Serena Williams startet beim Tennis-Grand-Slam-Turnier in Wimbledon auch im Einzel - vier Jahre nach ihrem letzten Profimatch. Setzt sie damit ihr sportliches Vermächtnis aufs Spiel?
Bereit für das Comeback im Einzel: Serena Williams tritt in Wimbledon anBild: Foto Olimpik/Action Plus/IMAGO
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Als Björn Borg, elfmaliger Grand‑Slam‑Sieger und schon mit 26 zurückgetreten, 1991 nach fast acht Jahren Pause in den Tennis-Profizirkus zurückkehrte, verlor er sein erstes Match in Monte Carlo klar mit 2:6, 3:6 gegen Jordi Arrese. Bis zum endgültigen Karriereende 1993 gelang dem einstigen Überflieger und Popstar des Tennis kein einziger nennenswerter Erfolg.
Auch Basketball-Ikone Michael Jordan lieferte mit seiner Rückkehr in die NBA zu den Washington Wizards ein ambivalentes Beispiel: Zwar erzielte er mit über 38 Jahren noch gut 21 Punkte im Schnitt, doch blieb das Team in beiden Saisons ohne Playoff-Teilnahme und Jordan selbst bezeichnete die Entscheidung später als "einen der größten Fehler" seiner Karriere.
Der eindrücklichste und tragischste Fall ist wohl Muhammad Ali. Der "beste Boxer aller Zeiten" hätte 1978 nach seinem dritten Titelgewinn eigentlich abtreten können, kehrte aber 1980 noch einmal zurück in den Ring und wurde von Larry Holmes über viele Runden klar dominiert.
Ein paar Runden zu viel? In seinen letzten Kämpfen musste Muhammad Ali (l.) viele schwere Treffer einsteckenBild: mptv/IMAGO
Ein Jahr später verlor er auch seinen letzten Kampf gegen Trevor Berbick deutlich nach Punkten. Ali wirkte körperlich langsam, ohne Reflexe und bereits mit ersten neurologischen Auffälligkeiten - Symptome, die später als frühe Anzeichen seiner Parkinson-Erkrankung gedeutet wurden.
Serena Williams kommt zurück - auf die größte Bühne
Abschreckende Beispiele gibt es also, dennoch will auch Serena Williams, die erfolgreichste und beste Tennisspielerin seit der Jahrtausendwende, den Schritt zurück wagen - und das auf der größtmöglichen Bühne. Nachdem die 44-Jährige zuletzt in Queens und Berlin schon im Doppel wieder bei einem WTA-Turnier dabei war, wird sie in Wimbledon auch im Einzel starten.
Zwar freuen sich darüber viele Fans und Experten - Boris Becker sprach von "wundervollen Neuigkeiten" - doch wird Williams, die vor ihrem Rücktritt 2022 insgesamt 23 Grand-Slam-Titel sammelte, auch konkurrenzfähig sein?
Williams hatte sich viel Zeit gelassen für ihre Entscheidung. Ihre Wildcard war erst am letztmöglichen Tag von den Veranstaltern verkündet worden. "Serena Returns" - schrieben die Organisatoren von Wimbledon am Sonntagabend und versetzten damit die Tenniswelt in Aufruhr. Williams ist außerdem auch im Doppel am Start - in einem spektakulären Team mit ihrer älteren Schwester Venus.
"Denkt ihr, ich bin bereit für ein Einzel? Ich denke, ich muss noch üben", hatte die sonst sehr selbstbewusste Ex-Weltranglistenerste zuletzt in Berlin gesagt, wo sie zum zweiten Mal nach ihrer Rückkehr aus der Tennis-Rente im Doppel antrat. Doch schon da war zu spüren, dass es die nächste Stufe ihres Comebacks geben würde.
Zuletzt stand Williams Anfang September 2022 bei ihrem Drittrunden-Aus bei den US Open gegen Ajla Tomljanovic in einer Einzel-Konkurrenz auf dem Court.
