwickeln sie Strategien, um unpassende Annäherungen sanft abzuwehren.
Schon in der Jugend beginnen viele, romantisches Interesse nur vorsichtig zu zeigen – aus Angst vor Zurückweisung oder davor, peinlich aufzufallen. Diese vorsichtigen, oft subtilen Signale machen es besonders schwer, Absichten klar zu erkennen.
So entsteht eine Dynamik, in der Jungen Nähe schnell als romantisches Zeichen werten, während Mädchen dieselbe Situation als rein freundschaftlich verstehen.
Wie lassen sich Missverständnisse verhindern?
Um Missverständnisse von vornherein zu verhindern, sieht Marius Stavang beide Seiten in der Verantwortung. "Männer sollten etwas vorsichtiger sein – nur weil sie mit dir Zeit verbringt, heißt das nicht, dass sie mehr will", sagt er. Doch auch Frauen sollten im Hinterkopf behalten: "Wenn ein Junge viel "eins-zu-eins"-Zeit mit dir verbringen möchten, könnte das ein Hinweis sein, dass mehr dahintersteckt als nur Freundschaft."
Wenn man einander bereits nahesteht, sei offene Kommunikation oft besser als ein überraschender Annäherungsversuch.
"Menschen haben große Angst davor, ihre Gefühle zu offenbaren – vermutlich aus Furcht vor Zurückweisung oder Blamage", sagt Stavang. Niemand möchte eine Friendzone im eigenen sozialen Lebenslauf stehen habe.
Er selbst wurde im Übrigen auch schon "gefriendzoned". Allerdings habe er selbst aufgrund von mangelndem Selbstvertrauen meist eher unterschätzt, ob jemand an ihm interessiert war – ein Muster, das laut Studie bei Jungen eher untypisch ist.
Ob ihm seine Forschung privat hilft? Ein bisschen, sagt er. Zu verstehen, wie Menschen romantische Signale senden und wahrnehmen, könne Dating weniger verwirrend machen. Es gebe durchaus erkennbare Hinweise auf romantisches Interesse – man müsse nur wissen, worauf man achten sollte, wie kleine Berührungen, Interesse am Gespräch, aufmerksamer Blickkontakt oder offene Körperhaltung.
Sein abschließender Rat fällt trocken aus: "Sei nicht so wählerisch". Genau darum geht es auch in seiner neuesten Studie. Sie untersucht, wie anspruchsvolle Partnerwahlkriterien mit anhaltendem Single-Dasein zusammenhängen.