1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Woher kam Jeffrey Epsteins Reichtum?

19. Februar 2026

Der US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bewegte sich in elitären Kreisen. Sein Reichtum basierte vor allem auf seiner Tätigkeit als Finanzberater für Milliardäre - und auf zweifelhaften Geschäftspraktiken.

Veröffentlichte Jeffrey Epstein-Dokumente des US-Justizministeriums
Ein halb verdecktes, undeutliches Bild von Jeffrey Epstein in den veröffentlichten Akten des US-JustizministeriumsBild: Vladislav Nekrasov/SOPA Images/ZUMA/picture alliance

Wie kam Jeffrey Epstein - ein Studienabbrecher, der zunächst Mathematik und Physik unterrichtete - zu seinem riesigen Vermögen? Am Anfang seines Berufslebens hatte der Mann, der aus einer Arbeiterfamilie in Coney Island, New York, stammte, einfach viel Glück.

Durch Kontakte erhielt Epstein einen Job bei der Investmentbank Bear Stearns, der ihm Einblicke in die Welt der Hochfinanz verschaffte. 1980 wurde er Kommanditist - das heißt, er war der Bank auch als Investor verbunden. Nach fünf Jahren verließ er Bear Stearns, nutzte aber seine dort geknüpften Kontakte.

Ein Schattenmann der Finanzwelt

In der Folge tauchte sein Name in Finanzkreisen immer wieder auf, doch es war schwer zu sagen, was er tatsächlich getan hatte. "Er war ein Rätsel", sagte Charles Gasparino, leitender Korrespondent des Fox Business Network, in der Netflix-Dokumentation "Jeffrey Epstein: Filthy Rich" aus dem Jahr 2020.

Stets in engem Kontakt zu den Reichen und Mächtigen: Epstein mit Ex-Trump-Berater Steve BannonBild: House Oversight Committee Democrats/REUTERS

Normalerweise hinterlassen die Leute an der Wall Street Spuren, doch Epstein war schwer fassbar. "Da war dieser Typ, über den alle redeten, der aber in der Investmentwelt kaum Spuren hinterlassen hatte", sagte Gasparino.

Epstein und das Schneeballsystem

Steven Hoffenberg, der ehemalige CEO der Towers Financial Corporation, behauptete, einen Teil der Geschichte zu kennen. Ende der 1980er-Jahre stellte er Epstein ein, der laut einem Interview in der Netflix-Dokumentation sein "Komplize" wurde. Hoffenberg betrieb ein Schneeballsystem im Umfang von 387 Millionen Euro. Epstein "übernahm den Wertpapierhandel, den Handel mit gefälschten Vermögenswerten, manipulierte Aktienkurse und handelte illegal mit Aktien", so Hoffenberg.

Epstein-Files: Kommt die Wahrheit jetzt ans Licht?

02:24

This browser does not support the video element.

1993 brach das System zusammen. Hoffenberg bekannte sich schuldig und wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Epstein wurde nie angeklagt. Es ist daher schwer zu sagen, welche Rolle genau er gespielt hatte und welchen finanziellen Gewinn er erzielte.

Die Verbindung zu Les Wexner

Mitte der 1980er-Jahre lernte Epstein Les Wexner kennen, den in Columbus, Ohio, ansässigen Einzelhandelsmagnaten hinter den Textilfirmen Victoria's Secret und The Limited. Epstein gab sich als Finanzberater aus und erhielt 1991 Zugriff auf die Finanzen des Milliardärs. Er übernahm die Kontrolle über Wexners persönliche Finanzen, zahlte sich selbst hohe Gehälter aus und erwarb ein Immobilienportfolio sowie einen Privatjet.

2007 trennten sich die Wege von Epstein und Wexner, als ein Skandal den Finanzier erschütterte. Erst dann entdeckte Wexner, dass Epstein, wie er später schrieb, "riesige Summen von mir und meiner Familie veruntreut" hatte.

Quelle des Reichtums

Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der US-Staatsanwaltschaft hatte Epstein mehrere hundert Millionen Dollar, die Wexner gehörten, gestohlen oder veruntreut. "Dieses Fehlverhalten, zusammen mit den Gebühren, die Epstein sich selbst für seine Dienste an Wexner zahlte, scheint praktisch sein gesamtes Vermögen auszumachen", so die Anwälte in dem Bericht.

Epstein kaufte einen Privatjet, der Wexner gehörte, für einen Bruchteil seines Wertes. Dasselbe tat er mit einem Stadthaus in New York City. Epstein kaufte außerdem Immobilien im Auftrag von Wexner und verkaufte sie dann mit Preisnachlass an sich selbst weiter, heißt es in dem Bericht.