Ob sie in Wimbledon, beim besten und prestigeträchtigsten Turnier der Welt, ab dem 29. Juni sportlich noch einmal für Furore sorgen kann, muss sich zeigen. Bei ihren beiden Doppelauftritten blitzten immer wieder Ansätze ihrer außergewöhnlichen Qualitäten auf. Nun muss sie beweisen, dass sie die körperliche und mentale Fitness mitbringt, um auch im Einzel zu bestehen.
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Rückkehr nach Wimbledon nach vier Jahren
Ihren letzten Einzelsieg in Wimbledon hat Williams im Jahr 2019 im Halbfinale gegen die Tschechin Barbora Strycova erlebt. Im Finale gegen Simona Halep war sie dann chancenlos. 2020 fiel das Turnier wegen der Corona-Pandemie aus. 2021 musste Williams bei ihren Erstrundenmatch verletzt aufgeben, ein Jahr später schied sie gegen Harmony Tan in Runde eins aus.
Letzter großer Auftritt in Wimbledon: 2019 verliert Serena Williams (r.) das Finale gegen Simona Halep (l.)Bild: Lu Yang/Xinhua/IMAGO
Zuvor hatte Williams das Turnier sieben Mal gewonnen und ist in der Bestenliste gleichauf mit Steffi Graf, einzig Martina Navratilova thront mit neun Coups an der Church Road noch einmal auf einer anderen Stufe.
Vom Finale oder vom Turniersieg träumt Serena Williams allerdings sicher nicht. Ihr würde es wohl schon reichen, ein oder zwei Matches zu gewinnen. Schließlich gehörte Verlieren noch nie zu ihren großen Stärken.
23 Grand-Slam-Siege bleiben
Zudem gibt es Schlimmeres als ein verpatztes Comeback: Björn Borg ist immer noch ein Tennis-Held - seine Rückkehr auf den Platz erklärte er in einem Interview vor kurzem damit, dass er nach seiner Drogensucht wieder einen geregelten Alltag haben wollte, um sein Leben in den Griff zu bekommen.
Michael Jordan gilt ungeachtet seiner beiden titellosen Saisons in Washington als Basketball-Ikone, der das Spiel in seiner Karriere dominiert und darüber hinaus nachhaltig geprägt hat.
Tragisch bleibt der Fall Muhammad Ali. Zwar waren seine späten Kämpfe sicher nicht der einzige Auslöser seiner Parkinson'schen Erkrankung, aber sie könnten sie begünstigt haben. Allerdings steht Serena Williams nicht im Boxring, sondern auf dem Tennisplatz.
Und auch wenn ihre Rückkehr nicht von Erfolg gekrönt sein sollte und sie mit der jüngeren Generation nicht mehr mithalten können sollte - 23-malige Grand-Slam-Siegerin bleibt sie trotzdem.
Das Rasenturnier von Wimbledon ist das wichtigste und bedeutendste Tennisturnier der Welt. Es hat eine bewegte Geschichte, große Namen stehen in den Siegerlisten - und ganz besonders wichtig ist die Etikette.
Bild: Mike Egerton/PA Wire/picture alliance
Der "heilige Rasen" an der Church Road
Wimbledon ist das älteste und bedeutendste Tennisturnier der Welt. 1877 findet die Premiere statt. Der Grund: Der All England Lawn Tennis and Croquet Club will mit dem Turnier Geld einnehmen, um eine 10 Pfund teure neue Rasenwalze anschaffen zu können. 1922 zieht man an die Church Road um, wo das Turnier auch heute noch seine Heimat hat. Gespielt wird auf drei Haupt- und 15 Nebenplätzen.
Bild: picture alliance/Actionplus
Königliche Loge
Beim Umzug ins neue Stadion im Jahr 1922 denkt man auch an die englischen Royals. Für die Königsfamilie wird auf der Tribüne des Centre Courts eine eigene Loge, die sogenannte "Royal box", eingerichtet. Englands König Georg V. ist 1907 der erste royale Gast bei den Wimbledon Championships. In den vergangenen Jahren sind Herzogin Catherine und Prinz William regelmäßig beim Turnier dabei.
