1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Wimbledon: Serena Williams im Einzel - ein gewagtes Comeback

22. Juni 2026

Serena Williams startet beim Tennis-Grand-Slam-Turnier in Wimbledon auch im Einzel - vier Jahre nach ihrem letzten Profimatch. Setzt sie damit ihr sportliches Vermächtnis aufs Spiel?

Serena Williams beim Tennisturnier in Berlin
Bereit für das Comeback im Einzel: Serena Williams tritt in Wimbledon anBild: Foto Olimpik/Action Plus/IMAGO

Als Björn Borg, elfmaliger Grand‑Slam‑Sieger und schon mit 26 zurückgetreten, 1991 nach fast acht Jahren Pause in den Tennis-Profizirkus zurückkehrte, verlor er sein erstes Match in Monte Carlo klar mit 2:6, 3:6 gegen Jordi Arrese. Bis zum endgültigen Karriereende 1993 gelang dem einstigen Überflieger und Popstar des Tennis kein einziger nennenswerter Erfolg.

Auch Basketball-Ikone Michael Jordan lieferte mit seiner Rückkehr in die NBA zu den Washington Wizards ein ambivalentes Beispiel: Zwar erzielte er mit über 38 Jahren noch gut 21 Punkte im Schnitt, doch blieb das Team in beiden Saisons ohne Playoff-Teilnahme und Jordan selbst bezeichnete die Entscheidung später als "einen der größten Fehler" seiner Karriere.

Der eindrücklichste und tragischste Fall ist wohl Muhammad Ali. Der "beste Boxer aller Zeiten" hätte 1978 nach seinem dritten Titelgewinn eigentlich abtreten können, kehrte aber 1980 noch einmal zurück in den Ring und wurde von Larry Holmes über viele Runden klar dominiert.

Ein paar Runden zu viel? In seinen letzten Kämpfen musste Muhammad Ali (l.) viele schwere Treffer einsteckenBild: mptv/IMAGO

Ein Jahr später verlor er auch seinen letzten Kampf gegen Trevor Berbick deutlich nach Punkten. Ali wirkte körperlich langsam, ohne Reflexe und bereits mit ersten neurologischen Auffälligkeiten - Symptome, die später als frühe Anzeichen seiner Parkinson-Erkrankung gedeutet wurden.

Serena Williams kommt zurück - auf die größte Bühne

Abschreckende Beispiele gibt es also, dennoch will auch Serena Williams, die erfolgreichste und beste Tennisspielerin seit der Jahrtausendwende, den Schritt zurück wagen - und das auf der größtmöglichen Bühne. Nachdem die 44-Jährige zuletzt in Queens und Berlin schon im Doppel wieder bei einem WTA-Turnier dabei war, wird sie in Wimbledon auch im Einzel starten.

Zwar freuen sich darüber viele Fans und Experten - Boris Becker sprach von "wundervollen Neuigkeiten" - doch wird Williams, die vor ihrem Rücktritt 2022 insgesamt 23 Grand-Slam-Titel sammelte, auch konkurrenzfähig sein?

Williams hatte sich viel Zeit gelassen für ihre Entscheidung. Ihre Wildcard war erst am letztmöglichen Tag von den Veranstaltern verkündet worden. "Serena Returns" - schrieben die Organisatoren von Wimbledon am Sonntagabend und versetzten damit die Tenniswelt in Aufruhr. Williams ist außerdem auch im Doppel am Start - in einem spektakulären Team mit ihrer älteren Schwester Venus.

"Denkt ihr, ich bin bereit für ein Einzel? Ich denke, ich muss noch üben", hatte die sonst sehr selbstbewusste Ex-Weltranglistenerste zuletzt in Berlin gesagt, wo sie zum zweiten Mal nach ihrer Rückkehr aus der Tennis-Rente im Doppel antrat. Doch schon da war zu spüren, dass es die nächste Stufe ihres Comebacks geben würde.

Zuletzt stand Williams Anfang September 2022 bei ihrem Drittrunden-Aus bei den US Open gegen Ajla Tomljanovic in einer Einzel-Konkurrenz auf dem Court.

Ob sie in Wimbledon, beim besten und prestigeträchtigsten Turnier der Welt, ab dem 29. Juni sportlich noch einmal für Furore sorgen kann, muss sich zeigen. Bei ihren beiden Doppelauftritten blitzten immer wieder Ansätze ihrer außergewöhnlichen Qualitäten auf. Nun muss sie beweisen, dass sie die körperliche und mentale Fitness mitbringt, um auch im Einzel zu bestehen.

Rückkehr nach Wimbledon nach vier Jahren

Ihren letzten Einzelsieg in Wimbledon hat Williams im Jahr 2019 im Halbfinale gegen die Tschechin Barbora Strycova erlebt. Im Finale gegen Simona Halep war sie dann chancenlos. 2020 fiel das Turnier wegen der Corona-Pandemie aus. 2021 musste Williams bei ihren Erstrundenmatch verletzt aufgeben, ein Jahr später schied sie gegen Harmony Tan in Runde eins aus.

Letzter großer Auftritt in Wimbledon: 2019 verliert Serena Williams (r.) das Finale gegen Simona Halep (l.)Bild: Lu Yang/Xinhua/IMAGO

Zuvor hatte Williams das Turnier sieben Mal gewonnen und ist in der Bestenliste gleichauf mit Steffi Graf, einzig Martina Navratilova thront mit neun Coups an der Church Road noch einmal auf einer anderen Stufe.

Vom Finale oder vom Turniersieg träumt Serena Williams allerdings sicher nicht. Ihr würde es wohl schon reichen, ein oder zwei Matches zu gewinnen. Schließlich gehörte Verlieren noch nie zu ihren großen Stärken.

23 Grand-Slam-Siege bleiben

Zudem gibt es Schlimmeres als ein verpatztes Comeback: Björn Borg ist immer noch ein Tennis-Held - seine Rückkehr auf den Platz erklärte er in einem Interview vor kurzem damit, dass er nach seiner Drogensucht wieder einen geregelten Alltag haben wollte, um sein Leben in den Griff zu bekommen. 

Michael Jordan gilt ungeachtet seiner beiden titellosen Saisons in Washington als Basketball-Ikone, der das Spiel in seiner Karriere dominiert und darüber hinaus nachhaltig geprägt hat. 

Tragisch bleibt der Fall Muhammad Ali. Zwar waren seine späten Kämpfe sicher nicht der einzige Auslöser seiner Parkinson'schen Erkrankung, aber sie könnten sie begünstigt haben. Allerdings steht Serena Williams nicht im Boxring, sondern auf dem Tennisplatz.

Und auch wenn ihre Rückkehr nicht von Erfolg gekrönt sein sollte und sie mit der jüngeren Generation nicht mehr mithalten können  sollte - 23-malige Grand-Slam-Siegerin bleibt sie trotzdem.

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen
Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen