1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Herbstumfrage unter 3000 deutschen Unternehmen

Richard A. Fuchs, Berlin 17. November 2014

Das Arbeitgeber-nahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat Unternehmen nach ihren Konjunktur-Aussichten befragt. Ihr Fazit: Es droht keine Rezession, aber ein anhaltend niedriges Wachstum.

Deutschland Konjunkturabschwächung Archivbild 2010
Hier war auch schon voller! Deutschlands Export bricht nicht ein, muss sich aber laut Wirtschaftsforschern auf härtere Zeiten einstellen.Bild: AFP/Getty Images/P. Stollarz

Bei Deutschlands Firmenlenkern schwindet die Zuversicht. Zu diesem Ergebnis kommt die Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Das IW Köln, ein den deutschen Arbeitgebern nahestehendes Wirtschaftsforschungsinstitut, legte am Montag (17.11.2014) in Berlin seinen zweiten Halbjahresbericht vor. In dieser sogenannten "Herbstumfrage" wurden rund 3000 Unternehmen nach ihren Geschäftsaussichten befragt. Das Ergebnis ist für IW-Direktor Michael Hüther kein Grund zur Freude: "Die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle, und sie tut es nicht das erste Mal."

IW-Wachstumsprognose auf 1 ¼ Prozent gesenkt

Die schwache Konjunktur im Euroraum und die ungelöste Ukraine-Krise wirke sich jetzt spürbar auch auf das Gemüt der befragten Firmenchefs und -chefinnen aus, so Hüther. Ähnlich wie der Sachverständigenrat der Bundesregierung prognostiziert deshalb auch das Institut der deutschen Wirtschaft jetzt nur noch ein Mini-Wachstum für Deutschland. 1 ¼ Prozent in diesem Jahr – und voraussichtlich auch im Nächsten. "Die deutsche Wirtschaft macht also eine Seitwärtsbewegung", sagt Hüther. Doch er weist auch darauf hin, dass die Inlandsnachfrage noch immer dynamisch sei und der Konsum, dank eines anhaltend robusten Arbeitsmarktes, auf hohem Niveau weitergehe.

Er halt Dregulierung für das Maß aller Dinge: IW-Direktor Michael HütherBild: DW/Z. Danhong

Mit 43 Millionen Arbeitsplätzen erlebt die deutsche Wirtschaft derzeit einen Allzeitrekord bei der Beschäftigung. Doch der Jobzuwachs könnte sich laut Umfrageergebnissen der Wirtschaftsforscher deutlich verlangsamen, sagt Michael Hüther. Ein leichtes Plus könnte es demnach bei der Beschäftigung noch geben, mehr aber nicht. "Für 2015 erwarten nur noch 23 Prozent der Unternehmen eine höhere Mitarbeiterzahl, im Frühjahr waren es 38 Prozent."

Ostdeutsche Unternehmen leiden unter Russland-Sanktionen besonders

Bei den Erwartungen zur Produktion herrscht laut Umfrageergebnissen ebenfalls der Pessimismus vor. Rund ein Fünftel aller Unternehmen rechnet mit einem Produktions-Minus im kommenden Jahr. Im Frühjahr war die Zahl der Pessimisten laut Vorgängerumfrage noch überschaubarer: Damals war jeder zehnte Betrieb skeptisch. Besonders skeptisch, so IW-Direktor Hüther, seien derzeit Betriebe in Ostdeutschland. "Ich denke, hier finden wir den Reflex, dass die Sanktionen Richtung Russland den Maschinenbau und das verarbeitende Gewerbe in den neuen Bundesländern stärker belastet, als das für die westlichen Bundesländer der Fall ist". Als Gründe sieht Hüther vor allem die nach der Wende wieder aufgenommen traditionellen Lieferbeziehungen, die jetzt, in Zeiten umfangreicher Russland-Sanktionen, natürlich zu Auftragsausfällen führen.

Auch die traditionell starke Exportbranche in Deutschland dürfte laut IW-Umfrage nicht ungeschoren davonkommen. Werden die Exportaussichten im Industrie-Sektor noch am Besten eingeschätzt, seien vor allem in der Dienstleitungs- und Baubranche die Aussichten für viele Exporteure mau, so Hüther: "Für das Jahr 2015 erwarten nur noch 24 Prozent der deutschen Firmen eine Exportsteigerung, knapp 18 Prozent gehen von einem Rückgang aus". Für rund 60 Prozent aller Unternehmen schätzen die Chefs, dass die Lage stabil bleiben dürfte.

Ist die Frauenquote für Führungsetagen in Unternehmen eine Wachstumsbremse? Das IW Köln findet ja, viele Gewerkschaften widersprechenBild: picture-alliance/dpa/T. Brakemeier

Frühverrentung und Mindestlohn sind laut Forscher Wachstumsbremsen

Dass die deutsche Wirtschaft in naher Zukunft aber tatsächlich mehr und mehr mit einem Mini-Wachstum vor sich hindümpeln könnte, das machen die IW-Wirtschaftsforscher vor allem an der mangelnden Investitionsbereitschaft der Unternehmen fest. So legt die jüngste IW-Herbstumfrage nahe, dass im nächsten Jahr nur noch drei von zehn Unternehmen höhere Investitionen planen. Die Hälfte aller Unternehmen gibt an, ihre Investitionen stabil zu halten. Trübe Aussichten, finden die Forscher vom IW und raten der Bundesregierung vor allem eines: Deutschlands Unternehmen dürften jetzt nicht durch mehr Bürokratie und mehr Pflichten zu Sozialausgaben belastet werden, fordert Hüther. Und damit macht er keinen Hehl daraus, dass er die Beschlüsse der schwarz-rote Bundesregierung zu Frühverrentung, Mindestlohn und weniger Zeitarbeit grundsätzlich falsch findet. Ob all das aber wirklich zum deutschen Mini-Wachstum beigetragen hat, da stochert das IW selbst noch ein bisschen im Nebel. Ebenso wie sich die Forscher nicht erklären können, warum das deutsche Beschäftigungswunder auch trotz Mini-Wachstum noch immer anhält. Deutschlands wirtschaftliche Verfassung wirft derzeit also Fragen auf, die auch Experten ins Grübeln bringen.