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Siegerehrung durch die Prinzessin
Catherine, die Prinzessin von Wales, übernimmt seit 2022 auch die Siegerehrungen. 52 Jahre lang erfüllte Edward, Herzog von Kent, diese ehrenvolle Aufgabe. Dabei wurde er bis 2001 stets von seiner Frau begleitet, der Herzogin. Der Herzog ist ein Cousin der verstorbenen Queen Elisabeth II. 2021 dankt er als Klubpräsident in Wimbledon ab. Nun ist die jüngere Generation an der Reihe.
Wer in Wimbledon auf den Platz möchte, dessen Kleidung hat zu 90 Prozent weiß zu sein. Das ist seit den Anfängen des Turniers so und gilt in den 90er Jahren auch für "Paradiesvogel" André Agassi, der damals normalerweise in Neonfarben auf dem Platz steht. Für Wimbledon macht er eine Ausnahme - nur auf die Radlerhose unter den Tennis-Shorts will er dann doch nicht verzichten.
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Harte Schule
Bevor die Balljungen und -mädchen in Reih und Glied auf die Courts von Wimbledon marschieren dürfen, haben sie ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen. Fünf Monate lang dauert der Drill der 14- bis 18-Jährigen, denen beigebracht wird, Bälle perfekt zu rollen und Handtücher richtig zu reichen. Von 1000 Bewerbern schaffen es jedes Jahr nur 250 auf den heiligen Rasen.
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Handarbeit
Wer spielt wann und in welcher Runde auf welchem Platz gegen wen? Bei einem Turnier wie in Wimbledon, wo neben der Einzel- auch noch die Doppel- und Mixed-Konkurrenz ausgespielt wird, ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. An der Church Road überlässt man aber nichts dem Zufall, geschweige denn dem Computer. Hier wird die Tafel stets von Hand auf dem neuesten Stand gehalten.
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Guten Appetit!
Beliebteste Zwischenmahlzeit sind bei den Wimbledon-Besuchern Erdbeeren mit Sahne. Täglich gehen unzählige Portionen "Strawberries and cream" über die Theken der Verkaufsstände. Das "Erdbeer-Team" in Wimbledon besteht aus Dutzenden Personen. Angeblich werden mittlerweile pro Turnier rund 38.000 Kilogramm der roten Früchte und etliche tausend Liter Schlagsahne verbraucht.
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Erfolgreiche Brüder
Anfangs ist das Turnier fest in britischer Hand - ausländische Spieler werden erst 1910 zugelassen. William Renshaw (r.) gewinnt zwischen 1881 und 1886 sechsmal in Folge, zweimal gegen seinen Zwillingsbruder Ernest (v.l.). William Renshaw erringt insgesamt sieben Einzeltitel in Wimbledon, womit er Rekordsieger bleibt, bis Roger Federer 2017 seinen achten Erfolg im Einzel feiert.
Bild: picture alliance/Mary Evans Picture Library
Rekordsieger
Neben William Renshaw darf auch der US-Amerikaner Pete Sampras (2.v.l.) den Siegerpokal siebenmal in die Höhe stemmen. Einen Sieg mehr hat Federer (2.v.r.), der bei den Zuschauern in Wimbledon äußerst beliebt ist. Der Schweizer gewinnt zwischen 2003 und 2007 sogar fünfmal in Serie. Gleiches schafft auch Björn Borg (l.) in den 1970er Jahren.
Bild: picture-alliance/DPPI
Ikone aus Schweden
Der langhaarige Schwede ist damals ein echter Popstar und wird vor allem von den weiblichen Fans verehrt. Borg spielt unorthodox und revolutioniert das Tennisspiel: So führt er beispielsweise die beidhändige Rückhand ein. An der Church Road heimst er zwischen 1976 und 1980 alle Titel ein und steht 1981 noch einmal im Finale, das er allerdings gegen John McEnroe verliert.
Bild: pictur-alliance/G. Cranham
Australische Dominanz
Bevor Borg die Kontrolle in Wimbledon übernimmt, ist das Turnier bei den Herren jahrzehntelang fest in australischer Hand. In den 26 Ausgaben zwischen 1946 und 1971 steht nur fünfmal kein Australier im Finale. Zehnmal ist das Endspiel in dieser Zeit sogar rein australisch. 1968 beginnt die Open-Ära, auch Profis dürfen jetzt mitspielen. Erster Sieger: Rod Laver aus Australien (Foto).
