Wo steht Europa im US‑israelischen Krieg mit Iran?
7. März 2026
Die Europäische Union (EU) hat gemeinsam mit Großbritannien zur Einhaltung des Völkerrechts aufgerufen und das iranische Regime verurteilt. Bisher ist es ihnen jedoch nicht gelungen, einen gemeinsamen Ansatz zu formulieren. Stattdessen wirken sie zerstritten, während sich im Nahen Osten eine große Krise mit möglichen Auswirkungen auf Europa und die Welt entfaltet.
Doch nach dem Drohnenangriff Irans auf Zypern - ein EU‑Territorium - und den anhaltenden Angriffen des Regimes auf Einrichtungen in den Golfstaaten, stellt sich die Frage, ob Europa weiter abseits stehen kann. Nach Ansicht von Experten scheinen die europäischen Staaten eher auf eine defensive Strategie zu setzen, statt sich militärisch einzumischen.
Einig über Verteidigungsmaßnahmen
Cornelius Adebahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), sagte, dass die EU‑Mitgliedstaaten und das Vereinigte Königreich einig darin seien, Verteidigungsmaßnahmen zu ergreifen, sollte ein europäisches Land angegriffen werden. Auch wollen sie die Golfstaaten unterstützen, wo sie können. Allerdings, so fügte er hinzu, herrsche Uneinigkeit über Trumps Kriegsziele und darüber, in welchem Ausmaß man die US‑Operationen gegen Iran unterstützen solle.
"Es wird keine einheitliche Position zum Krieg geben", sagte Adebahr der DW. "Andererseits wird keiner der Mitgliedstaaten direkt in den Krieg eintreten; sie werden keine aktive Rolle an der Seite der USA oder Israels spielen."
Am Mittwoch sagte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, dass US‑Präsident Donald Trump von "allen unseren europäischen Verbündeten" erwarte, den Krieg der USA und Israels gegen Iran zu unterstützen. Ziel sei es, "das ruchlose iranische Regime zu zerschlagen, das nicht nur Amerika bedroht, sondern auch unsere europäischen Verbündeten".
Zuvor hatte sich Trump irritiert über die Verzögerungen bei der europäischen Unterstützung gezeigt. Der britische Premierminister Keir Starmer hatte Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Krieges geäußert: Großbritannien glaube nicht an einen "Regimewechsel aus der Luft". Dennoch erlaubte das Vereinigte Königreich den USA die Nutzung zweier britischer Stützpunkte. Trump erklärte: "Das ist nicht Winston Churchill, mit dem wir es hier zu tun haben."
"Kompromiss unter US‑Druck"
Großbritannien ist nicht Teil der EU, aber ein Schlüsselland der sogenannten "E3" - Deutschland, Frankreich, Großbritannien. Sie sind die Mitunterzeichner des US‑iranischen Atomabkommens und maßgebliche Architekten der EU‑Iranpolitik.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erhielt hingegen Lob, als er am Mittwoch das Weiße Haus besuchte. Trump nannte Merz einen "exzellenten Führer", da dieser sich hinter Trumps Ziel gestellt habe, ein "schreckliches" Regime zu stürzen, und den US‑Streitkräften die Nutzung der Air Base Ramstein erlaubt habe.
Frankreich hat eine befristete Landung amerikanischer Flugzeuge auf bestimmten französischen Stützpunkten genehmigt - allerdings erst, nachdem Paris Garantien erhalten hatte, dass die Flugzeuge nicht für Angriffe auf den Iran genutzt würden, sondern ausschließlich zur "Unterstützung der Verteidigung unserer Partner in der Region", wie ein französischer Offizieller der Nachrichtenagentur Reuters sagte.
Italiens Premierministerin Giorgia Meloni erklärte, Rom habe bislang keine Anfrage der USA zur Nutzung seiner Stützpunkte erhalten. Italien könnte jedoch Luftverteidigungssysteme für Golfstaaten bereitstellen.
Antonio Giustozzi vom Think Tank RUSI in London sagte der DW, die begrenzte Nutzung europäischer Stützpunkte sei "ein Kompromiss unter US‑Druck, etwas tun zu müssen".
Wie bedroht Iran die EU und das Vereinigte Königreich?
Der iranische Drohnenangriff auf einen britischen Luftwaffenstützpunkt auf Zypern hat Europa aufgeschreckt: Italien, Griechenland, die Niederlande und Frankreich entsendeten daraufhin Marineeinheiten nach Zypern.
"Iran weiß genau, dass dies ein Angriff auf einen EU‑Staat ist", sagte Trita Pars vom Think Tank Quincy Institute in Washington. Teheran scheine entschlossen, den Krieg nicht nur auf die Golfstaaten, sondern auch auf Europa auszuweiten. Er verwies auf einen Angriff auf einen französischen Stützpunkt in den Vereinigten Arabischen Emiraten und sagte, Iran scheine zu glauben, "damit der Krieg enden kann, müsse auch Europa einen Preis zahlen".
NATO‑Generalsekretär Mark Rutte warnte, Teheran stelle nicht nur für Israel, sondern auch für Europa eine Bedrohung dar. Er beschrieb Iran als "Exporteur des Chaos", verantwortlich für "Terroranschläge und Mordversuche, auch gegen Menschen auf europäischem Boden".
Kallas: Noch kein Migrationsdruck
Weitere Sorgen bereiten steigende Energiepreise sowie potenzielle Migration aus Iran über die Türkei nach Europa. EU‑Chefdiplomatin Kaja Kallas erklärte, es gebe derzeit zwar noch keinen Migrationsdruck, aber die EU müsse vorbereitet sein, falls der Krieg anhält.
Einige Experten glauben, dass die Gefahr für Europa größer werden könnte, falls es sich aktiv an einem Konflikt mit dem Iran beteiligt. "Wenn sich die Europäer einmischen, könnte daraus eine Bedrohung entstehen. Das ist eine Sorge Großbritanniens und Frankreichs", sagte RUSI‑Experte Giustozzi.
"Das ist nicht unser Krieg"
Cornelius Adebahr von der DGAP meint, der EU fehle es an Kohärenz, da Staaten ihre nationalen Interessen und innenpolitische Stimmungen in den Vordergrund stellten. So hat der spanische Premierminister Pedro Sánchez den Krieg vehement abgelehnt und sich geweigert, den USA Zugang zu spanischen Stützpunkten für Angriffe auf den Iran zu gewähren. Deutschland hingegen liegt am anderen Ende des Spektrums.
Die meisten europäischen Staaten legen den Fokus eher auf die Ukraine - und auf die wirtschaftlichen Folgen der angespannten transatlantischen Beziehungen. "Es gibt das Gefühl: 'Das ist nicht unser Krieg, wir haben die Ukraine, um die wir uns kümmern müssen'", sagte Adebahr.
Die EU-Außenbeauftragte Kallas erklärte, der Krieg mit dem Iran schade der Ukraine, da militärische Ausrüstung - etwa Luftverteidigungssysteme -, die eigentlich im Krieg gegen Russland gebraucht würden, in den Nahen Osten ginge. Zudem warnte sie, dass steigende Ölpreise und eine gedrosselte Ölproduktion der Golfstaaten Russland helfen könnten, mehr Käufer für sein eigenes Öl zu finden. Das wiederum würde Russlands Kriegskasse füllen und die Angriffe auf die Ukraine weiter finanzieren - und Europa zusätzlich in Alarmbereitschaft versetzen.
KI-unterstützte Adaption aus dem Englischen von Sabine Faber