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SportGlobal

Afrikanische Teams bei WM - Hoffen auf Halbfinale

Ololade Adewuyi
5. Dezember 2022

Die Bilanz afrikanischer Teams bei der WM in Katar kann sich bisher sehen lassen. Schafft es mit Marokko nach dem Ausscheiden des Senegal diesmal vielleicht sogar ein Team des Kontinents erstmals in ein WM-Halbfinale?

Nach dem Achtelfinal-Einzug lassen Marokkos Spieler Nationaltrainer Walid Regragui hochleben, indem sie hoch werfen. Regragui lacht.
Nach dem Achtelfinal-Einzug lassen Marokkos Spieler Nationaltrainer Walid Regragui hochlebenBild: PATRICK T. FALLON/AFP

Zwei der fünf afrikanischen WM-Starter haben die erste K.o.-Runde des Turniers in Katar erreicht. Schon das kann als Erfolg gewertet werden - auch wenn für das Team aus dem Senegal im Achtelfinale gegen England Endstation war. Schließlich hatten bei der WM 2018 alle afrikanischen Teams bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten müssen. Marokko beendete die Gruppe F sogar als Sieger, Senegal wurde in der Gruppe A Zweiter hinter den Niederlanden.

Doch auch die anderen Teams können erhobenen Hauptes heimkehren: Tunesien, Kamerun und Ghana gewannen jeweils eines ihrer drei Spiele. Insgesamt kamen die afrikanischen Mannschaften auf sieben Siege in 15 Spielen – bei der letzten WM waren es nur zwei Erfolge.

Senegal auch ohne Mané im Achtelfinale

Vor der WM lag der größte Druck auf dem Team Senegals. Der Afrikameister 2022 sollte den anderen Teams des Kontinents den Weg ins Achtelfinale weisen. Und die Mannschaft von Trainer Aliou Cissé lieferte. Nach der Auftaktniederlage gegen die Niederlande gewannen die "Löwen von Teranga" gegen Gastgeber Katar und Ecuador. Und das, obwohl der Kapitän der Mannschaft, Superstar Sadio Mané vom Bundeslisten FC Bayern München, kurz vor dem Turnierstart verletzt hatte absagen müssen. 

Zwischenziel erreicht - jetzt trifft Senegal im Achtelfinale auf EnglandBild: THAIER AL-SUDANI/REUTERS

Cissé hoffte vor der Partie gegen England, dass es seine Mannschaft als erstes afrikanisches Team bei einer WM bis mindestens ins Halbfinale schafft. "Wir haben die senegalesische und die afrikanische Flagge gehisst", sagte der Nationaltrainer nach dem Sieg gegen Ecuador selbstbewusst. "Die englischen Spieler sind nicht besser als wir", sagte Issa Laye, Chef einer senegalischen Fan-Organisation, der DW. "Wir sind sehr optimistisch, dass Senegal ins Finale kommt." Im ersten K.o.-Duell waren die Engländer dann aber zu stark. Mit einem klaren 3:0 (2:0) zogen sie statt den Westafrikanern in die Runde der besten Acht ein.

Marokko blüht in Katar auf

Marokko gehört bisher zu den großen Überraschungen der WM. Immerhin warfen die "Löwen vom Atlas" in ihrer Gruppe mit Belgien den letztmaligen WM-Dritten aus dem Turnier und ließen auch Vizeweltmeister Kroatien hinter sich. Marokko ist der erste afrikanische Gruppensieger seit Nigeria bei der WM 1998 in Frankreich. Angetrieben wird das Team von Tausenden marokkanischer Fans, die in den Stadien Katars für Heimspielatmosphäre sorgen.

Marokkos Fans sind begeistert von den Auftritten der MannschaftBild: Stu Forster/Getty Images

"Wir haben so viele Jahre [seit der WM 1998 - Anm. d. Red.] auf einen Sieg gewartet. Und jetzt haben schon zwei Siege in einem Turnier", sagte Nationaltrainer Hoalid Regragui. "Das ist großartig." Die Mannschaft will die Euphorie aus der Vorrunde mit in die K.o-Phase nehmen. Das wird auch nötig sein, denn im Achtelfinale wartet am Dienstag (Anstoß 16 Uhr MEZ) mit Spanien ein weiterer starker Gegner.