Bild: picture-alliance/dpa/UPI
In die Herzen gehechtet
Einen Wimbledonsieg weniger als Laver - nämlich drei - hat Boris Becker auf dem Konto. Der rothaarige Deutsche gewinnt 1985 überraschend als 17-Jähriger und erobert die Herzen der Londoner Zuschauer im Sturm. Sein Markenzeichen: der Becker-Hecht. Becker nennt den Centre Court sein Wohnzimmer. Allerdings verliert er insgesamt mehr Wimbledon-Endspiele (4), als er gewinnt (3).
Bild: picture alliance/dpa/R. Schrader
Kein Duell unter Freunden
Die bitterste Finalniederlage ist wohl die von 1991 gegen Michael Stich. Die beiden spielen zwar gemeinsam in einem Davis-Cup-Team, Freunde sind sie aber nicht - eher im Gegenteil. Stich, stets im Schatten Beckers stehend, zieht eiskalt sein Spiel durch und gewinnt glatt in drei Sätzen. Becker lässt seinem Frust freien Lauf: "Ich spiele einen Mist", brüllt er über den Court. "Ich mag nicht mehr."
Bild: picture alliance/Augenklick/Rauchensteiner
Endlich wieder ein Brite
Besonders glücklich macht Andy Murray die Zuschauer in Wimbledon, als er das Turnier 2013 gewinnt. Endlich, wird der überwiegende Großteil der Tennisfans von der Insel damals gedacht haben. 77 Jahre nach dem Engländer Fred Perry darf mit dem Schotten Murray wieder ein Brite den goldenen Siegerpokal in Empfang nehmen und seinen Kuss darauf drücken.
Bild: picture alliance/PA Wire/J. Brady
Deutsches Finale
Für deutsche Spielerinnen und Spieler sind zunächst die 1930er Jahre die erfolgreichste Zeit in Wimbledon. Gottfried von Cramm steht zwischen 1935 und 1937 jeweils im Finale, verliert aber dreimal. 1931 gewinnt Cilly Aussem (l.) gegen Landsfrau Hilde Krahwinkel-Sperling (r.). Es folgt eine ähnlich lange Durststrecke wie bei den Briten. Erst 57 Jahre später gibt es den nächsten deutschen Erfolg.
Bild: picture alliance/IMAGNO/Austrian Archives
Die Ära der Gräfin
Dann allerdings kommen die Erfolge direkt in Serie: Steffi Graf feiert ihre sieben Wimbledonsiege zwischen 1988 und 1996 (Foto) und ist damit in dieser Phase die dominante Figur des Turniers. Ihr erstes Endspiel im Jahr 1987 verliert sie noch. 1999 erreicht sie zum letzten Mal das Finale, zieht aber gegen die US-Amerikanerin Lindsay Davenport den Kürzeren.
Bild: picture alliance/Photoshot
Ungläubige Nachfolgerin
Erst 2018, 22 Jahre nach Graf, gewinnt mit Angelique Kerber erneut eine Deutsche das Turnier an der Church Road und kann ihren 6:3, 6:3-Erfolg gegen Serena Williams, die erst wenige Monate zuvor aus der Babypause zurückgekehrt ist, kaum fassen. Es ist der dritte Anlauf auf die Graf-Nachfolge: 2013 verliert Sabine Lisicki gegen Marion Bartoli, 2016 muss sich Kerber Serena Williams geschlagen geben.
Bild: Reuters/A. Boyers
Die Queen von Wimbledon
Williams hat wie Graf sieben Einzelerfolge in Wimbledon erreicht. Die erfolgreichste Spielerin aller Zeiten ist aber Steffi Grafs Dauerrivalin Martina Navratilova. Die gebürtige Tschechin gewinnt das Turnier neunmal. Zwischen 1982 und 1990 steht sie immer im Finale. Auch ihre sechs Siege in Serie zwischen 1982 und 1987 sind Rekord.