Mit Charme hat Jeffrey Epstein viele Kontakte geknüpft und gepflegt - hier bei einer Dinner-PartyBild: Epstein Estate/House Oversight/ZUMA/IMAGO

2008 zahlte Epstein Wexner im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung 100 Millionen Dollar zurück, um einem öffentlichen Gerichtsverfahren zu entgehen. Wexner brach alle Verbindungen zu Epstein ab, erstattete aber nie Anzeige.

Dennoch behielt Epstein Vermögenswerte und ein riesiges Vermögen. Da Wexner über ein Jahrzehnt lang nicht an die Öffentlichkeit ging, wusste niemand, was geschehen war.

Wexners Verbindungen

Aber Wexner gab Epstein noch etwas anderes, nämlich Glaubwürdigkeit. Der Gedanke dahinter war: Wenn Wexner Epstein vertraut, konnten auch andere ihm und seinen Finanzberatungen guten Gewissens vertrauen. Epstein nutzte diese Glaubwürdigkeit, um Zugang zu einem stetig wachsenden Kreis einflussreicher Persönlichkeiten zu erhalten.

Epstein war ein "Name Dropper". Er scheute sich nicht, in Gesprächen Namen wie Clinton und Rockefeller zu erwähnen. Das schien zu funktionieren. Prominente Persönlichkeiten, wie beispielsweise der Private-Equity-Milliardär Leon Black, wurden in sein persönliches Netzwerk aufgenommen. Im Laufe der Jahre gab es immer wieder Gerüchte über überhöhte Gebühren oder Ausbeutung, doch Wexner scheint der Einzige geblieben sein, der Epsteins Fehlverhalten öffentlich anprangerte.

JPMorgan und die Deutsche Bank

Selbst nachdem Epstein 2008 als Sexualstraftäter angeklagt und verurteilt worden war und eine Haftstrafe verbüßt hatte, suchten viele weiterhin seinen Rat - ein Umstand, der durch die jüngste Veröffentlichung von Dokumenten des US-Justizministeriums unterstrichen wird. Viele Unternehmen freuten sich über seine Aufträge.

Seine Banken gerieten in der Folge in den Fokus der Ermittlungen. Epstein nutzte JPMorgan von 1998 bis 2013, bis die Bank seine Konten schloss. Ein Jahrzehnt später zahlte die Bank, ohne ein Fehlverhalten einzugestehen, 75 Millionen US-Dollar zur Beilegung von Ansprüchen der US-Jungferninseln und 290 Millionen US-Dollar zur Beilegung einer Klage einer Gruppe von Epstein-Opfern.

Nach seinem Ausscheiden bei JPMorgan erlaubte die Deutsche Bank Epstein 2013, ein Konto zu eröffnen. Später besaß er etwa 40 Konten, bevor die Bank kurz vor seinem Tod die Geschäftsbeziehung beendete. Die Deutsche Bank erklärte, sie bedauere ihre Verbindung zu Epstein und stimmte einer Zahlung von 75 Millionen US-Dollar an eine Gruppe seiner Opfer zu, ohne ein Fehlverhalten einzugestehen.

Was bleibt von Epsteins Vermögen?

Epstein wurde am 6. Juli 2019 verhaftet und wegen Menschenhandels mit Minderjährigen angeklagt. Er wurde am 10. August desselben Jahres tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden.

Als sein Testament dem Nachlassgericht auf den Amerikanischen Jungferninseln - wo er seinen Wohnsitz hatte - vorgelegt wurde, wies es ein Vermögen von insgesamt 577 Millionen US-Dollar aus, darunter 56,5 Millionen US-Dollar in bar, fast 194 Millionen US-Dollar in Hedgefonds und Private-Equity-Investitionen sowie Aktien im Wert von 112 Millionen US-Dollar. Es listete auch die Unternehmen auf, denen seine Immobilien auf den Jungferninseln, in New Mexico, New York City, Palm Beach und Paris gehörten.

Das Epstein-Anwesen auf seiner Karibikinsel Little St. James - hier waren ungezählte Promis zu GastBild: Emily Michot/Miami Herald/TNS/ABACA/picture alliance

Doch Steuern, Instandhaltungskosten, Anwaltskosten und hohe Entschädigungszahlungen haben das Vermögen stark geschmälert. Dennoch gingen die Versuche, den Ursprung des Vermögens zu erklären, weiter.

Die New York Times schloss im Dezember 2025 eine mehrmonatige Untersuchung ab. Nach der Durchsicht Tausender Seiten Akten kam die Zeitung zu dem Schluss, dass Epstein sein Vermögen durch "Betrug, Diebstahl und Lügen" aufgebaut hatte. "Epstein war weniger ein Finanzgenie als vielmehr ein begnadeter Manipulator und Lügner", so die Zeitung. "Immer wieder war er bereit, sich am Rande der Kriminalität zu bewegen und Beziehungen zu zerstören, um Reichtum und Macht zu erlangen."
 

Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen adaptiert.

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen
Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen