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Wird der Goldpreis neue Höhen erklimmen?

Dirk Kaufmann
12. März 2026

Gold, so ein geflügeltes Wort, ist ein sicherer Hafen, in dem man sein Geld in Sicherheit bringen kann. Vor allem in Kriegs- und Krisenzeiten. Jetzt ist Krieg in Nahost - und der Goldpreis bleibt stabil. Was ist da los?

Symbolbild 2026 | Goldbarren auf einem Börsenchart bei einem Goldpreis über 5000 US-Dollar
Goldbarren und Goldmünzen als Anlage in Krisenzeiten? Ganz so einfach ist es nicht, die Kurse steigen nicht automatisch mit jeder KriseBild: Wolfilser/IMAGO

Eine der bekanntesten Börsenweisheiten lautet: "Kaufe, wenn die Kanonen donnern!" Mit anderen Worten, wenn es Krieg gibt und die Zeiten unsicher werden, soll man investieren.

Diejenigen, die ihr Geld in Sicherheit bringen wollen, investieren oft in Gold - auch wenn Gold in unsicheren Zeiten nicht billig zu haben ist. Gerade in Krisenzeiten, wenn eine Pandemie das Leben beherrscht oder ein Krieg ausbricht, ist Gold deshalb gefragt. Der Goldpreis steigt dann, wie zuletzt in den ersten Wochen dieses Jahres.

Steigt der Preis weiter, kann das so angelegte Vermögen nicht nur abgesichert werden, es könnte sich mit etwas Glück sogar noch vermehren. Haben wir also derzeit gute Zeiten für Spekulanten?

Gold ist eher kein Spekulationsinvestment, sondern ein Sicherheitsprodukt. Dafür spricht die Entwicklung des Goldpreises in den letzten Monaten, der immer neue vorläufige Höchststände erreichte - analog zur angespannten weltpolitischen Lage. Sein bis heute gültiges "Allzeithoch" verzeichnete das Edelmetall laut dem Vergleichsportal Gold.de jedoch am 28. Januar 2026 mit 5417,60 US-Dollar pro Feinunze.

Im Zuge des Iran-Kriegs ist der Kurs aber - trotz erhöhter Unsicherheit am Markt - nicht weiter gestiegen. Eine Woche nach Kriegsbeginn am 28. Februar notierte Gold kurzfristig noch bei 5327,42 und hat sich mittlerweile aber zwischen 5000 und 5200 US-Dollareingependelt.

Jetzt donnern die Kanonen …

Für Michael Hsueh, den Leiter der Abteilung Metals Research bei der Deutschen Bank, kommt das nicht überraschend. Der Goldpreis sei zwar nach einem Krisenereignis im Durchschnitt höher, es gäbe "jedoch größere Unterschiede zwischen den einzelnen Fällen, als der Durchschnitt vermuten lässt." Der DW sagte er, die Deutsche Bank habe das etwa im vergangenen Jahr nach den Angriffen Israels auf den Iran beobachtet.

… und das Gold wird nicht teurer

Diese Beobachtung macht Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank, auch beim Blick auf den aktuellen Konflikt: "Der Goldpreis konnte von der Unsicherheit wegen des Iran-Krieges nicht profitieren", sagte er der DW: "Im Gegenteil, er notiert sogar niedriger als vor Kriegsbeginn."

Für dieses Phänomen hat er vor allem zwei Erklärungen: Gold wird in Dollar gehandelt. Mit der Aufwertung des US-Dollars wird Gold für Käufer aus anderen Währungen teurer. Sie fragen weniger nach, was den Preis tendenziell sinken lässt.

Außerdem führen die steigenden Ölpreise zu höheren Preisen. Bei einer höheren Inflation wird aber eine Leitzinssenkung der US-Notenbank unwahrscheinlicher. Die Erwartung der Anleger, dass die Zinsen eher höher bleiben, macht Gold weniger attraktiv, da Gold keine Zinsen bringt, andere Anlagen aber schon. 

Sowohl die Aufwertung des US-Dollars als auch die kräftig gestiegenen Ölpreis würden sich negativ auf den Goldpreis auswirken, so Fritsch.

Ein überhitzter Markt

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach ist als Geschäftsführer der Fragold GmbH Berater privater und institutioneller Investoren, ist von der gegenwärtige Seitwärtsbewegung beim Goldpreis nicht überrascht. Hier zeige sich eine Marktberuhigung: "Der Anstieg des Goldpreises und der Notierungen anderer Edelmetalle im letzten Quartal und im Januar war losgekoppelt von den tatsächlichen fundamentalen Daten und deshalb zuletzt völlig übertrieben."                                                                                            

Tatsächlich habe der starke Preisanstieg dazu geführt, so der Fragold-Experte zur DW, "dass die für den Goldmarkt wichtige Schmucknachfrage im vierten Quartal auf dem mit Abstand tiefsten Stand der letzten 15 Jahre lag, auch die Zentralbanken hielten sich angesichts der hohen Preis zurück, die (immerhin noch) 230 Tonnen waren der zweitschwächste Wert für die Nachfrage seitens der Notenbanken in einem vierten Quartal der vergangenen fünf Jahre."

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Die Hausse auf dem Goldmarkt führt er zurück auf Preistreiber: "Käufe von Investoren und Spekulanten, die auf fallende Kurse gewettet hatten". Sie müssten sich nun zur Verlustbegrenzung mit Gold auf einem höheren Preisniveau eindecken. Sein Fazit: "Der deutliche Rückgang am 30. Januar und danach führte die vorherige Übertreibung deutlich vor Augen."

So sieht das auch Carsten Fritsch: "Der Preisanstieg im Januar war eine Übertreibung und mit herkömmlichen Einflussfaktoren nicht mehr zu erklären. Da spielten auch Gier und die Sorge, den Preisanstieg zu verpassen, eine wichtige Rolle."                            

Nicht nur Gold glänzt

Nicht nur das weltweit begehrte Gold hat derzeit Hochkonjunktur. Auch Silber ist stark nachgefragt und deshalb teuer. Doch bei diesem Edelmetall sieht Wrzesniok-Roßbach keine Kursblase: "Was den Silberpreis angeht, sehe ich den Preis tatsächlich fundamental sehr gut gestützt und meiner Meinung nach müssen wir uns dauerhaft auf ein hohes Preisniveau und damit eine komplette Neubewertung einstellen."

Auch die Silberpreise zogen in den vergangenen Monaten stark anBild: Denis Balibouse/REUTERS

Frank Schallenberger, Rohstoffexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sieht das nicht so. Die Nachfrage nach Silber werde im Gegenteil sogar nachlassen: "In den kommenden Monaten werden voraussichtlich die abnehmende Dynamik in der Solarindustrie, die schwache Weltkonjunktur sowie eine weiter sinkende Schmucknachfrage den Silberpreis belasten."

Und wie geht es weiter?

Um eine Prognose gebeten, zeichnete er ein differenziertes Bild des Silbermarktes: "Ob der Silbermarkt 2026 im sechsten Jahr in Folge ein Angebotsdefizit aufweisen wird, ist fraglich - sollten die Verkäufe der Silber-ETCs im weiteren Jahresverlauf anhalten, könnte die Marktbilanz durchaus in einem Angebotsüberschuss münden."

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach sieht den Silberpreis dagegen eher steigend, und macht als Haupttreiber dafür "die Elektrifizierung der Welt, vor allem die Photovoltaik" aus. Er wäre "nicht überrascht, wenn sich der Silberpreis deshalb in absehbarer Zeit dauerhaft bei über 100 $/Unze festsetzt."

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Beim Goldpreis mahnt Frank Schallenberger zur Vorsicht. "Die bereits chronisch schwache Schmucknachfrage und die Zurückhaltung der Notenbanken bei der Aufstockung ihrer Goldbestände dürften die Dynamik der Gold-Hausse in den kommenden Monaten bremsen. Die US-Politik bleibt ein Unsicherheitsfaktor, weil sie vermutlich auch weiterhin für die eine oder andere Überraschung an den Finanzmärkten gut sein wird." Beruhigend fügt er hinzu: "Gold sollte damit weiterhin als sicherer Hafen gefragt bleiben.

"Sollte der Krieg zu Ende gehen," sagte uns Carsten Fritsch von der Commerzbank beim Blick in die hoffentlich nahe Zukunft, "dürften der US-Dollar und der Ölpreis wieder fallen, was positiv für den Gold- und Silberpreis wäre." Ob die Preise daraufhin dann aber wieder stiegen würden, werde "stark davon abhängen, wie der Ölpreisanstieg auf die Inflation durchschlägt und wie die Zentralbanken darauf reagieren."

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