Tunesien dreht zu spät auf

Beim Team Tunesiens überwiegt trotz des überraschenden 1:0-Siegs im Gruppenfinale gegen Weltmeister Frankreich noch die Enttäuschung über das Ausscheiden. "Wir haben ein großes Spiel abgeliefert und einen großen Sieg gefeiert. Aber leider hat uns die Niederlage gegen Australien [im zweiten Gruppenspiel - Anm. d. Red.] das Turnier gekostet", sagte Linksverteidiger Mohamed Dräger der DW. Weil Australien im letzten Gruppenspiel Dänemark besiegte, reichten den Tunesiern insgesamt vier Punkte nicht, um ins Achtelfinale einzuziehen.

Die frühere Kolonialmacht Frankreich besiegt und doch ausgeschieden: Das Team TunesiensBild: Clive Mason/Getty Images

"Wir müssen uns selbst die Schuld geben, weil wir in den ersten beiden Spielen nicht das Richtige getan haben. Das hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Aber ich denke, das tunesische Volk ist stolz auf uns", sagte Kapitän Wahbi Khazri, der im Prestigeduell gegen Frankreich den Siegtreffer erzielt hatte.

Ghana scheitert erneut an Suarez

Der Mannschaft Ghanas hätte ein Punkt im letzten Gruppenspiel gegen Uruguay für den Einzug in die erste K.o.-Runde gereicht. Stattdessen verlor das Team des früheren Bundesligaprofis Otto Addo mit 0:2. Dazu verschoss André Ayew einen Foulelfmeter für Ghana. Das weckte schmerzhafte Erinnerungen an die bittere Niederlage nach Elfmeterschießen gegen denselben Gegner im Viertelfinale der WM 2010 in Südafrika. Und auch die ersehnte Rache an Uruguays Stürmerstar Luis Suarez misslang. Der hatte 2010 in der letzten Minute der Verlängerung mit einem absichtlichen Handspiel den Siegtreffer Ghanas verhindert. Suarez bereitete diesmal beide Tore für Giorgian de Arrascaeta vor.

Der Anfang vom Ende: André Ayew verschießt beim Stand von 0:0 den Elfmeter gegen UruguayBild: Zheng Huansong/Xinhua/IMAGO

Eine kleine Genugtuung gab es dann doch noch für die Ghanaer: Sie jubelten, als sie erfuhren, dass Suarez und Co. ebenfalls ausgeschieden waren, weil Südkorea mit einem Überraschungssieg gegen Gruppensieger Portugal das andere Achtelfinal-Ticket gelöst hatte. Otto Addo trat nach dem Spiel zurück, seine junge Mannschaft steht zunächst ohne Trainer da. "Für fast 90 Prozent von uns war es die erste Weltmeisterschaft", sagte Mittelfeldspieler Mohammed Kudus. "Das war eine große Lektion für mich und viele der Jungs. Diese Erfahrung wird uns stärken und voranbringen."

Kameruns Löwen brüllen zu spät

Mit leeren Händen stand am Ende die Mannschaft Kameruns da. Zwar gewannen die "Unbezähmbaren Löwen" ihr letztes Spiel gegen Turnierfavorit Brasilien, das bereits als Achtelfinalist feststand und mit zahlreichen Reservespielern antrat, mit 1:0. Doch der Sieg nutzte nichts, da die Schweiz im Parallelspiel Serbien besiegte und sich damit Platz zwei in der Gruppe sicherte.

Vincent Aboubakar (l.) erzielte den Siegtreffer Kameruns gegen BrasilienBild: JEWEL SAMAD/AFP

Nationaltrainer Rigobert Song musste sich einige Kritik anhören: Warum ließ er Vincent Aboubakar, den Siegtorschützen des Brasilien-Spiels, in den ersten beiden Spielen auf der Bank? Warum verbannte er Stammtorhüter Andre Onana aus disziplinarischen Gründen aus dem Mannschaftsquartier?

"Wir bedauern das", sagte Song nach dem Sieg gegen Frankreich, der den WM-K.o. nicht abwenden konnte. "Aber man muss das Positive sehen. Ich bin mit der Leistung von heute Abend zufrieden." Kamerun misslang damit ein weiterer Versuch, den Zauber von 1990 zu wiederholen, als die Afrikaner bei der WM in Italien bis ins Viertelfinale vorgestoßen waren.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert und am 5. Dezember aktualisiert.